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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Tinten

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Tinten.

enthalten ist, mit absolut oxydfreiem Eisenvitriol zusammen, so entsteht eine klare, kaum dunkel gefärbte Flüssigkeit. Schreiben wir mit dieser Lösung und setzen die Schriftzüge der Luft aus, so werden sie allmälig tiefschwarz, weil sie sich in der Papierfaser selbst in schwarzes, gerbsaures Eisenoxyd umwandeln. Hierauf beruht die Dauerhaftigkeit des Geschriebenen, da dasselbe auf der Papierfaser gleichsam festgebeizt ist. Ersetzen wir den Eisenvitriol (schwefelsaures Eisenoxydul) durch ein Eisenoxydsalz, so erhalten wir sofort eine tief blauschwarze Flüssigkeit, welche auch dunkle Schriftzüge hervorruft; diese letzteren aber sind nicht auf der Faser festgebeizt, sondern sie liegen nur auf derselben und lassen sich, wenn auch schwierig, abwaschen. Die Flüssigkeit selbst ist nämlich keine Lösung des gerbsauren Eisenoxyds, sondern nur eine farblose Flüssigkeit, in welcher das schwarze, gerbsaure Eisenoxyd suspendirt ist. Es setzt sich, wenn auch wegen seiner Feinheit nur langsam, aus demselben ab. Wollten wir durch einen grösseren Zusatz von arabischem Gummi die Flüssigkeit so weit verdicken, dass ein Absetzen des Niederschlages nicht oder doch nur sehr langsam erfolgt, so würde sie zum Schreiben nicht mehr tauglich sein. Eine derartige Umsetzung von Oxydul- in Oxydsalz geht nun auch in der Tinte vor sich. Die frisch sehr hell gefärbte, Tintenmischung wird allmälig immer dunkler und zwar um so schneller, je mehr sie der Luft ausgesetzt ist. Nach einiger Zeit stellt sie also eine Mischung dar aus löslichem, gerbsaurem Eisenoxydul und unlöslichem, in der Flüssigkeit nur suspendirtem gerbsaurem Eisenoxyd. In diesem Stadium der Umsetzung erfüllt die Tinte vollständig alle an sie zu machenden Anforderungen; sie fliesst dunkel und die Schrift ist beständig. Könnten wir jetzt den Umsetzungsprozess unterbrechen, so wäre die gestellte Aufgabe gelöst; leider ist dies nicht der Fall. Wir können die Umsetzung nur ein wenig verlangsamen; einmal dadurch, dass wir die Tinte, sobald sie sich hinreichend geschwärzt hat, aus den offenen Gefässen in geschlossene bringen, um sie dadurch möglichst vor der weiteren Einwirkung des Sauerstoffs der Luft zu schützen. Andererseits wird durch den Säurezusatz die Oxydation überhaupt verlangsamt und auch, wie man annimmt, ein Theil des gerbsauren Eisenoxyds in Lösung gebracht. Man wählt als Säure fast immer die Essigsäure und zwar am besten in Form von rohem Holzessig, dessen empyreumatische Bestandtheile zugleich die Schimmelbildung verhindern und die Haltbarkeit der Tinte erhöhen.

Wird kein Holzessig, sondern reiner Essig oder irgend eine andere Säure angewandt, so müssen wir andere, die Schimmelbildung verhindernde Zusätze machen. Hierzu eignen sich am besten Karbol- oder Salicylsäure, da das kräftig wirkende Sublimat, seiner Giftigkeit wegen, zu verwerfen ist. Die Gefahr der Schimmelbildung tritt überhaupt fast ganz in den Hintergrund, wenn wir statt der Galläpfelauszüge, nach Dieterichs Vorschläge, reine Gerbsäurelösung anwenden.

Kommt es darauf an, eine Tintenmischung möglichst schnell ver-^[folgende Seite]