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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Radices. Wurzeln.

aber doch häufig auch regelmässigerer Anordnung der Strahlenkreise; Geruch ebenfalls intensiv brenzlich-räucherig wie bei der Canton-Sorte; Geschmack beim Kauen unangenehm brenzlich, lange nachhaltend bitter und auffallend schleimig.

Gerade die Geruchs- und Geschmacksunterschiede zwischen Shensieiner- und Canton- nebst Sanghai-Rheum andererseits sind so hervortretende Merkmale, dass sich bei einiger Uebung diese Sorten auch in den geschnittenen und gepulverten Formen mit ziemlicher Sicherheit herausfinden lassen. Speziell zur Beurtheilung der Pulversorten giebt noch die Farbe einen weiteren Anhalt; Pulver aus Shensi - Rhabarber erscheint dunkler orangegelb, aus Canton- und Shanghai-Rhabarber heller, blassgelb.

Bestandtheile sind in Folge zahlloser Untersuchungen eine lange Reihe festgestellt, ohne dass man genau sagen könnte, welche die den Werth der R. bestimmenden sind. (Chrysophansäure in den Zellen der rothen Markstrahlen gilt meistens als das wirksamste Prinzip. Sie ist geruch- und geschmacklos, der in der Senna und der Cort. frangulae enthaltenen Cathartinsäure ähnlich.) Crysophan (orangefarben), Rheumgerbsäure, Oxalsäure etc.

Ein guter R. soll nicht zu leicht sein, eine reine Bruchfläche haben, überwiegend roth, ohne Hohlräume und schwarze Stellen sein; ferner kräftig von Geruch, fest, aber dem Fingernagel nachgebend. Neuerdings hat man auch in Europa angefangen, Rhabarber zur Gewinnung einer medizinisch brauchbaren Wurzel zu kultiviren, dieselbe erweist sich aber als bedeutend schwächer in der Wirkung. Namentlich England, Frankreich, Oesterreich (Mähren) produziren derartigen R. Diese letztere Sorte kommt auch häufig in den deutschen Handel. Sie ist äusserlich sehr sauber behandelt, jedoch sind die Stücke viel kleiner, gewöhnlich kegelförmig, leichter und von hellerer Farbe. Aussenfläche ohne das weisse Netz; auf dem Bruche deutlich strahlig, nur selten gemasert mit dunklem, sehr sichtbarem Ring zwischen Rinde und Holzsubstanz. Das Pulver erscheint weit heller als das echte.

Bestandtheile mit der asiatischen Wurzel übereinstimmend, nur ist der Stärkemehlgehalt grosser und die Oxalsäure fehlt.

Anwendung. Der R. gilt als eines der besten magenstärkenden Mittel; In kleinen Dosen wirkt er wohl in Folge des Gerbsäuregehaltes stopfend, in grösseren Dosen abführend. Er findet Verwendung zu zahllosen medizinischen Präparaten, theils in Stücken zu Aufgüssen und zum Kauen, theils zu Pulver, theils als Extrakt, theils in wässerigen, spirituosen oder weinigen Auszügen.

^[Abb:Fig. 81. Querschnitt von französischem Rhabarber.]