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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Firnisse

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Farben und Farbwaaren.

nach monatelangem Aufbewahren in schwefelwasserstoffhaltiger Luft. Bei ersterem zeigte sich nicht die geringste Veränderung, während der mit bleihaltigem Siccativ ausgeführte Anstrich ganz bedeutend nachgegelbt war.

Es könnte nun hiernach scheinen, als sei das borsaure Manganoxydul das in allen Fällen beste Siccativ. Diesem steht aber entgegen die pulverförmige Form desselben und seine überaus geringe Löslichkeit in Leinöl, Letztere bedingt seine schwache trocknende Kraft. Immer wieder ist man daher wegen der leichten Anwendbarkeit und der stark trocknenden Wirkung auf die flüssigen Siccative angewiesen. Jedoch haben auch diese bei ihrer jetzigen Bereitungsweise mancherlei Nachtheile. Einmal der fast immer vorhandene Gehalt an Blei, dann die zu dunkle Farbe, die sie für helle Farben gänzlich untauglich macht, und endlich drittens ihre oft grosse Verschiedenheit, selbst aus ein und derselben Fabrik.

Dieser letztere Uebelstand ist bedingt durch die ziemlich empirische Art ihrer Bereitung, welche ihre Gleichmäßigkeit abhängig macht von der Geschicklichkeit des Arbeiters und anderen, oft gar nicht kontrolirbaren Umständen.

Um diesen Missständen zu entgehen, hat der Verfasser nun versucht, auf gänzlich neuem Wege ein möglichst helles und stets gleich zusammengesetztes Mangansiccativ herzustellen.

Diese Gleichmäßigkeit wird dadurch erreicht, dass er reines, leinölsaures Manganoxydul bereitet und aus diesem, in ganz genau bestimmten Mischungsverhältnissen, das Siccativ darstellt.

Die anfangs sehr helle Farbe des neuen Siccativs hält sich vollständig in verschlossenen Gefäßen. Durch Luftzutritt dunkelt es zwar etwas nach, niemals aber wird seine Farbe so dunkel, wie die der gewöhnlichen Siccative.

Vor Allem aber besitzt dieses Mangansiccativ nicht die geringste färbende Kraft, wie es bei den jetzt gebräuchlichen Siccativen der Fall ist. In Folge dessen werden sogar ganz zarte Farbenmischungen höchstens in frischer Mischung etwas verändert, eine Aenderung, die indess mit dem Trocknen vollständig wieder verschwindet.

Firnisse.

Der Name "Firniss" wird vielfach fälschlich auch für diejenigen Präparate gebraucht, welche wir richtiger mit "Lack" zu bezeichnen haben. Unter Firniss im engeren Sinne sind einzig und allein trocknende Oele zu verstehen, bei welchen durch besondere Behandlung die Fähigkeit des Austrocknens erhöht ist. Sie erhärten in dünner Schicht ausgestrichen in kurzer Zeit zu einem glänzenden, biegsamen Ueberzug. Diese Erhärtung beruht nicht etwa auf einer Verdunstung, sondern im Gegentheil auf einer Oxydation, bei der das Gewicht des angewandten Firniss sich um ein Bedeutendes erhöht. Es bilden sich bei diesem Prozess neue, harzartige