Biblische Real- und Verbal-Handkonkordanz

M. Gottfried Büchner, E. Ch. Lutz, H. Riehm, Verlag von Ferd. Riehm, Basel, 1890

Exegetisch-homiletisches Lexikon über alle Sprüche der ganzen heiligen Schrift für Geistliche, Lehrer, Sonntagsschullehrer und die Familie.

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Gerechtfertigt - Gerechtigkeit.
Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden, Oal. 3, 24.
Ihr habt Christum verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen, Gal. 5, 4.
§. 6. Diesem H. 5. widersprechen andere Stellen nicht; denn sie reden von der Gerechtigkeit vor Menschen. Den Glauben im Herzen kann Niemand sehen, als GOtt, und da der Maulglaube betrüglich, so wird der Mensch von Andern gerecht erkannt und gehalten werden durch die Werke. Ohne Werke ist der Glaube todt, Iac. 2, 26. (Richtiger wird Paulus und Iacobus verewigt, daß je-ner von dem lebendigen Herzensglauben oder der Zuversicht; dieser von dem todten Verstandesglau-ben oder dem todten Wissen redet. So wenig Paulus diesen letztern für genügend halt; so wenig hat Iacobus dem Erstern seine Kraft abgesprochen.)
Ist Abraham (ja) durch die Werke gerecht, so hat er wohl Nuhm (vor oe« Menschen, die es so aennu nicht nellmm mit der Gerechtigkeit nach dem Gesetz), aber nicht vor GOtt, Röm. 4, 2.
Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke (als Lnc. 16, 10.) gerecht (offenbart und erwiesen) worden 2c., Iac. 2, 21.
So sehet ihr nun, daß der Mensch durch die Werke gerecht (uon Hnderu erkannt) wird, nicht durch den Glauben allein §. 24. (Ändere, durch den Glauben, der allein, d. i. ohne Wtrke ist.)
§. 7. Wenn der Prediger vor eingebildeter pharisäischer Heiligkeit, Luc. 16, 15. und vor Tadelsucht der Wunderregierung GOttes, dessen Werk erst im Ausgang der Sache pflegt erkannt zu werden, warnen will, so heißt es:
Sci nicht allzugerecht (d. i. bilde dirs nicht ein), und nicht allzuweife (GOttes Wunderfüynnycn zu beurtheilen), daß du dich nicht (aus Uebereilnug) verderbest, Pred. ?, 17.
§. 8. Gzech. 21, 3. unb null in dir ausrotten beide, Gerechte und Ungerechte, vergl. 1 Mos. 18, 25. Fnr jene ist solches eine Züchtigung; für diese eine Strafe. Zu geschweige«, daß die Gerechten der ewige Tod nicht trifft.
8- 9.' Nach 1 Tim 1, 9. ist den Gerechten kein Gesetz gegeben, o. i. aufgebürdet. Nämlich es liegt ihnen nicht als eine Last und unerträgliches Joch mit Zwang auf dem Halse, wie den Andern. Denn es geht allerdings auch die Wiedergebornen das Gesetz GOttes an, und bringt ihnen mancherlei Nutzen; vornehmlich aber ist es die Negel ihrer Heiligkeit, Röm. 6, 14. 1 Cor. 9, 21. Aber sie folgen dem Gesetze freiwillig, aus innerm Drang, und bedürfen nicht des äußern Treibens und Droheus des Gesetzes.
§. 1V. Wer recht thut, der ist gerecht, gteich-wie er gerecht ist, 1 Joh. 3, 7. Nämlich es 'ist ein Zeichen der Gerechtigkeit seines Glaubens und Uebung der Gerechtigkeit des Lebens.
Gerechtfertigt
§. 1. Wer mit dem Zöllner gläubig seufzet: GOtt, sei mir Sünder gnädig! Luc. 18, 13. d.i. laß, GOtt, die Versöhnung für mich Sünder gelten! der ist ein solcher, welchen Paulus, Röm. 3. und 4. Cap. beschreibt, nämlich vor dem göttlichen Gericht frei und losgesprochen von der Sünde und der Strafe, und hingegen zu einem Kinde GÄttes nicht um der Werke willen, sondern aus Gnaden, wegen Christi Verdienstes, welches er in wahrem Glauben ergreift, aufgenommen. Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor Jenem, Luc.
18, 14.
) bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen (deswegen) bin ich nicht gerechtfertigt, i Cor. 4, 4.
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§. 2. Gerechtfertigt uon der Sünde, Röm. 6,
7. Eines solchen Sünden sind mit Christo in seinen Tod vergraben und vergeben: so daß er auch von dem Dienst der Sünden, wie ein natürlicher Todter, zugleich los wird.
Gerechtigkeit
§. 1. a) GDttes. Iu der Schrift, besonders im A. T. begreift sie oft die ganze moralische Vollkommenheit GOttes in sich, also auch die Heiligkeit und Güte. Insonderheit ist sie I) oft gleichbedeutend mit der Heiligkeit, nach welcher Alles, was GOtt liebt, gut, und was er haßt, böse ist; vermöge der absoluteu Vollkommenheit seines Willens, 5 Mos. 32, 4. Ps. 92, 16. Im engern Sinne aber bezieht sie sich II» auf die richtende Thätigkeit GOttes, sowie die Heiligkeit auf die gesetzgebende, und die Güte auf die verwaltende. Da ist sie die Cigeu-schaft, nach welcher GOtt Jedem Necht thut; Jedem das Seine giebt. Da nun der Nichter als solcher nichts zu thun hat, als das Urtheil über Schuldige oder Unschuldige zn sprechen, nud Belohuen von keinem Richter gefordert werden kann, so besteht die Fnnction der Gerechtigkeit darin, oaß sie den Schuldlosen dafür anerkennt und erklärt oder losspricht, und den Schuldigen verurtheilt und bestraft, woraus folgt, daß die Eintheilung in die belohnende und strafende Gerechtigkeit unrichtig ist; indem das Belohnen eiu Act der heiligeu Gnade oder Güte GOttes ist, widrigenfalls, wenn dies der Gerechtigkeit obläge, der Mensch auch vou Rechtswegen die Ve-lohuuug fordern könnte. (Wenn auch das Belohnen dem gerechten Richter, Röm. 2, 6. 2 Tim. 4, 8. zugeschrieben wird, geschiehts, weil es GOtt nach seinem einmal gegebenen gnädigen Versprechen thun muß.) Da uun die Menschen alle schuldig sind, das Vergeben aber nur eine Handlung der Gnade ist, so bleibt der göttlichen Gerechtigkeit in Beziehung auf die Menschen nur das Strafeu übrig, welches, vermöge der Gerechtigkeit, mit Rücksicht aus den Grad der Verschuldung und der Zurechnungsfähig-kcit des Menschen geschieht, Ps. 5, 5. Luc. 12, 47. 48.
§. 2. Sie offenbart sich in a) seinen Worten, in welchen die unfehlbare Wahrheit, unveränderliche Treue und Heiligkeit zu verspüren, b) seinen Wer-ken, aus denen die Proben der heiligen Wunderregierung seiner Geschöpfe, die gnädige Vergeltung des Guten, und die ernstliche Bestrafung des Bösen hervor leuchten. GOttes Gerechtigkeit geht durch Alles, und über Alles. In ihm ist der allerheiligstc Wille, in den Eugeln der heilige Gehorsam, in dem Menschen das Zeugniß des Gewissens, in allen Creaturen die Ordnung der Natur. Alle Sündeu geschehen wider die Gerechtigkeit GOttes, und in dem beleidigt der Sünder alle Creatureu, und macht sie ihm zuwider. Wenn GOtt versöhnt wird, so werden alle Creaturen gleichsam mit versöhnt, und freuen sich über einen solchen Menschen, Col. 1, 20. Luc. 15, 10. HErr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen,
Ps. S, 9. vergl. Ps. 27, 11. Ich danke den: HErrn um seiner Gerechtigkeit willen, Ps.
7, 18. HErr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden
werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, Pf. 31, 2. HErr, mein GOtt, richte mich nach deiner Gerechtigkeit, Ps.
35, 84. Und meine Zunge soll reden uon deiner Gerechtigkeit, und dich
täglich preisen, Ps. 35, 28. Deine Gerechtigkeit stehet wie die Verge GOttes, Pf. 3S, 7.