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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

der Heimat zurückkehren unter der Bedingung, daß sie wieder katholisch werde. Im Jesuitenkollegium zu Antwerpen genoß Rubens seine wissenschaftliche, als Page im Hause der Gräfin Lalaing seine weltmännische Ausbildung. Seine früh bekundete Neigung für die Kunst wurde von der Familie anfänglich nur für eine vornehme "Liebhaberei" gehalten, der man Lauf ließ, bis sich erwies, daß es sich um einen ernsthaften Lebensberuf handle.

Rubens trat in die Schule Adam van Noorts ein, dessen Kunstweise hauptsächlich aus den Werken eines anderen Schülers, Jordaens, zu entnehmen ist, da wir von ihm selbst keine zweifellos sicheren Arbeiten kennen. Danach scheint schon Noort sich aus der Verflachung in Manier erhoben zu haben und mehr als seine Zunftgenossen von der ursprünglichen, volklichen Eigenheit in derbkräftiger Naturauffassung und Großzügigkeit beseelt gewesen zu sein. Jedenfalls zeugt es für die Begabung des "Lehrers", daß aus seiner Schule die zwei bedeutendsten Meister der Folgezeit hervorgegangen sind.

Im Jahre 1598 erscheint Rubens schon als selbständiger Meister; 1600 begab er sich nach Venedig, wurde dann an den Hof von Mantua berufen, besuchte von hier aus Florenz und Rom, ging 1603 als Gesandter des Herzogs nach Spanien, um Geschenke zu überbringen, kehrte jedoch 1608 auf die Nachricht von der Erkrankung seiner Mutter in die Heimat zurück. Seine Vermählung mit Isabella Brant trug wohl ebensoviel dazu bei, daß er auf seine Stellung als Hofmaler des Herzogs von Mantua verzichtete und daheim blieb, wie die bereitwillige Anerkennung, die ihm seine Landsleute und vor allem die Regenten Erzherzog Albrecht und die Infantin Isabella zollten.

Die während des italienischen Aufenthaltes entstandenen Bilder lassen die künstlerische Eigenart des Meisters mehr nur ahnen als erkennen, sie stehen zum Teil unter dem Eindrucke italienischer Vorbilder und beweisen, daß Rubens eifrig studierte. In der Heimat gewann er bald die volle Freiheit von allen Schul- und Studieneinflüssen und die ganze Selbständigkeit. Der bei van Noort genossene Unterricht hatte ihn davor bewahrt, in die glatte und gezierte Formenkunst der italienischen Manieristen zu verfallen, dafür legte er in Italien die niederländische Derbheit ab. Die in den Jahren 1610-1612 entstandenen Gemälde zeigen ihn bereits auf der Höhe seines Könnens, und man begreift es, daß er schon damals als der "erste" Maler seiner Heimat gefeiert wurde und einen solchen Zulauf von Schülern hatte, daß er viele abweisen mußte. Fruchtbar und fleißig schuf er jedes Jahr eine Anzahl bedeutsamer Werke, sah sich jedoch auch bald außer stande, die massenhaften Aufträge selbst zu bewältigen. In seiner Werkstatt beschäftigte er daher außer den zahlreichen Schülern noch Gehilfen, die auch auf eine selbständige Bedeutung Anspruch erheben konnten. Bei den umfänglichen Arbeiten, so bei der Ausschmückung der Jesuitenkirche in Antwerpen mit 39 Gemälden und jener des Palais Luxemburg mit 21 Bildern von riesiger Ausdehnung, mußte er diese Hilfskräfte stark in Anspruch nehmen und sich auf das Entwerfen und Fertigstellen beschränken. Dazu kam noch, daß er seit 1623 viel mit politischen Geschäften zu thun hatte. Die Infantin Isabella bediente sich seiner zu Unterhandlungen mit den Holländern und fremden Höfen, wir finden ihn als

^[Abb.: Fig. 682. Rubens: Raub der Töchter des Leukippos.

München. Pinakothek.]