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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Ácidum sulfo-carbólicum crudum; Phenolschwefelsäure; Sozojodol; Sozojodólum

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Karbolsäure nicht mit offenen Wunden, Schnittwunden etc. in Berührung kommt.

Die krystallisirte Karbolsäure hat die unangenehme Eigenschaft, bei starkem Temperaturwechsel, namentlich im Winter, durch die Veränderung des Volums die Glasflaschen zu sprengen. Man fülle dieselben daher nicht zu voll und vermeide den Versand in der Kälte. Dieser Uebelstand wird bei den losen Krystallen vermieden. Die vielfach angewandten Blechflaschen sind insofern unpraktisch, als die Säure darin häufig durch Rost verunreinigt wird.

Karbolsäure ist möglichst vor Licht und Luft zu schützen; selbst die beste Säure färbt sich häufig dadurch.

Für die Dispensation in kleineren Mengen hält man am besten eine verflüssigte Säure (1 Th. Glycerin, 9 Th. Säure) vorräthig.

Bei der rohen Karbolsäure kommt es zuweilen vor, dass dieselbe nach Schwefelwasserstoff riecht (durch mangelhaftes Waschen bei der Gasbereitung); eine solche Säure lässt sich durch Schütteln mit etwas Bleiessig oder mit Bleioxyd vom Schwefelwasserstoff befreien und für Desinfektionszwecke brauchbar machen.

In neuester Zeit wird von der bad. Anilin- und Sodafabrik eine künstlich, auf synthetischem Wege, dargestellte Karbolsäure in den Handel gebracht. Dieselbe ist fast geruchlos, der Schmelzpunkt liegt zwischen 41-42° C. Der Siedepunkt genau bei der für reine Karbolsäure festgestellten Temperatur von 178°. In 5% Lösung ist ein Geruch noch kaum wahrnehmbar.

Auch bei ihr soll ein Rothwerden beobachtet sein, was für die von vielen Seiten aufgestellte Behauptung sprache, dass eine solche Röthung bedingt würde durch Spuren von Metalloxyden aus den Glas- oder Blechgefässen, in welchen die Karbolsäure aufbewahrt wurde.

Ácidum sulfo-carbólicum crudum. **+

Phenolschwefelsäure.

Als ein vorzügliches Desinfektionsmittel wird neuerdings die rohe Sulfo-Karbolsäure empfohlen. Sie wird dargestellt, indem man gleiche Gewichtstheile Schwefelsäure und rohe Karbolsäure (von 25% Karbolsäuregehalt) mischt, kurze Zeit erhitzt und dann erkalten lässt. Die so erhaltene Sulfo-Karbolsäure ist leicht löslich in Wasser und soll nur von Sublimatlösung an desinfizirender Wirkung übertroffen werden.

Sozojodólum. **

Sozojodol.

Unter diesem Namen bringt die Firma Trommsdorff-Erfurt ein Präparat in den Handel, welches das Jodoform ersetzen soll. Es sind dies Salze der Dijodparaphenolsulfonsäure, empirisch Sozojodolsäure genannt, mit Kalium und Natrium. Es kommt als Sozojodol, schwer löslich als Kaliumsalz und Sozojodol, leicht löslich als Natriumsalz in den Handel. Beide bilden farb- und vollständig geruchlose Krystalle, welche in 50 resp. 13 Th. Wasser löslich sind.