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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

dem des vorigen Beispieles, nur fallen die Falten freier und richtiger. Das Urbild dieses Werkes war jedenfalls eine Goldelfenbeinfigur der Künstler Menächmos und Soidas aus dem 6. Jahrhundert.

Athena von Aegina. Ganz altertümlich erscheint auch noch Haltung, Gesichtsausdruck und Gewand der Athena aus dem Tempelgiebel zu Aegina (Fig. 94), obwohl die Bildwerke erst im 6. Jahrhundert entstanden sind; doch ist der Fortschritt, der sich deutlicher in den nackten männlichen Gestalten zeigt, auch in der Athena zu spüren, indem das Gewand in breiteren, natürlichen, freilich auch noch stark stilisierten Falten fällt.

Auch den weiblichen Gestalten vom Schmuck des Tempels zu Olympia haftet noch viel vom Alten an. Die Bildwerke entstanden ja in der Zeit, in der das Ringen nach Ausdrucksfähigkeit erst begann. Der Fortschritt zu einer natürlicheren Auffassung auch der weiblichen Formen und des Gewandes ist aber unverkennbar (Fig. 100 u. 101).

Die Frauengestalten des Phidias. Athena Lemnia. Mit Phidias erreichte die Darstellung des bekleideten Weibes seine vollendetste Ausbildung. Einige Zwischenstufen überspringe ich und bringe in den Abbildungen Fig. 129 und auf S. 125 zwei seiner, in Nachbildungen erhaltenen, stehenden Frauengestalten, deren beste die Athena Lemnia ist. Diese Athena - nach ihren Stiftern, den Kolonisten auf Lemnos benannt - ist durch neuere Forschungen als eine Nachbildung des einst hochberühmten Werkes des Phidias erkannt worden. Das Bildwerk befindet sich in Dresden, jedoch ohne den echten Kopf, der in Bologna ist und in Dresden durch einen Gipsabguß ersetzt wurde. Dieser Kopf wurde erst für den eines Jünglings oder einer Amazone gehalten, bis durch Vergleichung der Bruchstellen gefunden wurde, daß er zu diesem Standbilde gehörte. Damit ist das Eigenartige der Phidiasschen Auffassung der Göttin erkannt: nicht das Weibliche wird hervorgehoben, sondern die Verschmelzung weiblicher und männlicher Eigenschaften, welche die hehre Göttin auszeichnen. Die Haltung ist aufrecht und gewaltig, der Körper kraftvoll.

^[Abb.: Fig. 161. Alexandersarkophag aus Sidon.

Konstantinopel, Kaiserl. Museum.]