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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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hafte Ordnung herrscht, so sicher ist es doch, daß ein gutgesetzter Ofen zuweilen deswegen nicht funktioniert, weil er durch jahrelanges Heizen sich mit Ruß angefüllt hat, dessen Entfernung man in der vertrauensseligen Hoffnung unterlassen hat, daß es auch so noch gehen werde. Man versäume es ferner nie, vor Beginn der Heizperiode und auch im Winter in kürzeren Zwischenräumen die obere Fläche des Ofens, um die sich in der Regel niemand kümmert, von dem sich auf ihr massenhaft einnistenden Staube zu befreien. Derselbe ist größtenteils organischer Provenienz und strömt, wenn er glühend heiß wird, jene sich auf die Lungen legenden brenzlichen Gerüche aus, die besonders ein Merkmal der mit Centralheizungen versehenen öffentlichen Gebäude sind, wo es nur selten einmal einer mit besonderer Intelligenz begabten Dienerseele einfällt, zur rechten Zeit das Röhrenwerk der Luftheizung von dem Stoffe zu befreien, der zwar das Symbol der Vergänglichkeit ist, bei unseren Lebzeiten aber doch in unserem eigenen Interesse so weit und gründlich wie möglich aus unserer Umgebung entfernt werden sollte.

Jede rationelle Heizung soll sich natürlich stets nach der im Freien herrschenden Temperatur richten. Wenn der Hausherr gestern bei Frostwetter von 10 Grad über ein kaltes Zimmer geklagt hat und der dienstbare Geist heute kurz entschlossen ein halbes Dutzend Schaufeln Kohlen mehr in den Schlund des Ofens wirft, obwohl inzwischen Thauwetter eingetreten ist und das Thermometer 5 Grad Wärme zeigt, läßt sich selbstredend kein gleichmäßig warmes Zimmer erzielen. Auch diese Heizmethode ist natürlich kein Privilegium unserer häuslichen Dienstboten, sondern feiert ihre verblüffendsten Resultate ebenfalls in öffentlichen Bureauräumen, wo des Dienstes ewig gleichgestellter Uhrenautomat der Herr über Thun und Lassen ist.

Ob man die Kohlen auf den vorderen Teil des Rostes oder ganz weit nach hinten wirft, ist ebenfalls nicht gleichgültig, muß aber nach der Eigenart des Ofens ausprobiert werden, der wirklich in mehr als einer Beziehung einem Individuum gleicht, dessen Launen eines besonders liebevollen Studiums bedürfen. Eine wirklich empfehlenswerte, sparsame Hetzmethode ist es übrigens, beim Nachlegen die neuen Kohlen nicht achtlos über die bereits glühenden zu werfen, sondern, nachdem man letztere nach rückwärts geschoben, vorn vor die glühende Schicht zu legen. Auf diese Weise geraten sie langsam von rückwärts nach vorne in Brand und die ihnen im Anfang besonders reichlich entsteigenden Heizgase werden, indem sie über die bereits glühenden, rückwärtigen Kohlen streichen, voll ausgenutzt, während sie andernfalls zum größten Teil unverbrannt zum Rauchfang hinausstiegen. Grundfalsch ist dagegen die häufig beliebte Gewohnheit, die Kohlen vorher etwas mit Wasser anzufeuchten. Die Verdampfung des letzteren verschlingt nämlich sehr bedeutende Wärmemengen, die für das Zimmer verloren gehen.

Stubenhocker lieben es fast immer, ihre Wohnung zu überheizen. Eine für alle Menschen giltige Normaltemperatur läßt sich freilich nicht angeben, weil das Wärmebedürfniß je nach dem Lebensalter, dem Temperament und der Beschäftigungsweise verschieden ist. Temperaturen von 14 bis 15 Grad Reaumur sollten aber doch bei von jüngeren Leuten bewohnten Zimmern nur ausnahmsweise überschritten werden, wogegen das höhere Alter unbedingt seinem höheren Wärmebedürfniß durch stärkeres Heizen entsprechen kann. Der bei starkem Feuer sich lästig bemerkbar machenden Trockenheit der Luft hilft man zweckmäßig dadurch ab, daß man flache Schalen mit Wasser auf den Ofen stellt oder, wenn schneller Effekt erzielt werden soll, in Wasser getauchte und mäßig ausgewundene Tücher im Zimmer aushängt.

Sehr wichtig ist endlich auch die Art und Weise des Lüftens, die von der Hausfrau beliebt wird. Ganz unzweckmäßig ist es, halbstundenlang oder stundenlang nur einen Spalt des Fensters offen zu lassen, damit die Wärme nicht verstiege. Es wird nämlich das genaue Gegenteil damit erreicht. Die kleinen Mengen frischer Luft, die eindringen, vermengen sich sofort mit der alten und verdorbenen und es bedarf so in der That sehr lange Zeit, bis eine ausgiebige Lufterneuerung stattgefunden hat. Oeffnet man dagegen sämmtliche Fenster sperrangelweit, so hat sich die Luft des Zimmers in wenigen Minuten von Grund aus erneuert, ohne daß eine wesentliche Auskühlung der Zimmerwände stattgefunden hat, in denen viel mehr Wärme aufgespeichert liegt als in der ganzen Zimmerluft. Das derart behandelte Zimmer wird dann auch nach Schließen der Fenster in kürzester Zeit wieder behaglich warm.

Die letzten Jahre haben uns eine große Zahl Neuheiten auf dem Gebiete der Zimmerheizung gebracht, an denen sich die Wahrheit des Satzes bewährt, daß das Neue nicht immer gut ist. Hygienisch wertvoll ist unbedingt die elektrische Hetzung. Wegen der vielen Zwischenstufen, welche die in der Kohle schlummernde Energie hier von dem Moment, wo sie in der Feuerstätte der elektrischen Zentrale verbrannt wird, zu durchlaufen hat, bis sie in der elektrischen Heizeinrichtung des Zimmers wieder als Wärme zum Vorschein kommt, ist diese Heizmethode aber höchst unökonomisch und wird noch lange ein Luxus der oberen Zehntausend bleiben. Ebenfalls mißlich sieht es auch mit der in eleganten modernen Häusern häufig vorhandenen zentralen Dampf- oder Warmwasserheizung aus. Bestechend durch die damit verbundene Reinlichkeit im Quartier und die Arbeitsersparnis für das Dienstpersonal, hat sie ihre Schattenseiten darin, daß man als Mietspartei