Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

504

Die Zeit der "Renaissance".

Man vergleiche nun damit den Hof des sogenannten "Hauses des Pilatus" (Fig. 502), eines adeligen Palastes aus dem Jahre 1533, und man wird die Bahn erkennen, in welcher sich die weitere Entwicklung vollzog. Die Bogenstellungen sind im Geiste der Renaissance gehalten, das Geländer im Obergeschoß hat noch Anklänge an die Gotik, die Ziermuster auf den Kämpfern und in den Zwickeln bestehen aus Linienwerk nach maurischer Art.

Paulskirche in Valladolid. Universität von Alcalá de Henares. Nicht minder deutlich ersieht man die Vermischung verschiedener Grundzüge an der Schauseite der Paulskirche in Valladolid (Fig. 503). Der Thoreingang hat einen geschweiften Spitzbogen, die Thorhalle einen flachgedrückten Bogen. Der obere Teil der Schauseite ist in fünf Geschosse wagrecht gegliedert, in den zwei unteren herrscht noch das gotische Schmuckwerk vor, in dem oberen finden sich neben demselben Bildungen der Renaissance.

Diese treten bereits überwiegend auf in der ungemein reizvollen Schauseite der Universität von Alcalá de Henares; die Fenster sind geradlinig abgeschlossen und haben Giebelaufsätze, Wandpfeiler und Säulen sind ganz im Sinne der Renaissance gestaltet (Fig. 504).

Escurial. Um das Jahr 1530 machte sich das Streben nach größerer Einfachheit und strengerer Berücksichtigung der reinen antiken Formen geltend, um das Baugefüge wirkungsvoller hervortreten und nicht ganz vom Schmuckwerk erdrücken zu lassen.

Die maßgebenden Meister dieser Richtung waren Juan de Toledo und dessen Schüler Juan de Herrera, welche den im Jahre 1563 begonnenen Bau des Klosters S. Lorenzo in Escurial ausführten.

Dieses Riesengebäude, ein Rechteck von etwa 200 m Breite, 185 m Tiefe, hat an der Vorderseite zwei hohe (viereckige) Ecktürme, einen großen Thorbau mit Vorhalle, und zwischen diesem und den Türmen noch je einen Pavillon. Die Kirche steht innerhalb des Rechtecks und ist ganz in antikem Geiste gehalten, hat dorische Säulen, Tonnengewölbe und Kuppeln. (Die Abbildung Fig. 505 giebt die Ansicht des einen Hofes mit einem Teil der Kirche.)

Diese strengere Richtung behauptete längere Zeit die Herrschaft, zu Ausgang des 16. Jahrhunderts räumte sie jedoch das Feld vor der in Frankreich und Italien aufge-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 504. Universität in Alcalá de Henares.]