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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

und Zusammenhang stand, sie nicht nur an Höhe überragte, sondern auch zu breit war. Man war daher genötigt, auf der Südseite eine Verbreiterung vorzunehmen und im Hofe die Stockwerke zu erhöhen.

Blondel. Perrault hatte durch die That bewiesen, daß die französische Kunst der Selbständigkeit fähig sei. Es war ihm geglückt, die klassische Gesetzmäßigkeit mit einem Hauch des neuen Geistes zu durchdringen, gegen den er sich als Lehrer so ablehnend verhielt. Er vertrat die Anschauung, daß das willkürliche Walten der Einbildungskraft, das für die italienischen Barockmeister maßgebend war, der Kunst verderblich sei. Nicht freie Ungebundenheit, sondern Gesetze und Regeln seien nötig; den Begriff von Schönheit dürfe nicht jeder Einzelne nach seinem Ermessen sich bilden, sondern er müsse "festgestellt" sein. Auf sein Andringen, das auffallenderweise auch Lebrun unterstützte, wurde die bereits erwähnte Akademie der Baukunst gegründet, als "Hüterin" der Gesetzmäßigkeit, an deren Spitze François Blondel trat, Mathematiker und Artilleriegeneral, welcher dann auch ein Lehrbuch der Baukunst schrieb. In diesem suchte er die Regeln der Schönheit auf mathematische Gesetze zurückzuführen und in Verhältniszahlen auszudrücken.

Damit trat er in Gegensatz zu Perrault, der zwar auch die Gesetzmäßigkeit verfocht, aber auch eine gewisse Freiheit dem Künstler zugestehen wollte, dem Zeitgeschmacke ent-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 639. St. Sulpice.

Paris.]