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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

auf die innere Bedeutung derselben als Bauglieder zu nehmen. So verloren beispielsweise die Säulen oft ganz ihre Bedeutung als Stützen, ebenso mußten Gebälke, Gesimse, Giebel und Verdachungsformen zur Verzierung dienen, ohne daß die Baufügung damit irgendwie in Zusammenhang stand.

Kraftvoll und groß, oft bis zur erdrückenden Wuchtigkeit, wurden alle diese Formen gebildet und ebenso auch in überreicher Fülle zusammengestellt. Das Zierliche und Feine ist verbannt, alles erscheint fest und haltbar. Auch die Baufügung ist daher einfach und ungekünstelt, durch Lösung besonderer Schwierigkeiten sich hervorzuthun, liebten die Barockbaumeister nicht. Da sie auf Festigkeit und Kraft bedacht waren, so entfiel auch die feine Gliederung der Einzelheiten, wie sie namentlich in der Frührenaissance üblich war. Für das zarte Zierwerk, mit welchem man damals allen Raum ausfüllte, die Riefelung der Säulen, die Blattreihen und Perlstäbe gab es keinen Platz mehr, denn diese kleinlichen Einzelheiten hätten den Gesamteindruck gestört. Dagegen wurde meisterhaft ausgebildet die Kunstfertigkeit in der Gestaltung der Gesimse, insbesondere mit Rücksicht auf die Schattenwirkung und die Abwägung der Massen, und es zählt zu einem der vornehmsten Vorzüge der Barockkunst, daß sie große Wandflächen, vor allem aber die Schauseiten durch großzügige Linienführung und Kraftentfaltung an entscheidenden Stellen in ausdrucksvoller Weise bildnerisch zu gestalten verstand.

Im Vorstehenden wurde versucht, die wesentliche Eigenart des "Barockstiles" in Kürze zu kennzeichnen; hinsichtlich der Einzelheiten kann ich mich auf wenige Bemerkungen beschränken. Was den Grundriß der Kirchen anbelangt, so herrscht ziemliche Freiheit, und

^[Abb.:Fig. 593. Borromini und Rainaldi: Kirche St. Agnes.

Rom.]