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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

Leistungen zu Tage traten. Bischof Bernward von Hildesheim hatte selbst Goldschmiedearbeiten angefertigt, von denen einige Stücke auf uns gekommen sind (ein Kreuz im Braunschweiger Dome, eine Patene - flache Schale für die Hostie, zugleich Kelchdeckel - in Hannover) und er nahm auf die Entwicklung dieses Kunstzweiges einen großen Einfluß.

Zellen- und Grubenschmelz. Die griechische Gemahlin Kaiser Ottos II., Theophanou, hatte nicht nur viele byzantinische Schmuck- und Prunkgegenstände mitgebracht, sondern vielleicht auch einige Arbeiter ins Land gezogen, von denen die Deutschen namentlich die Zellenschmelzarbeit lernten. Im übrigen aber gingen die deutschen Künstler ihre eigenen Wege und erfanden auch bald - schon in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts - eine Neuerung in der Schmelzarbeit, nämlich den Grubenschmelz. Diese Arbeitsweise wurde dann im 12. Jahrhundert zu hoher Vollendung ausgebildet und zwar hauptsächlich am Rhein, wo Köln und Trier Hauptstätten des Kunstgewerbes waren.

Das Zellenschmelz-Verfahren (Cloisonné) besteht darin, daß auf eine Metallplatte feine Goldbänder mit der Kante so aufgelötet werden, daß sie die Umrisse der Zeichnung bilden. In die Vertiefungen (Zellen), zwischen diesen Bändern, wird dann das Schmelzpulver gegeben und die Platte über Feuer gehalten, bis die Masse geschmolzen ist. Bei dem Grubenschmelz-Verfahren werden aus einer dicken Metallplatte mit dem Grabstichel die Vertiefungen herausgearbeitet, in welche die Schmelzmasse eingefüllt wird. Dieses Verfahren wurde zuerst am Rhein (Köln) hauptsächlich angewendet, später war Limoges eine Hauptstätte der Schmelzarbeit, daher auch der Name Limosiner Email üblich wurde.

Daß es vorwiegend kirchliche Geräte waren, welche dieser Kunstzweig lieferte, ist wohl selbstverständlich; die herrlichsten Werke aber sind die Reliquienschreine, an welchen die Meister ihre ganze Kunstfertigkeit in Bildnerei, Schnitz- und Schmelzarbeit bethätigen konnten.

Elfenbeinschnitzerei, Weberei und Stickerei. Die Elfenbeinschnitzerei - welche im Süden ganz in Verfall geriet - wurde in Sachsen und am Rhein im 10. und 11. Jahrhundert zwar auch gepflegt, doch stand sie an Bedeutung der Goldschmiedekunst nach, und wurde erst in dem späteren Zeitraum wieder zur höheren Entwicklung gebracht. - Bemerkenswerte Leistungen - aber auch nur im Norden - hat dagegen die Stickerei und Teppichweberei zu verzeichnen, für welche wohl ausländische - byzantinische - Muster vorbildlich waren; doch wurde in Deutschland und insbesondere in England die Arbeitsfertigkeit im Sticken zu einer hohen Vollendung gebracht. Fürstliche Frauen arbeiteten in diesem Zweige; zwei der bedeutendsten Werke stammen von solchen: der ungarische Königsmantel von Gisela, Schwester Kaiser Heinrichs II.; und der große gestickte Teppich in Bayeux von der Königin Mathilde, Gemahlin Wilhelms des Eroberers.

Glasmalerei. In diesen Zeitraum fällt auch die Erfindung der Glasmalerei, und zwar dürfte wahrscheinlich Deutschland den Ruhm derselben beanspruchen können. Wenn auch die ersten sicheren Arbeiten in Frankreich - Fenster der Klosterkirche S. Remy in Rheims - sich finden, so werden doch in Deutschland schon im 10. Jahrhundert Glasmalereien erwähnt. Der Stifter der Rheimser Fenster ist der aus dem deutschen Metz berufene Erzbischof Adalbert, und die erste ausführliche Anleitung zur Ausführung schrieb der

^[Abb.: Fig. 277. Abteikirche von St. Denis.]