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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

tung gelten, von denen jeder wieder seine besondere Art besaß. Daneben ging aber immer noch eine Schule her, welche für die Gotik schwärmte und sie wiederzubeleben suchte. Der "klassische" Geist war in der englischen Baukunst früher zur Herrschaft gelangt als anderwärts, und daher erscheint England auch als Ausgangspunkt der klassizistischen Richtung, insbesondere übt es auf Frankreich einen Einfluß in dieser Richtung aus; der sogenannte "Empire-Stil" (Stil des Napoleonischen Kaiserreiches) ist nichts anderes als die englische Bauweise, wie sie seit 1730 sich herausgebildet hatte.

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Garten-Kunst. Ich hatte vorhin erwähnt, daß auch die Gartenanlagen den Unterschied zwischen romanischer und englischer Auffassung bekunden. Doch auch sonst steht die Gartenkunst in mannigfachen innigen Beziehungen zur Baukunst, daß es gerechtfertigt ist, derselben in Kürze zu gedenken.

Gärten "anzulegen", d. h. nach künstlerischen Gesichtspunkten und zu reinen Zierzwecken zu gestalten, kam erst im 16. Jahrhundert auf. Früher diente der Garten in erster Linie Nutzzwecken und war meist "ungeordnet". In Italien begann man zuerst mit wohldurchdachter Berechnung die Landschaft mit dem Bau in Beziehung und Verbindung zu bringen, und schuf dieselbe daher zu Gärten um. Raphael hat hauptsächlich den "römischen Park" ausgebildet, dessen Grundwesen darin besteht, daß die Landschaft baulich gestaltet und der Garten somit als ein Glied der Bauanlage dem Ganzen völlig untergeordnet wird. Terrassen, Rampen, Springbrunnen, kleine, eigentlich zwecklose, Ziergebäude, Grotten, dann Bildnereiwerke gehören zu den unerläßlichen Bestandteilen des italienischen Gartens, die Pflanzenwelt giebt für diese Baulichkeiten mehr nur den Hintergrund, die Farben- und Schattenstimmung ab.

In Deutschland und den Niederlanden wurden im 16. Jahrhundert die Gärten nur als Flächen-Schmuck des Bodens aufgefaßt; es fehlen die Baumgruppen, nur Beete giebt es. Zierwerk aus Linienbildungen und Farbenflecken, das auf dem Erdboden mit Benutzung von Pflanzen aufgezeichnet ist - das und nichts anderes stellt ein solcher Garten dar. Sie waren auch nicht zum Aufenthalt geschaffen, sondern nur zum Betrachten, am besten von der Stube aus. Das Beschneiden der Bäume wurde auch in Holland erfunden.

^[Abb.: 652. Bernini: Die hl. Theresia.

Rom. St. Maria della Vittoria.]