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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

162

Die hellenische Kunst.

vollendet ist der klassische Flachbildstil in dem zweiten attischen Werke (Fig. 160) mit der Darstellung des Abschiedes des Orpheus von Eurydike, die der Götterbote Hermes zur Unterwelt zurückgeleitet. Die Behandlung ist malerischer, durch kräftiges Hervortreten aus der Fläche treten stärkere Gegensätze in Licht und Schatten auf. Die Formen runden sich mehr und zeigen die größere Fähigkeit des Künstlers in der richtigen Wiedergabe der Körperteile auch in Verkürzungen.

Die Gewänder sind schöner durchgebildet und stehen in richtiger Beziehung zu den durch sie verhüllten Körperteilen. Zwischen den beiden Werken stehen die Flachbilder vom Parthenon, deren Bedeutung auf S. 135 erläutert wurde (Fig. 112).

Die Entwicklung des Flachbild-Stiles war damit in der Hauptsache abgeschlossen und es konnte nun nur noch eine Weiterbildung durch Bereicherung der Darstellung und Ausgestaltung der Einzelheiten stattfinden.

Alexandersarkophag. Eine solche ist in dem Flachbildschmuck des sog. Alexander-Sarkophages zu erblicken, dessen Hauptseite ich in Fig. 161 abbilde. Bei den bisher besprochenen Flachbildern standen die Dargestellten nebeneinander. Verdeckungen einer Gestalt durch eine andere wurden möglichst vermieden.

Im Gegensatz dazu zeigt die Darstellung am Sarkophage eine Anordnung der Figuren sowohl neben- wie hintereinander, und zwar in drei Reihen oder Gründen, wodurch nicht nur eine stärkere malerische Wirkung, sondern auch eine größere Anschaulichkeit des geschilderten Schlachtgetümmels erreicht wurde.

Der Sarkophag, der in einer großen unterirdischen Grottenanlage in Sidon gefunden wurde, ist an seinen vier Seiten und an den Giebelfeldern der Schmalseiten mit Darstellungen von Kämpfen und Jagden geschmückt. Die hier abgebildete Hauptseite zeigt einen Kampf zwischen Griechen und Persern, an dem auch Alexander der Große, den vermutlich der erste Reiter links darstellen soll, teil nimmt. Aus dem Vorkommen Alexanders in der Schlachtschilderung und in der Löwenjagd auf der entgegengesetzten Seite glaubte man früher entnehmen zu dürfen, daß dieser Sarkophag der Alexanders selbst sei, doch hat sich diese Vermutung als irrig erwiesen. Jedenfalls barg er die Gebeine eines sidonischen Vornehmen, der sich den Sarkophag von einem attischen Künstler des 3. Jahrhunderts herstellen ließ.

Besuch des Dionysos. Die Art des hellenistischen Flachbildes mit Lebens- und Sittenschilderungen, die bei Besprechung der Werke der Rundbildnerei schon erwähnt wurden, zeigt die Abbildung Fig. 162, die den Besuch des Dionysos bei einem Dichter darstellt. Aehnlich den kleinen Rundbildwerken dienten wohl auch derartige Flachbilder zur Ausschmückung der Wohnräume; das Malerische ist deshalb vorherrschend und zeigt sich in der reichen Ausgestaltung des Hintergrundes und dem vielen Beiwerk.

Mediceische Vase. Auch an Prunkgeräten, meist großen Vasen, fand das Flachbild Anwendung. Als Beispiel gebe ich hier (Fig. 163) die sogenannte "mediceische" Vase mit der Darstellung des Opfers der Iphigenie. Eine höhere Kunstrichtung ist in diesen Werken nicht mehr zu erblicken, das Ziel des Künstlers war lediglich, etwas Zierliches und Gefallsames zu bieten.

Altar von Pergamon. Das bedeutendste Werk der hellenistischen Flachbildnerei, und was Umfang und Geschick der Ausführung betrifft auch der ganzen griechischen, ist der

^[Abb.: Fig. 178. Prachtamphora mit rotfiguriger Bemalung.

Neapel, Museo Nazionale. (Nach Photographie von Alinari.)]