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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance". ^[Titel nicht im Original]

c. Frankreich.

Aufnahme der italienischen Renaissanceformen. Einen ähnlichen Entwickelungsgang der Baukunst wie in Deutschland finden wir auch in Frankreich, wo ja die gleichen Verhältnisse und Ursachen walteten. Auf französischem Boden war die Gotik entstanden und namentlich der "Schmuckstil" derselben ausgebildet worden. Die Zierformen der Gotik durch Aufnahme jener der Renaissance zu bereichern, lag daher nahe. Dann war nicht zu verkennen, daß die neue Bauweise hinsichtlich ihrer Anlagen für weltliche Prachtbauten viele Vorzüge besaß, welche den neuen Verhältnissen entsprachen.

Frankreich hatte nach Vertreibung der Engländer und durch Stärkung der Königsgewalt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen außerordentlichen Aufschwung genommen, König und Staat waren mächtig, Adel und Bürger reich geworden. Unter solchen Umständen ließ sich auch die Kunst pflegen.

Die politischen Beziehungen zu Italien seit Karl VIII. (1483-1498) hatten auch solche künstlerischer Natur mit sich gebracht, und verschiedene italienische Meister waren nach Frankreich gekommen. Die heimische Kunst war zwar keineswegs im Niedergange, leistete im Bauwesen und in der Bildnerei noch immer Treffliches (nur in der Malerei war man rückständig geblieben), immerhin aber konnten die Fremden manche Anregungen geben. Unter Franz I., der machtvoll in die italienischen Verhältnisse und Wirren eingriff, steigerte sich auch der Einfluß der italienischen Kunst, da dieser König hervorragende Meister, wie Lionardo da Vinci, Andrea del Sarto, Primaticcio aus Bologna, Benvenuto Cellini u. A. an seinen Hof berief. Mit ihnen hielt auch der Geist der Renaissance seinen Einzug und wurde willig aufgenommen. Bei dem starken Selbstgefühl und der ausgeprägten volklichen Eigenart der Franzosen war es aber gewissermaßen selbstverständlich, daß sie nicht in Abhängigkeit und Nachahmung verfielen, sondern die neue Richtung in ihrem eigenen Geiste ausbildeten. Die französische Renaissance, insbesondere in der Baukunst, zeigt daher weitaus weniger Verwandtschaft mit der

^[Abb.: Fig. 493. Caën: St. Pierre.]