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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Die hellenische Kunst.

Dipylon- oder geometrischer Stil. Die Hauptmerkmale dieses Stiles sind die eiförmige Gestaltung der Gefäße und die geometrische Verzierung (daher auch die Bezeichnung "geometrischer Stil"). Die Anordnung der Linienverzierung ist verständnisvoll dem jeweiligen Gefäßteil angepaßt. Auf großen Stücken kommen auch figürliche Darstellungen (Kämpfe, Seeschlachten, Fest- und Leichenzüge) vor, die Gestalten sind jedoch auch "geometrisch" aufgefaßt, aus Kreisen, Dreiecken, Bogen zusammengesetzt. Aus dem Bilde ersieht man am besten diese Eigenart (S. Fig. 78).

Auf die Verzierungskunst bleibt in dieser Zeit die eigen-griechische Kunstübung beschränkt. Freibildnerei und eigentliche Malerei ist ihr noch fremd. In der Verwertung der geometrischen Muster prägt sich aber schon der besondere griechische Kunstgeist aus; sie ist ihm eigentümlich, von östlichen Einflüssen völlig unabhängig.

Letztere Einflüsse mußten aber in der Folge immer stärker sich geltend machen, je mehr die Griechen sich an den Ufern zunächst des ägäischen, dann des ganzen mittelländischen Meeres ausbreiteten.

Ausbreitung des Griechentums. Von der Mitte des 8. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. an vollzieht sich die "friedliche" Ausbreitung des Griechentums durch Gründung von Pflanzstädten, welche mit dem Mutterlande in Verbindung bleiben. Korinth, vor allem aber Milet an der kleinasiatischen Küste, gehen in dieser Beziehung voran. Unteritalien, Sicilien, die Küsten des Schwarzen Meeres, werden mit griechischen Niederlassungen erfüllt, die in erster Linie Stützpunkte des Handels sind, welcher ebenso wie das griechische Gewerbe einen gewaltigen Aufschwung nimmt. Der Verkehr stellt aber auch innige Beziehungen mit den alten östlichen Kulturkreisen her, auf kleinasiatischem Boden unmittelbar mit dem chaldäischen, in den anderen Gebieten durch Vermittlung der Phöniker mit dem ägyptisch-asiatischen.

Korinthische Gefäße. Es ist daher begreiflich, daß die Kunstübung jener Zeit - die auch noch in kunstgewerblichen Arbeiten sich bethätigt - im Banne der fremden stand und deren Vorbilder nachahmt. Dies zeigen insbesondere die Gefäße (Fig. 79) aus Korinth, das ein Haupt-Gewerbe- und Handelsplatz war und seine Erzeugnisse

^[Abb.: Fig. 90. Die Jungfrauenhalle vom Erechtheion.

(Nach Photographie.)]