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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Einmachkunst; Gesundheitspflege; Kochrezepte; Lauchgemüse; Tomatenkonserven auf einfache Art

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und ging nicht allein über die Treppe hinab und hinauf. Mit einem Wort, es fehlte ihm jedes Selbstvertrauen, jeder Wagemut. Dagegen war er in Unarten, die keinen Wagemut erforderten, durchaus auf der Höhe. Ein anderer Junge von beinahe 3 Jahren ging nie seiner Mutter von der Schürze, selbst bei seinem Vater blieb er nicht. Die Mutter konnte keinen Gang machen, ohne den Jungen mitzunehmen, sonst gab's Geschrei. Es ist begreiflich, wenn Eltern - besonders in der Großstadt - besorgt sind, die Kinder allein zu lassen, und anfänglich es nicht über sich bringen, sie allein Wege gehen zu lassen. Aber einmal muß der Anfang doch gemacht werden, und diesen Termin allzu weit hinauszuschieben, erscheint mir nicht richtig. Die Kinder müssen rechtzeitig zu einer gewissen Selbständigkeit in dem Tun kommen, in das die Eltern nicht immer eingreifen können. Sobald das Kind zur Schule geht, muß es in den meisten Fällen allein gehen. Da ist es richtiger, sie schon geraume Zeit vorher langsam darauf vorzubereiten. Man schicke sie allein über die Straße und bleibe nur als Beobachter in der Nähe. Man lehre sie, vor dem Uebergang darauf zu achten, ob nicht im nächsten Augenblick ein Fuhrwerk die Stelle passieren wird, und warne sie, blindlings über die Straße zu laufen. Beim Treppensteigen lasse man sie zunächst vor sich gehen, bis man sieht, daß sie sicher sind. Gehen sie endlich allein die Treppe hinab, dann achte man darauf, daß sie sich dort nicht unnütz aufhalten. Denn der unnütze Aufenthalt auf der Treppe verführt am ehesten zu Unvorsichtigkeiten und Dummheiten. Daß man dem Kind diese Vorsicht beibringen kann und doch seinen Zweck erreicht, es zur Selbständigkeit zu erziehen, habe ich selbst wiederholt erfahren, will man starke Unselbständigkeit bekämpfen, so muß man das aber Schritt für Schritt tun. Mit Gewalt läßt sich da nichts ausrichten; man verschüchtert die Kinder nur noch mehr. Es ist wie bei einem schwachen Turner, dem man erst alle "Hilfen" angedeihen läßt, um sie, wenn er sicherer ist, langsam fallen zu lassen. Bitte jedoch nicht zu glauben, daß es nur Muttersöhnchen gibt, es gibt auch Muttertöchterchen!

(Schule und Haus.)

Gesundheitspflege.

Vorsicht beim Genießen von Fischen. Beim Genießen von Fischen in der heißen Jahreszeit kann nicht genug Vorsicht beachtet werden, und zwar nicht nur vor den im toten Zustande feilgebotenen Fischen, sondern auch vor geräucherten Fischen. Selbst wenn sie auf Eis liegen, gehen die toten Fische im Sommer außerordentlich schnell in Zersetzung über, und das dadurch entstehende Fisch-Leichengift ist noch bedeutend gefährlicher als das Gift im zersetzten Fleisch anderer Tiere. Werden dann solche bereits in Verwesung übergegangene Fische, wie Flundern, Aale 2c., geräuchert, so tritt durch die in dem Rauch enthaltenen Desinsizierungsftoffe, besonders Ammoniak, in dem Zersetzungsprozesse zwar ein Stillstand ein, das vor dem Räuchern in den Fischen bereits vorhanden gewesene Leichengift wird dadurch aber nicht im mindesten unschädlich gemacht, sondern bleibt in seiner vollen Gefährlichkeit bestehen und führt häufig zu schweren, ja lebensgefährlichen Magen-Erkrankungen.

Man achte daher beim Genießen von Fischen darauf, daß das Fleisch derselben stets fest zusammenhält. Denn sobald die Fischfasern keine Festigkeit mehr haben, und durch einfachen Druck mit einem flachen Messer zu Brei gedrückt werden können, hat die Zersetzung des Fleisches begonnen. Am meisten geboten ist diese Vorsicht aber bei geräucherten Fischen, weil diese in allen Fällen, in welchen sie erst nach der begonnenen Zersetzung geräuchert worden sind und dann bald verkauft werden, noch gar keinen Fäulnisgeruch von sich geben und lediglich nur an der Beschaffenheit des Fleisches als schädlich für den Genuß zu erkennen sind.

E. P.

Einmachkunst.

Tomatenkonserven auf einfache Art. Schöne, ganz reife, hochrote Tomaten werden mit etnem Tuche abgerieben, in Stücke gerissen, in einer irdenen Schüssel mit etwas Salz, einigen Pfefferkörnern, 1 Löffel Petersilie, etwas Estragon, Dill, 1-2 Schalotten oder kleine Zwiebeln, 1-2 Lorbeerblättern, etwas Essig, gut durchgerührt und zugedeckt über Nacht in den Keller gestellt. Hernach koche sie auf nicht starkem Feuer unter beständigem Rühren mit einem Kochlöffel zu einem dicken Brei, treibe diesen durch ein feines Sieb, koche ihn nochmal unter beständigem Rühren dick, fülle ihn noch warm in gut gereinigte trockene Flaschen, verkorke sie sofort gut, binde sie mit Bindfaden kreuzweise zu und stelle sie an einen kühlen, dunklen, luftigen Ort.

Statt die Fläschchen zu verkorken, kann man auch fingerdick Olivenöl darauf gießen. Solches schließt ebenfalls luftdicht ab, wenn es rein ist.

Aus "Schweizerisches Familienkochbuch" von Marie Imhof. (Verlag K. I. Wyß, Bern).

Kochrezepte.

Lauchgemüse. Nur frischer, junger Lauch wird verwendet. Er wird, nachdem er gut gewaschen, in Bündel zusammengebunden, in siedendem Salzwasser rasch weich gebrüht, gut ab-