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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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A. Farbwaaren für die Färberei.

Mullkrapp, und zwar in ganzen Fässern von ca. 1000 kg. Die französischen und Elsässer Sorten sind anfangs weit heller, gewinnen aber bedeutend durch Lagern und kommen in 1/1 (ca. 800 kg), 1/2, 1/4, 1/8, 1/16 Fässern in den Handel.

In frischem Zustande enthält die Wurzel einen eigenthümlichen Stoff, das Ruberythrin oder die Ruberythrinsäure, welche durch Gährung, durch Säuren, zum Theil auch schon durch das Trocknen, in Zucker und zwei Farbstoffe gespalten wird, das Alizarin oder Krapproth und das Purpurin. Auf diesen beiden Farbstoffen beruht die früher so ungemein grosse Verwendung des Krapps zum Färben von Türkischroth (französische Militärhosen), rosa, violett etc. Das an sich farblose Purpurin giebt mit Alkalien rothe Lösungen und bildet mit Thonerde, am besten mit Ammoniakalaun, schön gefärbte, rothe Lacke. (Krapprosa und Krappcarmin.)

Da die Menge des Farbstoffs in der Krappwurzel eine verhältnissmäßig geringe ist, hat man sich von jeher bemüht, denselben zu konzentriren; so entstanden eine ganze Reihe von Präparaten, von welchen folgende die wichtigsten sind:

Garancine oder Krappkohle. Wird hergestellt, indem man gemahlenen Krapp mit konzentrirter Schwefelsäure behandelt, nachher gut auswäscht und trocknet. Die Schwefelsäure verkohlt die meisten organischen Bestandtheile der Wurzel, ohne den Farbstoff zu zerstören, so dass dieser mit wenig Kohle gemischt zurückbleibt. Diese Methode ist namentlich in Frankreich gebräuchlich, daher der Name, der von dem französischen Worte Garance-Krapp abstammt.

Garanceux. Da beim Ausfärben mit Krapp die Wurzel nur zum Theil erschöpft wird, verkohlt man den Rückstand ebenfalls mit Schwefelsäure, um den Rest des Farbstoffs zu gewinnen; ein solches Präparat heisst "Garanceux".

Krappblume (fleures de garance). Gemahlener Krapp wird mit Wasser angemengt, gewöhnlich mit etwas Hefe versetzt und so einer Gährung unterworfen. (In Frankreich gewinnt man dabei als Nebenprodukt einen ganz ordinären Branntwein, den sog. Krappbranntwein.) Nachdem die Gährung vollendet ist, wird die Flüssigkeit abgepresst und der Rückstand getrocknet.

Colorin ist das weingeistige Extrakt aus dem Garancine; es soll 40-50 mal mehr Färbekraft besitzen als Krappwurzel.

Alizarin (verte et jaune) wurde hergestellt durch Ausziehen der Wurzel mit verdünnter schwefliger Säure; die Auszüge wurden dann gekocht, um die schweflige Säure zu verjagen; hierbei schied sich das Alizarin in unreinem Zustande ab. Heute ist die Fabrikation dieses Präparats, die bei der Ausbeute von nur 1 % niemals sehr bedeutend war, ganz aufgegeben, seitdem 1868 die künstliche Herstellung desselben aus dem Anthracen, einem festen Kohlenwasserstoff des Steinkohlentheers, entdeckt wurde. Neuerdings wird diese Fabrikation in der Weise ausgeführt, dass