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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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artige, langhaarige tiefschwarze "Scheitelaffen", ohne Grundwolle sind sehr beliebt. Sumpfbiber mit grobem, langem Granenhaar und dichtem Wollhaar findet vielseitige Anwendung statt Biber. In zahlreichen Sorten und verschiedenster Benennung finden lockige, gewellte oder krause Lammfelle als Pelzwerk Verwendung. Am beliebtesten sind die schwarzen, dann die grauen und weißen, welche vielfach gefärbt werden. Aus England und Holland kommen die Felle im Frühjahr geworfener Lämmer mit feingelocktem, kurzem, meist schwarzem Fell für Mützen und Besätze in den Handel. Viel feiner sind die aus der Bucharei kommenden Persianer, die Halbpersianer aus Turkistan und Schiras, die Salzfelle aus Kleinasien, die feinen, moireeartig gemusterten Breitschwänze aus der Bucharei, die als Astrachan, Karakul, Merluschken, Treibel laufenden Lammfelle aus den russischen Steppen.

Mindesten Wert haben die in großen Mengen auf den Pelzmarkt geworfenen Felle der russischen Eichhörnchen (Grauwerk, Feh, Fehe), Bisamratte, Opossum, Kaninchen, Hasen, Murmel, Katzen, minderen Wolfs- und Bärenfellsorten, Hamster und anderer häufiger Pelztiere. Aus Rußland, Sibirien kommen jährlich 5-10 Millionen Eichhörnchenfelle in den Handel, von denen, je nach Mode, die Rauch- oder die Rückenteile zu Muffen, Kragen, Verbrämungen verwendet werden. Seit man sich an den Bisamgeruch der Bisamfelle gewöhnt hat, ist dieses Pelzwerk der nordamerikanischen Biberratte für Pelze, Muffe und Kragen sehr beliebt. Beliebter als die hellbraune Färbung ist die schwärzliche wegen der silbergrauen Bänder. Die weißen Felle des sibirischen Hasen finden schwarz gefärbt zu Muffen, Kragen, Pelzbesätzen, Pelzfutter Verwendung. Als leichtes Pelzwerk werden die Felle des zahmen und wilden Kaninchens verwendet; die größten und haarreichsten Felle kommen aus Belgien und Frankreich. Hübsche Wildkaninchenfelle, schwarz mit Silberspitzen, liefert England. Beliebt wegen der Weichheit. Schönheit, Länge der Haare und Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit der Häute sind die Felle zahmer und wilder Katzen, deren beste aus Holland kommen.

(Schluß folgt.j

Wie entsteht das Weihnachtsspielzeug?

Von Kurt Rudolfi.

(Nachdruck verboten.)

Solange es Kinderherzen geben wird, die in der naiven Glaubensseligkeit ihres jugendlichen Verstandes den holden Schein für gleichbedeutend mit dem Sein nehmen, wird das Spielzeug unter den Herrlichkeiten, die unter dem Weihnachtsbaum ausgebreitet liegen, immer eine bedeutende Stellung einnehmen. Auch wir Erwachsene sind ja oft nichts anderes als große Kinder, obwohl der Ernst des Lebens längst die illusionären Jugendträume zerstört hat, und beschenken uns oft genug mit Dingen, die auf der gleichen Stufe mit dem Spielzeug der Kinder stehen, insofern der praktische Nutzen des Gegenstandes gleich Null ist. Während bei uns aber die Freude an einem schönen Weihnachtpräsente sich hauptsächlich aus dem künstlerischen Wohlgefallen an dem Ziergegenstande und der angenehmen Ueberzeugung von der liebenswürdigen Intention des Gebers zusammensetzt, ist für das Kind das Spielzeug ein Objekt, an dem es seine Phantasie wie seinen Verstand übt. Neben der realen Welt, die er nur unvollkommen begreift, baut sich der kindliche Sinn aus feinem Spielzeug eine zweite Welt auf, wie er sie zu verstehen vermag, und an den unbewußten Vergleichen zwischen den beiden erstarkt der wachsende Geist, bis dann allmählich ein Stück vom Kinderspielzeug nach dem andern wie der Mohr, der seine Schuldigkeit getan, den Platz räumen muß vor ernsteren Dingen, die uns in keinem erspart bleibenden Kampf ums Dasein hinüberleiten.

Ein tiefer Sinn liegt drum im kindlichen Spiel, und wir Erwachsenen tun wohl daran, wenn wir dieses kindliche Glück, die Freude am Spielzeug, nicht stören, bis die wachsenden Ansprüche, die die Schule stellt, von selber dem frohen Spiel ein Ende machen. Die beste Gelegenheit aber, die kommende Generation mit dem heißbegehrten Spielzeug zu beschenken, ist für uns das Weihnachtsfest, das im Gegensatz zu der Feier, wie sie bei andern Nationen üblich ist, das Fest des Gebens ist. Schon anderthalb bis zwei Monate vor Weihnachten füllen sich die Schaufenster mit Spielwaren, nach denen bereits eine rege Nachfrage ist, sobald, wie es in manchen Gegenden üblich ist, Sankt Nikolaus am 6. Dezember mit seinem Knecht Ruprecht erscheint, um die schlimmen Buben mit der drohenden Rute zu strafen, die artigen und folgsamen Kinder aber mit Spielzeug und Süßigkeiten zu belohnen. In den darauffolgenden wenigen Wochen bis zum heiligen Abend dominiert das Spielzeug dann aber in den Geschäften in so hohem Grade, daß man schon durch einen Blick in die Schaufenster eine Vorstellung davon bekommt, daß die mit der Fabrikation dieser Dinge beschäftigte Industrie viele tausend fleißiger Hände jahraus, jahrein in Bewegung setzt.

Die Statistik, die in alle Winkel des Erwerbslebens hineinleuchtet, zeigt uns, daß die deutsche Spielwarenindustrie ein auf der ganzen Eiche einzig dastehender Betrieb ist. Im Jahr 1902 wurden nicht weniger als 660000 Zentner Spielwaren im Werte von rund 55½ Millionen Mark an das Ausland verkauft. Der beste Abnehmer war England, wohin rund 250000 Zentner exportiert wurden; auch die Vereinigten