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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Tinten

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Tinten.

wenden zu können (denn die oben genannte Umsetzung erfordert Wochen, ja Monate), so kann man sich dadurch helfen, dass man dem Eisenvitriol von vornherein etwas Eisenoxydlösung hinzusetzt, doch ist hierbei zu bemerken, dass der dadurch entstehende schwarze Niederschlag sich weit rascher absetzt, als wenn die Oxydation in der Flüssigkeit selbst vor sich geht. Weit besser ist es unserer Ansicht nach, die blässe Tinte durch irgend ein anderes Mittel aufzufärben, und hierzu verwendet man am besten Anilinschwarz oder einen anderen Theerfarbstoff in solcher Menge, als eben erforderlich ist, die Tinte aus der Feder dunkelfliessend zu machen. Eine so aufgefärbte frische Tinte, sofort auf Flaschen gefüllt und gut verkorkt, besitzt eine fast unbegrenzte Dauerhaftigkeit und entspricht fast allen, an eine gute Tinte zu stellenden Anforderungen. Jedenfalls ist sie besser als eine schon halboxydirte, nicht aufgefärbte Tinte. Weiter ist zu bemerken, dass man bei allen Tinten niemals das Gummi Arabicum durch Gummi Senegal ersetzen darf. Ersteres ist, wegen seiner vollständigen Löslichkeit, selbst in seinen schlechteren Sorten, immer vorzuziehen.

Dieterich lässt bei seinen neueren Vorschriften das arabische Gummi durch Zucker ersetzen, ein Zusatz, der von anderen Seiten für nicht anwendbar gehalten wird. S. Lehner z. B. verwirft, in seinem Werke über die Tinten-Fabrikation, den Zuckerzusatz gänzlich, weil derselbe ein Schleimigwerden der Tinte hervorrufe. Nach eigenen Erfahrungen können wir diese Behauptung vorläufig nicht bestätigen, doch stehen uns allerdings nur derartige, mit Zucker bereitete Tinten zu Gebote, welche erst 3 Monate alt sind. Möglich ist es immer, dass der Zucker durch die vorhandene freie Säure allmälig invertirt wird. Dieterich empfiehlt deshalb schon den Zucker erst der fertigen Tinte zuzusetzen, damit eine Invertirung durch das Kochen mit der Säure nicht vor sich gehe; vielleicht geschieht eine solche aber doch in der Kälte bei längerer Berührung des Zuckers mit der Säure.

Kommt es auf grosse Billigkeit der Tinten an, so wird der Galläpfelauszug häufig theilweise durch einen Auszug von Blauholz ersetzt; doch bedeutet ein derartiger Zusatz immer eine Verschlechterung der Tinte. Dieterich behauptet sogar, dass das Ferritannat des Blauholzes sich mit dem der Galläpfel nicht vertrüge.

Das Verhältniss zwischen Galläpfel resp. Tannin und dem Eisenvitriol geht in den einzelnen Vorschriften ungemein weit auseinander. Wir werden auf die Verhältnisse später bei den eigentlichen Vorschriften noch näher eingehen, wollen hier aber gleich bemerken, dass der Eisenzusatz nicht grosser sein darf, als dass er durch die Gerbsäure gänzlich in Ferritannat übergeführt werden kann. Ist mehr Eisen vorhanden als hierzu erforderlich, so bleibt unzersetzter Eisenvitriol in der Flüssigkeit und dieser wird auf dem Papier sich oxydiren und zum Theil sich in unlösliches, basisch schwefelsaures Eisenoxyd umwandeln, welches die Schrift ver-^[folgende Seite]