Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

20

Einleitung.

der Art des Stoffes, mit welchem sie in Berührung kommen, richten muss. Wären die Glastrichter nicht von so überaus grosser Zerbrechlichkeit, ein Uebelstand, der wohl jedem Geschäftsmanne schon manchen Seufzer abgelockt hat, so sollte man keine anderen, als diese benutzen, da kein anderes Material so leicht rein zu halten und gleich unempfindlich gegen Säuren, Laugen etc. ist. Am nächsten stehen ihnen in dieser Beziehung; die Trichter aus emaillirtem Blech, doch sind dieselben gegen starke Säuren nicht ganz widerstandsfähig. Für Letztere benutzt man auch wohl Trichter aus Guttapercha. Doch selbst dieses Material wird nach verhältnissmässig kurzer Zeit namentlich durch starke englische Schwefelsäure mürbe und brüchig. Für alle die Flüssigkeiten, welche keine scharfen Substanzen enthalten, kann man zum blossen Durchgiessen Trichter aus Weissblech verwenden. Sobald sie aber, wie beim Filtriren, längere Zeit mit den Stoffen in Berührung kommen, dürfen nur Glastrichter angewandt werden.

Heber. So bequem und verwendbar die sog. Ballonkipper auch sind, so leiden doch auch sie an verschiedenen Uebelständen. Einmal erfordern sie ziemlich viel Platz, und dann muss man eigentlich für jede Art der Säuren und Laugen einen besonderen Kipper haben, da dass Ein- und Aussetzen der Ballons mühsam und nicht ganz ohne Gefahr ist, namentlich wenn die Umhüllung derselben, wie dies oft vorkommt, zerfressen und mürbe ist. Hier muss man immer wieder zum Heber zurückgreifen. Der Heber ist ein im spitzen Winkel gebogenes Rohr aus beliebigem Material (Glas, Metall, Gummi), dessen einer Schenkel länger ist als der andere. Wird nun das kürzere Rohr in eine Flüssigkeit getaucht und durch Ansaugen an dem längeren Schenkelrohr in diesem ein luftverdünnter Raum hergestellt, so steigt die Flüssigkeit in Folge des äusseren Luftdruckes im Rohr und füllt auch den längeren Schenkel an.

Lässt man nun die Flüssigkeit laufen, so geschieht dies in einem ununterbrochenen Strahl, weil der äussere Luftdruck auf den kürzeren Schenkel stärker wirkt wie auf den längeren. So einfach nun auch die Handhabung desselben bei Flüssigkeiten wie Bier, Wein, Wasser etc. ist, so ganz anders liegt die Sache bei allen scharfen und ätzenden Flüssigkeiten, bei welchen ein Ansaugen des Hebers mit dem Munde von vorn herein ausgeschlossen ist. Um dies zu vermeiden, hat man eine Menge verschiedener Vorrichtungen konstruirt, die den Heber aber, weil derselbe ja von Glas sein muss, meist sehr komplizirt und daher noch zerbrechlicher wie gewöhnlich machen.

Hat man leichte Flüssigkeiten, so kann man sich dadurch helfen, dass man auf den Ballonhals einen doppelt durchbohrten Pfropfen (am besten Gummipfropfen) setzt. Durch die eine Oeffnung wird ein gewöhnlicher Heber eingeführt, durch die andere ein kurzes, schwach gebogenes Rohr. Bläst man durch das kurze Rohr kräftig in den Ballon, so steigt die Flüssigkeit in dem Heber in die Höhe und fliesst ruhig ab. Derartige