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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

damals herrschte. Im Allgemeinen hält man sich an die Grundsätze der großen Meister, aber die Unruhe der Zeit (Kampf zwischen Sparta und Athen) wirkt auch auf die Künstler ein; man liebt es, sehr lebhaft bewegte Figuren darzustellen und flatternde Gewänder; die gewonnene Sicherheit in der Linienführung verleitet zu einem gewissen Uebermaß in Schwung und Fülle der Linien. Dies ruft andrerseits wieder eine "altertümelnde" Gegenströmung hervor, indem absichtlich und bewußt die strenge Herbheit des archaischen Stils nachgeahmt wird. Einen besonderen Aufschwung nimmt die Flachbildnerei; da man nicht nur in ausgedehntem Maße Grabmäler mit Flachbildwerken schmückte, sondern auch die Sitte aufkam, solche als Weihegeschenke zu stiften, wozu früher fast ausschließlich Standbilder verwendet wurden. Es zeigte sich eben hierin der Zug der Zeit, welcher an dem einfacheren Standbilde kein Genügen mehr fand, sondern das figurenreichere, eine Handlung wiedergebende Flachbildwerk vorzog.

Das Zeitalter nach dem peloponnesischen Kriege. Der Bruderkrieg zwischen Sparta und Athen hatte nicht nur letzteres von seiner politischen Höhe gestürzt, sondern auch alle Verhältnisse tief erschüttert. Die Geister hatten auch die friedliche Ruhe, das innere Gleichgewicht verloren. Die geläuterten religiösen Anschauungen des 5. Jahrhunderts machten jetzt einerseits dem Aberglauben, andrerseits dem Unglauben Platz. Während die Philosophen sich mehr und mehr vom Götterglauben abwandten, kam bei der Masse des Volkes jetzt die eigentliche "Vielgötterei" auf. Die Gottheiten wurden immer mehr vermenschlicht, ihnen in den "Halbgöttern" Uebermenschen zur Seite gestellt. Es ist die Zeit, in welcher dichterische Einbildungskraft die ganze Natur mit "dämonischen" (halbgöttlichen) Wesen erfüllt.

Erweiterung des Stoffkreises. Selbständigkeit der einzelnen Kunstzweige. Für die bildende Kunst lag in diesem Wandel insofern ein Vorteil, als einerseits der Kreis ihrer Vorwürfe sich erweiterte und andrerseits die Verweltlichung der gesamten Geistesrichtung die einzelnen Kunstzweige selbständig und von einander unabhängig machte. Standen früher Bildhauerei und Malerei in engster Verbindung mit der Baukunst und alle in erster Linie im Dienste der Religion, so änderte sich dies jetzt völlig.

Wohl sind noch immer Tempel ein Hauptgegenstand der hohen Baukunst - erst in der Zeit nach Alexander treten die Palastbauten in den Vordergrund -, aber Malerei und

^[Abb.: Fig. 104. Dornauszieher.

Rom, Kapitol.]