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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

Italien lagen die Verhältnisse anders, es war mehr verweltlicht, die Frömmigkeit mehr äußerlich, so daß gerade in dieser Zeit wiederholt das Bedürfnis sich geltend machte, durch neue Ordensgründungen der Verweltlichung entgegenzutreten. Ausgeübt wurde sodann die Kunst hauptsächlich von weltlichen "bürgerlichen Meistern", welche auch darauf bedacht waren, daß ihre Namen genannt wurden, und daher ihre Arbeiten zeichneten. Dazu kam noch, daß in Ober- und Mittelitalien das Bürgertum der Städte als Auftraggeber erscheint und von ihm daher Kunst und Künstler abhängig waren. In Süditalien waren es wieder hauptsächlich weltliche Fürsten und Adelige, welche die Bauten und ihren künstlerischen Schmuck ausführen ließen.

Selbständigkeit des germanischen Kunstgeistes. Es ist bezeichnend für den germanischen Kunstgeist - aller Zeiten - daß er selbständig eigene Wege zu gehen sucht, so zu sagen lieber von vorne und von Grund aus anfängt, anstatt an das Vorhandene anzuknüpfen, und daß er weniger in der Vollendung der äußeren Form als vielmehr in der "inneren" Schönheit, - dem Gedanken-, Stimmungs- oder Gefühlsgehalt - das Kunstziel erblickt. Die unverbraucht frische deutsche Volkskraft hatte in diesem Zeitraum auch in diesem Sinne von vorn angefangen, denn auf dem heimischen Boden fanden sich keine alten Denkmale, welche die Kunstübung stark beeinflussen konnten, wie dies in Italien der Fall war. Hier brachte der verhältnismäßige Reichtum an solchen eben den Nachteil mit sich, daß sie die Geschmacksrichtung von vornherein bestimmten und man sich von diesen Vorbildern nie ganz frei machen konnte. Was jedoch damals offensichtlich zur Schau stand, waren nicht die Werke der besten Zeit der Antike, sondern zumeist Schöpfungen aus der Verfallzeit, und so quälte man sich damit ab, aus der Entartung einer alten Kunst heraus, den Weg zu einer neuen "zeitgemäßen" zu finden.

Bildnerei in Oberitalien. Wie ich schon vorhin erwähnte, kam die oberitalienische Bildnerei der deutschen am nächsten in dem Bestreben, den gedanklichen Gehalt deutlich zum Ausdruck zu bringen. Dies versöhnt etwas mit der Ungefälligkeit der Form, welche den älteren Werken noch zu eigen ist, wie beispielsweise der vielgeschmähten Bronzethür von San Zeno in Verona. Erfreulicher in dieser Hinsicht sind die Flachbildnereien des Domes zu Modena, welche von einem Meister Wilhelm (Willigelmus) herrühren (um 1100). Einen wesentlichen Fortschritt bekunden die Arbeiten des Nicolaus, dessen Hauptwerk der Thorbau an dem Dome von Ferrara (um 1135) ist. Hier sehen wir eine gedankentiefe innige Auffassung der dargestellten Vorgänge gepaart mit einer vortrefflichen Formbehandlung, die von einem verständnisvollen Lernen der Antike und einem sicheren Gefühl für den Einklang und maßvolle Schönheit zeugt. In der Wiedergabe des geistigen Ausdrucks und an Fülle des Gedankengehalts übertrifft jenen noch Benedetto Antelami, welcher jedoch die Form weniger frei beherrscht und seine Gestalten etwas steif bildet. Die bildnerische Ausstattung des Domes mit der Taufkapelle zu Parma (seit 1178) rührt von diesem Meister her und zeigt sein Können in schönem Lichte. Zu gleicher Zeit aber und noch mehr zu Beginn des 13. Jahrhunderts macht sich auch in Oberitalien wieder ein Rückgang geltend, indem man einseitig nur auf die Form Bedacht nimmt, ohne sie beseelen zu können, so daß anstatt Ausbildung der Antike eine Verbildung eintritt und die Regelmäßigkeit in Steifheit ausartet, wenn nicht gar, wie beispielsweise in der Porta romana zu Mailand (um 1171), förmliche Rohheit sich geltend macht. In dieser Richtung bewegen sich auch die Arbeiten des Guido Bigarelli da Como (um 1246), dessen Hauptwerke jedoch nicht in seiner Heimat, sondern im Toscanischen (Pistoja, Pisa) sich finden. Die Ausführung ist ungemein sorgfältig und genau, aber es fehlt das frische, natürliche Leben; eine gewisse Anmut und Feinheit entwickelt er dagegen in den reinen Verzierungen.

Dieser oberitalische Meister zeigte sich immerhin seinen Genossen in Toscana weit überlegen, denen man vielleicht eine größere Handfertigkeit als den Lombarden zuerkennen mag, welche jedoch sonst mit ziemlichem Ungeschick und verständnislos spätrömische und altchristliche Vorlagen nachahmten. Die Marmorarbeiten der von ihren Zeitgenossen allerdings gepriesenen Meister Robertus und Biduinus in Lucca, der Brüder Gruamons und Adeo-^[folgende Seite]