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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Haarfärbemittel

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Haarfärbemittel.

Das Haar in allen seinen Schichten, gewissermassen von Innen heraus und durch innere Mittel zu färben, ist trotz vielfacher Versuche noch niemals gelungen und wird auch wohl schwerlich gelingen, bis man die Ursachen kennt, welche die verschiedenen Färbungen hervorrufen.

Die Wirkung, auf welche die künstliche Färbung der Haare beruht, ist eine rein chemische. Man tränkt sie mit Stoffen, welche entweder durch den Sauerstoff der Luft oder durch den natürlichen Schwefelgehalt der Haare dunkel gefärbt werden. Da die Einwirkung des in den Haaren enthaltenen Schwefels aber eine verhältnissmässig langsame ist, pflegt man, um die Wirkung zu beschleunigen, schwefelhaltige Beizen anzuwenden. Auf dem natürlichen Schwefelgehalt der Haare beruht auch die Wirkung der Bleikämme. Bei der Benutzung derartiger Bleikämme haften dem Haare kleine, allerdings sehr geringe Mengen metallischen Bleies an, welches durch den Schwefelgehalt der Haare in schwarzes Schwefelblei übergeführt wird. Aber selbst bei dieser Behandlung des Haares sind schädliche Einwirkungen beobachtet worden, wie denn überhaupt die Bleisalze die gefährlichsten Mittel zum Färben der Haare sind. Bösartige Augenentzündungen, nervöse Kopfschmerzen und selbst direkte Bleivergiftungen hat man nach dem Gebrauch solcher Mittel beobachtet. Mit Recht sind daher alle bleihaltigen Haarfärbemittel gesetzlich verboten. Das eine Zeit lang mit grosser Reklame angepriesene Mittel "Mr. Allans Hairrestorer" gehörte hierher.

Ausser den Bleiverbindungen dienten und dienen auch noch vor Allem Silbernitrat, seltener Kupfersalze, sowie ferner Eisen, Wismuth und Manganverbindungen zum Dunkelfärben des Haares. Namentlich die Eisen- und Mangansalze, von letzterem kommt eigentlich nur das übermangansaure Kali in Betracht, dürften wohl als völlig unschädlich anzusehen sein.

Von den organischen Stoffen, welche zum Färben der Haare dienen, nennen wir den Saft der unreifen Walnussschalen, ferner die Pyrogallussäure und das im Orient viel angewandte Henna.

Bemerkt sei hier ferner noch, dass anhaltendes Waschen der Haare mit Gerbsäure-Lösungen die Haare in geringem Masse dunkler färbt, während häufige Waschungen mit Essig oder überhaupt verdünnten Säuren, das Haar heller machen.

Ueber die Art der Anwendung der Haarfärbemittel sei hier noch kurz Folgendes gesagt: Man entfettet zuerst das Haar vollständig, am besten mit dünner Sodalösung oder stark verdünntem Salmiakgeist. Wäscht dann mit reinem Wasser nach und trocknet mässig ab. Danach werden die Haare strichweise mit einem Kamm in die Höhe gehoben und das Haarfärbemittel mittelst einer Zahnbürste aufgetragen. Soll Beize verwandt werden, so wird diese erst dann aufgetragen, wenn die erste Flüssigkeit möglichst eingezogen ist. Wenn die gewünschte Färbung erzielt, so wird das Haar leicht abgespült und wenn trocken, gefettet. Vielfach wird bei