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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Alles ist geordnet, streng eingeteilt. Freilich stellt es sich gleich beim Einkauf der Kohlen heraus, daß sie leider wider alles Hoffen noch immer nicht billiger geworden sind und daß man drei oder fünf Franken mehr als veranschlagt zahlen muß. Aber das ist ja schließlich noch kein Unglück. Schlimmer ist's freilich schon, daß der Kleinste seine Stiefel, die noch fast neu waren, nun schon wieder verwachsen hat und daß ein Paar neue gekauft werden müssen. Noch schlimmer, daß Fritz, der wilde Bengel, eines schönen Tages mit vollständig zerrissenem Schulanzug heimkommt. "Der Mayer fängt immer mit mir an, und da hab' ich ihn 'mal ordentlich verhau'n," verkündet er triumphierend. Aber dieser Triumpf ^[richtig: Triumph] kostet Mutterns Kasse einen neuen Schulanzug, denn Fritz ist nun schon so weit, daß man ihm keinen "Anzug aus einem Anzug", d. h. aus Vaters Anzug, zurechtschneidern kann, sondern zu seiner höchsten Befriedigung einen "wirklichen" erstehen muß. Das sind so die Freuden der ersten Budgetwoche. In die zweite fällt der Geburtstag von Tante Anna, an den man "aber auch gar nicht gedacht" hat. Tante Anna würde entsetzlich beleidigt sein, wenn man diesen wichtigen Tag nicht gebührend mit Blumen, einem Kuchen und einem hübschen Geschenk feiern wollte. "Es ist mir ja nicht um die Sachen zu tun, Gott bewahre, nur darum, daß Ihr mich nicht vergessen habt," meint sie freilich. Aber darum kostet Tante Annas Geburtstag alles in allem doch mehrere Franken. In der dritten Woche bekommt Papa entsetzliche Zahnschmerzen und der Zahnarzt macht ihm die erfreuliche Eröffnung, daß ein Zahn gezogen und drei plombiert werden müssen, was bei den bekannt billigen Honoraren des Herrn doch noch etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Franken ausmacht. Ein "hocherfreuliches" Ereignis löst dieses weniger angenehme ab, eine Verwandte ladet uns zu ihrer Hochzeit ein. Bis heute hatten wir allerdings im tiefsten Innern gehofft, diese Hochzeit würde mit unserem Ausschluß im engsten Familienkreis gefeiert werden. Aber nein. Wenn nun auch der Frack des Hausherrn und das Staatskleid der Hausfrau im besten Stande sind, so sind doch weiße Kravatte, Handschuhe und vor allem das Hochzeitsgeschenk zu beschaffen. Und nächste Woche zerbricht das Dienstmädchen eine Lampe, übernächste bekommen wir unerwarteten Logierbesuch und in der darauffolgenden zeigt die Gasrechnung eine ungeahnte Höhe. Das Defizit, das Mißverhältnis zwischen Soll und Haben wächst lawinenartig, und schließlich wartet die Hausfrau in stummer Resignation darauf, was nun wohl die nächste "Unvorhergesehene" Ausgabe sein wird. Sie braucht auch gar nicht lange zu warten. Mit wehmütiger Miene kommt der Hausherr: "Weißt Du, Schatz, ich habe total vergessen, meine Zigarren zu berechnen."

Ja, die unvorhergesehenen, die außergewöhnlichen Ausgaben!

Es geht aber gar nicht anders, man muß einen besonderen Posten ins Budget einfügen: "Unvorhergesehene Ausgaben". Und dieser Posten darf nicht zu knapp bemessen sein. Besser ist's sogar, wenn er etwas hoch eingestellt wird. Denn es lassen sich nachher viel eher etwaige Ueberschüsse zu Gunsten der regulären Ausgaben verwenden, als man umgekehrt von den notwendigen Ausgaben abknapsen kann, um Unvorhergesehenes zu bestreiten. Kommt dann einmal nichts "Unvorhergesehenes", dann ist die Befriedigung um so größer. Jedenfalls erspart man sich manche unangenehme Stunde dadurch, manche sorgenvolle Ueberlegung, ja manche wirkliche und recht große Unzuträglichkeiten. Denn, und darin wird mir wohl jede Hausfrau beistimmen, es gibt gar nichts Quälenderes, als wenn man vor der Notwendigkeit, der absoluten Notwendigkeit einer Ausgabe steht, die man doch nicht machen kann. Und mancher schwere Seufzer mag wohl schon aus Hausfrauenherzen gekommen sein, um solche "unvorhergesehenen" Ausgaben.

L. S.-B. in "Hof u. Herd."

Gesundheitspflege.

Durchfall und Darmkatarrh kleiner Kinder. Wenn Kinder an Darmkatarrh und Durchfall leiden, so muß man sie vor Erkältung schützen und ihre Diät regeln. Alle festen und schwer verdaulichen Speisen, selbst Milch, dürfen solchen Kindern nicht mehr verabreicht werden, sondern nur Abkochungen von Arrowroot und Hafer, dem man auch Eigelb zufügen kann. Behält man die Milch bei, so hält es meistens sehr schwer, die mit dem Darmkatarrh verbundene Diarrhöe zur Heilung zu bringen. Zweckmäßig ist es auch, wenn man den oben erwähnten Heilungsmitteln beim Kochen eine Messerspitze voll Gummi Arabicum beifügt. Gleichzeitig ist zu empfehlen, den Kindern täglich zweimal den Unterleib einzureiben und mit einer wollenen Binde warm zu halten. In den meisten Fällen beseitigt man auf die angegebene Weise ohne jede weitere Arznei das Uebel.

Hausmittel und Rezepte.

Seife zu sparen. Um die beim Waschen und Baden gebrauchten Seifenstücke vor dem Zerweichen zu schützen, empfiehlt es sich, ein nach der Form des Seifennapfes zurechtgeschnittenes Stückchen Luffaschwamm unter dieselbe zu legen. Dasselbe saugt alle Feuchtigkeit rasch an und die Seife hält infolgedessen doppelt so lange aus.