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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Altchristliche Kunst

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Altchristliche Kunst.

Grabmal Theodorichs. Ein anderes sehr bezeichnendes Bauwerk ist das Grabmal Theodorichs, Fig. 209, das dieser noch zu seinen Lebzeiten errichtete.

Auf einem zehneckigen Unterbau erhebt sich das ebenfalls zehneckige Obergeschoß, dessen Inneres eine runde Halle bildet. Dieser Oberbau war früher von einer Säulenhalle umgeben.

Das Dach besteht aus einem einzigen Felsblock.

In der Anlage und in seiner Bestimmung erinnert dieser Bau an die römischen Kaisergräber, doch zeigt er in der Ausführung nicht nur die den Bauwerken von Ravenna eigentümlichen, sondern auch germanische Züge.

Katakombe. Wie die eigentlichen altchristlichen Gräber beschaffen waren, zeigt Fig. 210, die das Innere der Krypta einer Katakombe (s. S. 195) darstellt. Die Oeffnungen in den Wänden waren die eigentlichen Gräber, sie wurden mit Steinplatten verschlossen. Der Sitz des obersten Geistlichen war auf den stufenförmigen Platten im Hintergrunde, durch kleine Schranken war er von dem Hauptraum getrennt. Auf den Sockeln rechts und links im Vordergrunde standen Säulen, die ein wagerechtes Gebälkstück trugen. Das Licht fiel durch die Oeffnung der Decke ein.

Altchristlicher Sarg. Elfenbein-Büchse. Von den Erzeugnissen der altchristlichen Bildnereikunst ist wenig wirklich Bedeutendes übrig geblieben. Unter den Arbeiten in Stein sind hauptsächlich nur bemerkenswert die Sarkophage, deren Flachbildschmuck im Allgemeinen die spätrömische erzählende Darstellungsweise zeigt. Fig. 211 ist eine Probe dieser Art. In der Mitte oben sieht man in einer runden Umrahmung, die von zwei kleinen Engeln gehalten wird, das verstorbene Ehepaar. Von links beginnend stellt die obere Reihe Gott Vater dar, wie er Eva erschafft, dann dem Menschenpaare Aehren und ein Lamm giebt, was die Mühen der Arbeit andeuten soll, die es nach dem Sündenfall (durch die Schlange neben Eva bezeichnet) zur Fristung des Lebens verrichten müsse. Rechts von dem Rahmen werden die Wunder Christi bei der Hochzeit zu Kana, die Speisung der Zehntausend und die Auferweckung des Lazarus geschildert. In der unteren Reihe stellt die erste Gruppe links die Anbetung der Hirten dar, es folgt die Heilung des Blinden (dieser ist im Gegensatz zu den Gestalten der Heiligen ganz klein gebildet); die Mitte zeigt Daniel unter den Löwen, hinter ihm zwei Propheten; ein Knabe reicht ihm die von Gott gesandte Speise. Darauf folgt die Verleugnung Christi durch Petrus, die Gefangennahme Christi und als Abschluß Moses, wie er aus dem Felsen Wasser hervorspringen läßt.

Man sieht, die Darstellung wechselt ungeregelt zwischen Geschichten des alten und neuen Testamentes.

Eine feinere Kunstweise weisen die altchristlichen Elfenbeinschnitzereien auf, eines der besten erhaltenen Werke ist eine runde Büchse, die zum Aufbewahren der Hostien diente (im Berliner Museum). Auf der in Fig. 212 sichtbaren Seite sitzt Christus auf dem Thron zwischen den Aposteln. Das Werk stammt vermutlich aus dem 3. Jahrhundert und zeigt jene Mischung römischer Formen und christlicher Auffassung, welche für die altchristliche Zeit bezeichnend ist.

^[Abb.: Fig. 215. Aus dem Mosaik von S. S. Cosma e Damiano.

Rom.]