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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

wird das Rohe und Gewaltsame auch recht eindringlich betont. Man sieht, wie mit "starken Mitteln" gearbeitet wird, um das Gewollte zu veranschaulichen: die Stärke des Gottes sollen diese Ringkämpfermuskeln, das Zarte des Weibes die Weichlichkeit verdeutlichen. Auch hier wird man Richtigkeit und sorgfältige Durcharbeitung der Formen anerkennen müssen. Die Verhältnisse der Körper wie die naturwahre Bildung des Fleisches geben keinen Anlaß zum Tadel. Es ist nur der Grundzug des Ganzen, der nicht befriedigt: dieser Pluto hat nichts Göttliches an sich, und Proserpina ist keine unschuldige Jungfrau, sondern eine in Liebeskünsten bereits erfahrene junge "Dame der Gesellschaft" von glatter, aber nicht durch inneren Adel beseelter Schönheit (Fig. 654).

Berninis Kunst erscheint noch im besten Lichte, wenn man seine Bildnisbüsten betrachtet. Es fehlte den Künstlern dieses Zeitalters weder die Gabe, die Natur gut zu beobachten, noch weniger an Schulung und Fertigkeit, sie getreu wieder zu geben. Bei den Ebenbildnissen tritt dies zu Tage: die Wirklichkeitstreue ist offensichtlich, wenn auch mehr die Aeußerlichkeit und das Sinnfällige der persönlichen Erscheinung herausgearbeitet wird und die innerliche Eigenart, der geistige Gehalt der Persönlichkeit, weniger erfaßt erscheint. Es ist dies eben in der ganzen Kunstweise der Zeit begründet, die nicht auf Vergeistigung und Vertiefung, sondern auf die glänzende Außenseite das Hauptgewicht legt. Selbstverständlich ist auch bei den Bildnissen das Beiwerk - Schmuck und Gewandung mit besonderer Sorgfalt behandelt. Immerhin wird Bernini auch der geistigen Eigenart einer Persönlichkeit einigermaßen gerecht, wie dies die Büste des Kardinals Richelieu beweist. Eine gewisse "Schmeichelei" muß man bei dem "Hofkünstler" verzeihlich finden.

Ein anderes Bildniswerk, welches auch vorbildlich wurde für eine ganze Reihe späterer Werke, ist das Reiterstandbild Konstantins, ebenso vorzüglich in der Ausführung wie gehaltlos in der Auffassung. Reiter und Roß sind Schauspieler, die in einer gesuchten und gekünstelten Stellung sich dem Beschauer recht eindrucksvoll zeigen wollen.

Man kommt auch hierbei wie bei all' den anderen Gattungen von Werken zu dem Schluß: die Einzelheiten sind, an und für sich betrachtet, trefflich und naturwahr, das Ganze gekünstelt und innerlich unwahr.

Zierwerk. Die schon hervorgehobenen Vorzüge der Barockkünstler treten daher auch am meisten hervor bei dem reinen Schmuckwerk, bei welchem es ja hauptsächlich nur auf Pracht und Gefallsamkeit und nicht auf geistigen Gehalt ankommt. Die Sicherheit und Fertigkeit in der Formbehandlung, das Geschick und ein gewisser Erfindungsreichtum in der Zusammenstellung der verschiedenen Formenzüge lassen diese Arbeiten fast immer erfreulich erscheinen. Was vielleicht einem geläuterten Geschmack am wenigsten zusagt, ist die Ueberfülle und das manchmal Ausschweifende der Zierformen. Bei dieser Schmuck- und Zierbildnerei wird auch reichlich von "allegorischen Figuren" Gebrauch gemacht, d. h. von der Darstellung

^[Abb.: Fig. 663. Herkulesbrunnen in Augsburg.]