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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Frühmesse von Vaimingen heraufkam. In seiner Todesstunde aber befahl er, daß er bei ihnen begraben werde, und bat sie, daß sie, falls es dazu käme, daß sie von hier an einen andern Ort auswandern, seine Gebeine zugleich mit sich nehmen möchten. Denn der verständige Mann glaubte, daß, wenn die Zahl der Schwestern zunähme, sie wegen des Wassermangels nicht an diesem Ort bleiben werden. Aber trotz dieser Trockenheit sind sie bis heute an dem Ort geblieben. Diese zwei Klöster standen nun lange Zeit in frommem Leben, bis der ganze Predigerorden herunterkam. Denn da nahmen beide von Tag zu Tag mehr ab und das anstößige Leben vermehrte sich bis zum Zerfall des ganzen Ordens und zur Verwirrung des Vaterlandes, was im einzelnen zu berühren ich um der Ehre des Ordens willen unterlasse. Als aber endlich in unserer Zeit die Reformationen zunahmen und nun das Kloster der Brüder in Ulm durch den ehrwürdigen Meister Ludwig Fuchs reformiert worden war, begann derselbe Meister auch wegen der Reformation dieser zwei Klöster Verhandlungen einzuleiten und forderte den ehrwürdigen Pater Ägidius Schwertman, den Prior in Lantzhut, auf, daß er diese Sache vor den erlauchten Fürsten, den Herrn Herzog Ludwig von Bayern, bringe (pag. 169). Und so wurde diese Sache durch den Fürsten von dem Ordensmeister gefordert und dem eben genannten Pater Ägidius Schwertman übertragen, der im Jahr des Herrn 1467 das erste Kloster, nämlich Medingen, reformierte, indem er die Abschließung (clausara) des Ordens mit vieler Mühe einführte. Schwerer aber war es, das zweite Kloster, nämlich Medlingen, zu reformieren, weil es sehr arm und in große Schulden verwickelt war, trümmerhafte Bauten und schwerfällige und hartnäckige Personen hatte und niemand gern Hand anlegte. Aber der Landesfürst wollte nicht ruhen, bis es reformiert würde. Daher wurden im Jahr des Herrn 1468 Schwestern von Schönenstainbach 1) zur Reform herbeigebracht, ins Kloster Medlingen eingesetzt und diese reformierten das Kloster und brachten mehrere Jahre daselbst in großer Dürftigkeit zu, so daß sie fast verzweifelten daselbst bleiben zu können, teils wegen des Mangels, der Schulden und der trümmerhaften Gebäude, teils hauptsächlich wegen der Unruhe einiger alten Schwestern, die mit ihren Freunden nicht nur das Kloster, sondern die ganze Provinz plagten. Es war aber in Ulm eine Jungfrau, der ihre Eltern gestorben waren und ein großes Vermögen hinterlassen hatten. Diese verpflichtete sich aus Liebe zu Gott durch Gelübde und gedachte in irgend ein Kloster einzutreten, und da sie weit und breit in Schwaben herum und bis nach Basel kam und einen Ort suchte, wo sie Gott besser dienen könnte, fah sie Klöster und Klausen von verschiedenen Orden. Endlich aber, als sie viele bedeutende Orte besichtigt hatte, wandte sie mit Hintansetzung aller andern ihren Sinn auf das ärmste Kloster Medlingen wegen seiner Not. Daher trat sie im Jahr des Herrn 1474 am Tage des heiligen Crispinus und Crispinianus 2), nachdem sie alle ihre Güter an sich genommen hatte, zu großem Segen für das Kloster mit dem Ordensgewand bekleidet unter großer Freude der Schwestern und starkem Weinen ihrer Freunde ein. Es war aber diese Jungfrau aus der ehrbaren und alten Familie der Schleicher, Namens Margaretha Schleicherin, und sie war mit ihren Brüdern und Schwestern, mit vielen Freunden und einem großen Geleite zu ihrer Vermählung mit Christus gekommen. Nach ihrer Einkleidung machte sie fromm ihr Noviziat durch und leistete nach Ablauf eines Jahres Profeß.

1) Bei Ensisheim im Ober-Elsaß.

2) 25. Oktober.