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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Drittes Hauptstück.

Von der Zerstörung, dem wiederaufbau, der Erweiterung und Größe der Stadt Ulm.

Kap. 1.

Wie die Stadt zerstört und wieder aufgebaut wurde.

Das dritte Hauptstück von Ulm und der Stadt Ulm handelt von ihrer Zerstörung, dem Wiederaufbau, der Erweiterung und beständigem Wachstum und von ihrer Abmessung. Im Jahr des Herrn 1124 seit der Menschwerdung, nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. dieses Namens kamen die Kurfürsten zur Wahl eines andern Kaisers zusammen, und bei der Wahl geteilt wegen der Gesandtschaft des Papstes, welche hinderte, daß nicht einer von den Schwaben gewählt wurde, wählten sie zwei. Der eine Teil, der dem Papst folgte, wählte den Herzog Lothar von Sachsen, der andere den Herzog Konrad von Schwaben, und so im Zwist auseinandergehend, betrachtete sich jeder der Gewählten als römischen König, und es entstand eine gefährliche Spaltung in Alemanien und besonders in Schwaben, weil jene dem Lothar anhingen, die andern dem Konrad. Aber Lothar war stärker als Konrad und hatte den Papst und den größeren Teil der Fürsten für sich. Als aber Lothar in Schwaben eindrang, begann er es zu bedrängen, und da sie seine Stärke fürchteten, ließen ihn ziemlich viele ein, und so kam er bis nach Ulm. Als er aber hier war, schlossen die Ulmer ihre Tore und sagten, diese Stadt werde nicht den Sachsen und Italienern, sondern den Herzogen der Schwaben und dem von denselben gewählten römischen König Konrad zu öffnen sein. Daher belagerte Lothar Ulm und (pag. 31) steckte die Vorstädte in Brand, dann ging er mit Maschinen auf die Mauern los und brach sie auf mehreren Seiten, endlich eroberte er sie, warf die Befestigungen nieder und zerstörte die Stadt; und nachdem er viele Bürger getötet hatte, nahm er die übrigen gefangen, andere zerstreute er, und so wurde das Gemeinwesen der Ulmer in nichts aufgelöst. Als nun die Ulmer zerstreut waren, drang der Kaiser, vom Papst gerufen, in Italien ein und dort verweilend starb er in Verona. 1) Nach seinem Tode versammelten sich die Kurfürsten im Jahre des Herrn 1138 und wählten einstimmig den eben genannten Herzog Konrad von Schwaben zum römischen König. Als er nun König geworden, erbarmte er sich der Ulmer, die um seinetwillen den Untergang erlitten hatten, und befahl ihnen, ihre Stadt wieder aufzu-^[folgende Seite]

1) Falsch; vielmehr in Breitenwang bei Reutte in Tirol.