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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Geschäftliche Praxis.

Unter Molkenpastillen versteht man mit Weinsäure versetzte Pastillen, die zur Bereitung sog. saurer Molken benutzt werden.

Pulveres, Pulvermischungen. Von den auch medizinisch verwandten Pulvermischungen kommen für uns nur Salicylstreupulver, eine Mischung aus 3 Th. Salicylsäure, 10 Th. Weizenstärke und 87 Th. Talkpulver, und Brausepulver in Betracht. Bei der Bereitung von Brausepulver thut man gut, Zucker und Weinsteinsäure jedes für sich scharf auszutrocknen, um auch die kleinste Spur von Feuchtigkeit zu entfernen, weil sonst in Folge von Kohlensäureentwickelung das Brausepulver zersetzt wird. Dann reibt man sie in einem warmen Mörser zusammen und mischt zuletzt das Natriumcarbonat hinzu. Letzteres darf nicht vorher ausgetrocknet werden, weil es in der Wärme Kohlensäure abgiebt und dadurch zu laugenhaft schmeckendem Natriummonocarbonat wird.

Sebum cervinum siehe Sebum.

Serum. Molken. Lässt man Milch an der Luft stehen, so gerinnt sie nach einiger Zeit, d. h. sie scheidet sich in unlöslichen Käsestoff (Kasein) und in eine gelbliche Flüssigkeit, die mit dem Namen "Molken" bezeichnet wird. Diese Molken enthalten, ausser dem Milchzucker der Milch, alle Salze derselben und werden als leicht verdauliches diätetisches Mittel vielfach angewandt. Man unterscheidet für medizinische Zwecke "süsse" und "saure" Molken. Erstere werden hergestellt, indem 1 Liter kalte, am besten abgerahmte Milch mit 1 Theelöffel Molkenessenz (s. später) versetzt und dann vorsichtig auf 40-50° erwärmt wird. Hierbei scheiden sich die Molken klar ab, werden durch Koliren vom Kasein getrennt und eventuell filtrirt. Saure Molken werden durch Weinsäure, Weinstein (s. Molkenpastillen), auch durch Tamarinden oder Alaun abgeschieden. Hierbei kann die Flüssigkeit bis nahe zum Sieden erhitzt werden. Von Alaun rechnet man 10,0, von Tamarindenmus 40,0 auf 1 Liter abgerahmte Milch. Molken sollen jeden Tag frisch bereitet werden.

Spiritus. Unter dieser Bezeichnung versteht man in pharmazeutischem Sinne entweder Destillationsprodukte, bereitet durch Destillation von Spiritus mit Kräutern etc., z. B. Spir. cochleariae, Spir. lavandulae u. a. m., oder Lösungen anderer Körper in Spiritus, z. B. Spir. camphoratus, Spir. saponatus u. a. m.

Zur Darstellung des Kampherspiritus löst man zuerst Kampher in starkem Weingeist auf und fügt erst nach vollendeter Lösung die vorgeschriebene Menge Wasser hinzu. Der Ameisenspiritus des Deutschen Arzneibuches ist eine einfache Mischung von Ameisensäure, Spiritus und Wasser. Der Seifenspiritus des Deutschen Arzneibuches ist eine Lösung von Kaliseife in verdünntem Weingeist, bereitet durch Verseifung von Olivenöl mit alkoholischer Kalilauge und Lösung der entstandenen Seife in Weingeist und Wasser. Löffelkrautspiritus wird dargestellt durch Destillation von frischem, zerquetschtem Löffelkraut mit verdünntem Weingeist.

Spiritus aethereus, Aetherweingeist, Hoffmannstropfen