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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

Mannigfaltigkeit der Zierformen-Gestaltung das Höchste zu leisten gestattete. Man hat für diesen Stil, welcher gotische Züge mit maurischen und antiken meist in geistreich kühner Weise vermengt, die Bezeichnung Goldschmiede- oder Plateresken-Stil (spanisch platero - Goldschmied) erfunden, weil die Bauten so üppig reich an Verzierungen sind, wie die getriebenen Prunkstücke der Goldarbeiter.

Als erster Meister der neuen Richtung ist Enrique de Egas zu betrachten, der schon um 1480 in Valladolid zwei Klosterbauten aufführte, deren Säulengänge jene obenerwähnte Mischung zeigten: wir finden gedrehte Säulen, die Vorderseite der Bogen als Laubgewinde behandelt, die Bogen-Zwickel mit maurischen Ziermustern bedeckt, kurz ein fast abenteuerliches, aber wirkungsvolles Spiel der Einbildungskraft im Schmuckhaften. In der Zeit von 1500-1530 entstanden an verschiedenen Orten - Toledo, Salamanca, Leon, Sevilla u. v. a. - Bauten in dieser Art, auf welche jedoch nicht näher eingegangen werden kann.

Klosterhof in Toledo. Haus des Pilatus. Besser als Worte können über die Eigenart und Entwicklung dieses spanischen Stiles einige Beispiele Aufschluß geben. - Der Hof des Franziskaner-Klosters San Juan de los Reyes in Toledo, der in dem Jahre 1476 begonnen wurde, zeigt noch im wesentlichen die gotischen Grundzüge in den Pfeilern und Strebepfeilern, in Fialen und Maßwerk (siehe Fig. 298). Doch ersieht man bereits die Umbildung; der Spitzbogen wird im Erdgeschoß durch Rundbogen ersetzt, im Obergeschoß tritt uns eine ganz eigentümliche Zusammensetzung von flachgeschweiften und rundbogigen Teilen entgegen.

^[Abb.: Fig. 503. Paulskirche in Valladolid.]