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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

sie nur im Sinne des Rankenwerkes um, indem die geschwungenen Schneckenlinien an Stelle der geraden und regelmäßigen Kreislinien traten. Man nennt diese eigen-deutsche Form "Beschläge-Ornament", weil es wie aus Metall herausgeschnitten und aufgeheftet erscheint. Dieses ursprünglich rein flächenhafte Zierwerk wurde dann weiter dahin ausgebildet, daß die Enden der geschwungenen Linien aus der Fläche herausgehoben und aufgerollt wurden (Rollwerk). Man verband nun nicht selten Ranken- und Rollwerk miteinander, woraus sich mannigfache Mischformen ergaben. Entbehrt nun auch dieses Zierwerk der Einheitlichkeit und des innerlich gesetzmäßigen Zusammenhanges, so ist es dafür in höchstem Grade wirkungsvoll und erfreut das Auge durch das Wechselnde, die Einbildungskraft anregende Spiel der Linien.

Kirchenbau. Wie ich bereits oben erwähnte, kamen für die Bauthätigkeit in der neuen Richtung die Kirchen fast gar nicht in Betracht. Auch die religiöse Bewegung der Reformation blieb zunächst ohne Einfluß, da man in den protestantischen Gegenden einfach die bestehenden Kirchen benutzte. Der Gottesdienst des neuen Bekenntnisses stellte allerdings andere Anforderungen an den Kirchenbau als der katholische, da in demselben die Predigt die Hauptsache war und somit die Kanzel gewissermaßen den Mittelpunkt eines breiträumigen Inneren zu bilden hatte. Da aber gerade im Norden einerseits viele romanische Kirchen bestanden, andererseits die gotischen meist die Hallenform besaßen, so war diesem Erfordernis der Weiträumigkeit vorläufig genügt. Erst später entwickelte sich ein protestantischer Kirchenstil, welcher auf Anlage großer Hallen oder Saalbauten ausging.

Wenn man jedoch zu Neubauten schritt, so begnügte man sich meist damit, gotische Grundformen mit solchen der Renaissance zu vereinigen, was eine oft recht anziehende Mischung ergab. Ein Beispiel hierfür ist die St. Kilianskirche in Heilbronn, welche um 1510-29 erbaut wurde (Fig. 470).

Rathäuser. Die neue Bauweise konnte sich somit nur in weltlichen, bürgerlichen und fürstlichen Bauten kundgeben. Zur Errichtung von Rathäusern bestand in den großen deutschen Städten vorerst auch noch wenig Anlaß, höchstens daß man den bestehenden gotischen

^[Abb.: Fig. 473. Otto Heinrichsbau in Heidelberg.]