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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Chinesischer Zinober; Vermillon-Zinober

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B. Farben für Malerei und Druckerei.

in Holland das schwarze Schwefelquecksilber durch Zusammenreiben herstellt, wird es in Idria in besonders konstruirten Schüttelfässern durch mechanisches Schütteln bereitet. Stets wendet man weit mehr Schwefel an (etwa das doppelte Quantum), als nach den Molekülverhältnissen nöthig wäre; die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Anwendung eines Ueberschusses an Schwefel ein weit besseres Produkt erzielt wird. Nachdem man auf eine der beiden Weisen schwarzes Sulfid hergestellt hat, erhitzt man dasselbe in gläsernen oder thönernen Gefässen zuerst soweit, dass der überschüssige Schwefel verbrennt. Sobald der Arbeiter an dem Nachlassen der aus der Oeffnung tretenden Schwefelflamme merkt, dass die Verbrennung ziemlich beendet ist, legt er eine Vorlage lose an und setzt die Erhitzung fort, bis alles Schwefelquecksilber sublimirt ist. Ein Theil desselben hat sich in der Vorlage verdichtet, der grösste Theil aber sitzt in dicken Krusten in der oberen Hälfte des Sublimationsgefässes. Alles wird gesammelt, sortirt und dann unter Wasser gemahlen. Bei den feinsten Sorten soll dies 5-6 mal hintereinander geschehen, doch ist zu bemerken, dass durch das vielfache Mahlen der Farbenton des Zinobers etwas heller wird. Darauf wird das Pulver, um es von den letzten Resten des Schwefels zu befreien, mehrmals hintereinander mit einer verdünnten Pottaschelösung ausgekocht, dann sehr sorgfältig gewaschen und getrocknet.

Chinesischer Zinober. Die Fabrikation dieser sehr geschätzten Waare, wie sie in China betrieben wird, ist unbekannt; doch haben die Analysen gezeigt, dass der echte chinesische Zinober etwa 1 % Schwefelantimon enthält. Hierauf fussend hat man in Europa Zinober von gleich schöner Qualität in folgender Weise dargestellt. Man mischt dem zuvor hergestellten, schwarzen Schwefelquecksilber 1 % Schwefelantimon zu, sublimirt zusammen und kocht das gemahlene Pulver mit einer Schwefelalkalilösung, wäscht nachher sorgfältig aus und trocknet.

Vermillon-Zinober heissen alle, auf nassem Wege hergestellten Sorten. Diese Methoden liefern zum Theil ein sehr schönes Produkt und haben den Vortheil, dass die Arbeiter nicht, wie bei dem Sublimationsverfahren, durch die Quecksilberdämpfe gefährdet werden. Die Einzelheiten der Ausführung werden von den Fabriken streng geheim gehalten; doch verfährt man im Grossen und Ganzen folgendermaßen: das nach irgend einer Methode hergestellte schwarze Quecksilbersulfid wird mit einem Schwefelalkali so lange unter Umrühren gekocht, bis die Farbe in den gewünschten feurig rothen Ton übergegangen ist; damit sie sich nicht noch weiter verändert, wird das Kochen sofort unterbrochen. Jetzt wird ausgewaschen, zuletzt mit schwach salzsaurem Wasser, dann nochmals mit verdünnter Pottaschelösung gekocht, wiederum ausgewaschen und getrocknet.

Eine sehr empfehlenswerthe Methode, welche auf anderen Prinzipien beruht, stammt von Professor Liebig. Sie basirt darauf, dass weisses Präzipitat (Hydrargyrum amidato-bichloratum, s. d.), mit Schwefelalkalien