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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst zu heizen

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liche Holzkistchen werden zu Verpackungszwecken ordentlich Zusammengestellt. Zigarrenkistchen erweisen sich zur Aufnahme von Putzstein, Putzpomade, Schuhputzwerkzeug, zur Aufbewahrung von Packschnüren, Bindfaden u. s. w. höchst praktisch. Einzelne Kistenteile, zersplitterte Kistendeckel u. dergl. werden dagegen ausrangiert und zu Anfeuerholz zerkleinert.

Vom Dachboden wandern wir noch in den Keller. Alle verletzten, invaliden irdenen Geschirre, Töpfe, Blumenuntersetzer, Blumentöpfe und Basen werden als nutzlose Platzinhaber an die Luft befördert. Fast regt sich das Mitleid und einiges Bedenken: "Im Frühjahr könnte man die 'Scherben' beim Umtopfen der Blumen noch verwenden." Allein, lassen wir sie ruhig ihrem Geschick; Scherben gibts wohl in sechs bis sieben Monaten wieder zur Genüge.

Alte Blechdosen und Büchsen werden dagegen freudig begrüßt. Inwendig mit weißem, außen mit buntem Papier und einem weißen Schild ausgeputzt, nehmen sie kleine Vorräte an Hippen, feinem Backwerk, Zuckerwaren, Hülsenfrüchten, Gries und Graupen auf.

Die verschiedenen Flaschen und Gläser werden gut gereinigt, getrocknet und auf Holzwolle sauber in geräumige Kisten geschichtet, bis man ihrer bedarf. Alte Korkzapfen (Bouchons), in Stücke geschnitten und unter Tischbeine geleimt, ermöglichen das unhörbare Rücken und Schieben derselben, ohne den Fußboden zu verletzen. In Stücklein geschnitten, aufgeleimt und bronziert, geben sie gefällige Bilder- und Spiegelrahmen; in Stoff genäht, Schwimmgürtel für Kinder, geschnitzt und bemalt, Spielzeug für die Kleinen als schwimmende Fischchen, Schiffe etc. Größere Korke können beim Messerputzen gut gebraucht werden, und die durchstoßenen, teilweise wurmstichigen Zapfen dienen mit Petroleum leicht benetzt, als Feueranzünder. Flaschenkapseln, Tuben, werden mit dem alten Metall als Blei, Staniol als Zinn verkauft.

So ist nun die große Hausrevision zu unserer Zufriedenheit erledigt und mit Genugtuung betrachten wir das Feld unserer Tätigkeit. In manchem vorher vollgestopften Raum ists ordentlich geräumiger geworden; Ordnung, Luft und Licht hinzugedrungen und alles schaut freundlicher aus: Es ist gemütlicher geworden.

Nun harren die verschiedenen Dinge noch einer bestimmten Verwendung, und wir dürfen sie nicht allzulange darauf harren lassen, sonst laufen wir Gefahr, sie bet der nächsten Revision noch im gegenwärtigen Zustand anzutreffen.

Manches sparsame Hausmütterchen hat vielleicht bei meinen Ausführungen den Kopf geschüttelt und gedacht: "Manches, was hier ausrangiert wird, könnte noch hübsch verwendet werden; alles ausnützen und verwenden ist die Quintessenz der Sparsamkeit."

Wirklich bringt dieser Grundsatz im allgemeinen die Hausfrau ihrem Ziele, den Haushalt gut und sparsam zu führen, viel näher, als unbedachtes Draufloswirtschaften. Allein jede Sache hat zwei Seiten und das "Zuviel" ist unter Umständen so verfehlt, wie das "Zu wenig". Es gibt auch eine Verwertungsmanie, fast möchte ich sagen, eine Restenwut, die wie jede Uebertreibung schädlich wirkt. Ein gar gefährlicher Zauber liegt in dem Worte: "Aus altem neues machen," ein Zauber, der uns bei der Verarbeitung alter Sachen sonst so gefangen nimmt, daß wir die kostbaren Zutaten und die noch kostbarere Zeit gar nicht in Rechnung bringen. Die aufgewendete Mühe, Zeit und Geld soll aber doch der Sache einigermaßen entsprechen.

Wer Wochen- und monatelang arbeitet, um aus alten Servietten die noch guten Stücke auszuschneiden und aus den kleinen Karreaux und Sternchen kunstvolle Kisseneinsätze herzustellen, oder aus einem ausgewaschenen billigen Indienne-Vorhang die Blumen ausschneidet, languettiert und mühsam zu einer Nachttischchendecke zusammenfügt, oder zwei Nachmittage sich um einen alten Filzhut müht, um ihn zu einem Lampenteller umzuformen, aus einem alten Strohhut noch Badepantoffeln herrichtet und mit den Resten angebrannter Zündhölzchen eine Verzierung auf einen Brokatvorhang näht, hat jedenfalls in der Restenverwendung keine glückliche Hand und hat des Guten zu viel getan. Die Restenverwendung hat allezeit und überall ihre Berechtigung da, wo Verstand und Vernunft dem Sparsamkeitsprinzip zu Gevatter stehen.

Die Kunst zu heizen.

(Schluß.)

Eine weitere regelmäßige Klage ist, daß der Ofen, den man im Herbst wieder zu heizen beginnt - auf gut Deutsch ausgedrückt - "stinkt". Häufig kommt dies davon her, daß der Schornstein mit kalter Luft gefüllt ist, die sich dem Aufsteigen der Verbrennungsgase entgegenstemmt, wie ein Pfropfen im Flaschenhalse der Flüssigkeit. Meistens liegt es aber daran, daß man sich nicht die Mühe genommen hat, den Ofen im Sommer auf seine Gebresten zu untersuchen. Als ein solches müssen in erster Linie die Fugen gelten, die sich bei längerem Gebrauche durch Eintrocknen und Durchbrennen des die einzelnen Kacheln mit einander verbindenden Tons bilden. Bet den modernen, eleganten Porzellanöfen, deren Kacheln mit minutiöser Genauigkeit gegen einander abgeschliffen sind, wird dieser Uebelstand seltener sich bemerkbar machen als bei den alten, ordinären Oefen, wie sie noch vielfach im Gebrauch sind. Der Ofen soll daher jedes Jahr genau auf etwaige Fugen untersucht werden, nach deren Verschmierung die Klage über den aus demselben dringenden Schwefeldunst verstummen wird. So überflüssig die Erinnerung dort erscheint, wo in der Hauswirtschaft muster-