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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei des 16. Jahrhunderts

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Die Malerei des 16. Jahrhunderts.

hätte, die zwar an Bedeutung jenen nicht gleich, doch immerhin ziemlich nahestehend erscheint.

Schon bei Raphaels Lebensgang wurde erwähnt, daß er in Florenz mit einem Meister in Beziehung getreten war, von dem er "lernte", was schon zur Genüge andeutet, daß Jener eine bedeutsame Eigenart besessen haben mußte. Baccio della Porta, genannt Fra Bartolomeo (1475-1517), hatte als Mönch des Klosters San Marco in den hier vorhandenen Werken Fra Angelicos Vorbilder gefunden, die seinen schwärmerisch-religiösen Sinn bestechen mußten, jedenfalls ihm mehr zusagten, als die damalige Florentiner Kunstrichtung, welche die weltliche Wirklichkeit so stark betonte. Auch hatte er die Werke Peruginos studirt und Lionardos Anregungen empfangen, so daß er in die gleiche Bahn einlenkte, in der Raphael vorwärts ging, und nach einem empfundenen Schönheits-Urbild strebte, das mit dem höchsten malerischen Reiz zur Erscheinung gebracht werden sollte. In der That eignete er sich eine hohe Kunstfertigkeit in der Farbengebung an, die auf Raphael Eindruck machte, auch übertraf er des letzteren Lehrer Perugino einerseits in der Anordnung, die großzügiger ist, andrerseits in der ungezwungenen Auffassung. Das Bild "Maria erscheint dem hl. Bernhard" läßt diese trefflichen Eigenheiten des Künstlers deutlich erkennen, der in seinen späteren Werken dann wieder von Raphael lernte.

Francia Bigio. In gleicher Richtung thätig war sein Mitarbeiter Mariotto Albertinelli, - eine Zahl von Bildern hatten sie gemeinsam gemalt - und in des letzteren Werkstatt hatte sich Francia Bigio ausgebildet, der ohne stark hervortretende persönliche Eigenart, doch in ähnlicher Weise wie Raphael aufnahmsfähig, es zu einer hohen Vollkommenheit in der Verwertung aller bedeutsamen Grundzüge der führenden Geister brachte. Am besten kennzeichnet ihn wohl die Thatsache, daß eine Reihe von Bildern dem Raphael zugeschrieben wurden - wie auch seine "Madonna am Brunnen" - und in der That reicht er in seinen Ebenbildnissen nahezu an diesen heran.

Andrea del Sarto. Dieser liebenswürdige Meister vermittelte nun seine, von Fra Bartolomeo bestimmte Kunstweise einem Freunde und Genossen: Andrea del Sarto (1486-1531), der von stärkerer Eigenart war und daher auch zu einer Selbständigkeit

^[Abb.: Fig. 535. Die Berufung der Apostel.

Wandteppich nach einer Zeichnung von Raphael.]