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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

und die Künstler hatten nicht nur weniger Anlaß, sich mit der Natur überhaupt zu beschäftigen, sondern mußten auch dem Umstande Rechnung tragen, daß die damalige Gesellschaft in der Landschaft nicht das innerste Wesen der Naturerscheinungen zu erkennen suchte, also Wahrheit verlangte, sondern sie ebenfalls bühnenmäßig hergerichtet - idealisiert und allegorisch stilisiert - sehen wollte. Dieses "Verfeinern" und "Verbessern" der Natur widerstrebt nun unserem Gefühle; sieht man jedoch von dieser Empfindung ab, so wird man auch hierin die Fertigkeit anerkennen, mit welcher die Landschaften zusammengestellt wurden.

In den Bildnissen zeigt sich die geistige Auffassungsgabe eines Meisters eigentlich am besten; denn hier handelt es sich darum, die ganze Persönlichkeit, ihre innere und äußere Eigenart zu erfassen und deutlich erkennbar zu machen. Freilich sind die Künstler auch hierbei abhängig davon, ob Verständnis für diese innerliche Wahrhaftigkeit vorhanden ist. Damals wünschten aber auch die Leute, die sich abbilden ließen, weniger wahrhaftig, als vielmehr "ansehnlich" dargestellt zu werden; der Zug nach dem Schauspielerischen, dem Gesuchten und Gezierten machte sich auch hier geltend. Das Aeußerliche mußte daher auch stärker betont werden. Im Geiste der Zeit sind aber die Bildnisse immerhin trefflich und sorgfältig behandelt.

Eine mehr auf tüftelnde Genauigkeit im Einzelnen als großzügige Auffassung abzielende Geschicklichkeit sehen wir auch in den Blumen- und Tierstücken, welche übrigens auch erkennen lassen, wie für die Anordnung behufs Erzielung malerischer Wirkung gewisse Schul-Grundsätze sich im Laufe der Zeit herausgebildet hatten.

Gemalt wurde zu Ausgang des 16. Jahrhunderts nicht wenig, hauptsächlich aber nur in Süddeutschland, wo geistliche und weltliche Fürsten ihre Schlösser schmücken ließen.

Chr. Schwarz. Für letztere wurden insbesondere umfangreiche Wand-Malereien geliefert, von denen jedoch Vieles zu Grunde gegangen ist; so auch die seinerzeit sehr gerühmten des Christoph Schwarz (1550-1597), der als einer der bedeutenderen Meister (er war auch Hof-Maler in München) genannt zu werden verdient. Von Tintoretto stark beeinflußt, und daher dunkle Farbentönung bevorzugend, zeigt er doch ein ziemliches Maß persönlicher Eigenart, welches am besten in seinem Familienbild zum Ausdruck gelangt.

Rottenhammer. Den ebenerwähnten Mischstil finden wir besonders ausgeprägt bei Johann Rottenhammer, welcher in langjährigem Aufenthalt in Italien so ziemlich die Eigenheiten aller Schulen sich angeeignet hatte. Unleugbar von großer Begabung, die ihn wohl befähigt hätte, selbständige Wege zu gehen, erwarb er zwar eine ungemeine Kunstfertigkeit, die sich in der vollendeten Beherrschung der Formen kundgiebt, läßt aber, was sehr zu bedauern ist, die gedankliche Vertiefung vermissen. Am Besten gelungen sind die kleineren Tafelbilder, die mit großer Sorgfalt ausgeführt sind, während bei den großen Altarbildern trotz der wirkungsvoll malerischen Anordnung sich die oberflächliche Auffassung unangenehm geltend macht.

Die Prager Hof-Maler. Einen nicht minder großen Ruf wie Rottenhammer, der zuletzt in Augsburg wirkte, genoß Hans von Achen (1552-1615), der als Hofmaler des

^[Abb.: Fig. 706. von Achen: Jupiter und Antiope.

Wien. Kaiserl. Gemäldesammlung.]