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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

malten Umrißzeichnung - zu dem Ausdruck der Form durch die Farbe fort.

Prager Schule. Es finden sich zwar einzelne Tafelbilder vor, die aus der frühgotischen Zeit - Anfang des 14. Jahrhunderts - stammen; die entscheidende Wendung beginnt aber wohl erst nach 1350. Am Rhein, wo ja auch die bedeutendsten Bauhütten bestanden, scheint die Tafelmalerei zunächst sich entwickelt zu haben; darauf deutet die Berufung eines Meisters Nicolaus Wurmser aus Straßburg nach Prag hin. Letztere Stadt war der Sitz eines für Wissenschaft und Kunst begeisterten Fürsten, der sie zu einem Mittelpunkte deutscher Kultur erheben wollte; König Karl - als römisch-deutscher Kaiser Karl IV. - aus dem Hause Luxemburg hatte in Prag 1344 den Dombau begonnen und 1348 die erste deutsche Reichs-Universität begründet, in dasselbe Jahr fällt die Entstehung der Prager Maler-Gilde. Karl war an dem französischen Hofe in Paris erzogen worden, hatte auch vielfach in Italien sich aufgehalten und hier wie dort die Kunstentwicklung kennen gelernt. Da es in Böhmen nicht einmal Baumeister gab, die eine Brücke aufführen konnten, so mußte Karl zur Ausführung seiner geplanten Prachtbauten fremde Künstler berufen, und so kamen Franzosen, Italiener und Deutsche an seinen Hof. Unter den Italienern befand sich ein gewisser Tommaso da Mutina (Modena), dessen Kunstweise jedoch ohne Einfluß auf die Deutschen blieb, deren Arbeiten vielmehr völlige Selbständigkeit zeigen. Wenn wir nun auch nur von dem obengenannten Meister Nicolaus wissen, daß er berufen worden sei, so erscheint es doch im höchsten Maße wahrscheinlich, daß auch die meisten anderen deutschen Maler nicht Eingeborene, sondern ebenfalls berufen worden waren. Wohl besitzen wir aus dem Jahre 1312 ein Miniaturwerk - das sogenannte Passionale (Leidensgeschichte des Erlösers) der Prinzessin Kunigunde - das zwei böhmische Geistliche hergestellt hatten, dagegen stammen die Wandmalereien im Schlosse Neuhaus (um 1338) zweifellos von deutschen Händen, wie schon die Inschriften zeigen. Ueberhaupt lassen die gesamten Zustände Böhmens im Anfang des 14. Jahrhunderts an eine sonstige einheimische Kunstpflege nicht denken; höchstens bestanden in Prag, wo die deutsche Bürgerschaft maßgebend war, Wappenmaler (Schilterer).

Meister Dietrich. Die bedeutendste künstlerische Persönlichkeit der Prager Malerschule, Meister Dietrich (Theodericus) wird wahrscheinlich auch ein Fremder gewesen sein, der einen großen Ruf genoß, denn bei der Stiftung der

^[Abb.: Fig. 374. Antonello da Messina: Der Söldnerführer.

Paris. Louvre.]

^[Abb.: Fig. 375. Antonello da Messina: Bildnis.

Rom. Galerie Borghese.]