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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Ferienversorgung!

Die Zeit ist wieder da, welche uns an diese nie genug gepriesene, menschenfreundliche Errungenschaft denken läßt. Wie viele kränkliche Schulkinder oder solche, die Anlage haben, es zu werden, sehen der Zeit des Ferienaufenthalts mit jener Sehnsucht u. innigen Freude entgegen, als gälte es dem heiligen Christ und dem geschmückten Weihnachtsbaum. Die leibliche und geistige Wohltat einer möglichst großen Zahl bedürftiger Kinder zugänglich zu machen, ist seit Jahren das Bestreben aller Menschen- und Schulfreunde! auch heute wieder gelangen zürcherische Initianten und Förderer der Ferienversorgung an die Oeffentlichkeit mit der herzlichen Bitte, es ihnen durch Liebesgaben zu ermöglichen, den Rahmen ihrer segensreichen Tätigkeit, wenn möglich, immer weiter zu ziehen. Wir entnehmen dem betreffenden Aufruf folgendes:

An die tit. Einwohnerschaft von Zürich.

Unsere Ferienkolonien sind immer noch einer der sprechendsten Zeugen für die großartige Entwicklung der öffentlichen Wohltätigkeit unserer Zeit. Sie verschaffen unsern kränklichen Schulkindern die Möglichkeit, die Vorteile und Freuden eines längeren Ferienaufenthaltes bei nahrhafter Kost in frischer, reiner Bergluft zu genießen. Der Gewinn, der sich daraus für die Kolonisten in gesundheitlicher Beziehung ergibt, ist nach übereinstimmendem Urteil der Aerzte ein nachhaltiger; aber nicht minder ist der Einfluß der Ferienkolonien für das geistige Leben der Kinder ein äußerst günstiger. Wer wollte den bleichen, mangelhaft ernährten, in der schlechten Luft unserer engen städtischen Quartiere lebenden Kindern nicht von Herzen gern diese körperliche und geistige Erfrischung gönnen.

Letztes Jahr wurden 567 Kinder während 3 Ferienwochen in 12 Stationen verpflegt und 1304 Kinder erhielten ebensolange täglich zweimal Milch und Brot. Daneben wurden auf dem Schwäbrig 239 schwache und kränkliche Kinder, jeweilen 4 Wochen oder je nach Bedürfnis auch länger, versorgt und fast ohne Ausnahme kehrten sie gesund oder doch sichtlich gestärkt nach Hause zurück

Dieses Jahr wird ohne Zweifel infolge der vielen Kinderkrankheiten, der ungünstigen Witterungsverhältnisse dieses Frühjahrs und nicht zum mindesten wegen des immer noch anhaltenden flauen Geschäftsganges das Bedürfnis für Ferienversorgung ein außerordentlich großes ist ^[richtig: sein].

Die Unterzeichneten gelangen daher wiederum an alle Menschenfreunde mit der angelegentlichen Bitte um Zuwendung von Liebesgaben für den diesjährigen Betrieb.

Die Mitglieder des Bureau des Zentral-Vorstandes:

Pfarrer Dr. W. Bion, Präsident, Schienhutgasse 6, Zürich I, Dr. Paul Hirzel, Vice-Präsident, Bächtoldstraße 11, Zürich V, Lehrer R. Toggenburger, Quästor, Universitätsstraße 120, Zürich IV, Lehrer J. Bachmann, Aktuar, Sonneggstraße 51, Zürich IV, Dr. med. M. Krucker-Wegmann, Stadtarzt, Zeltweg 7, Zürich V, Stadtrat Dr. Erismann, Plattenstraße 37, Zürich V, Lehrer H. Wipf, Sonneggstraße 54, Zürich IV, Prorektor J. Schurter, Gerechtigkeitsgasss 19, Zürich I.

Die Mitglieder der Frauenkommission:

Frau Dr. Bissegger, Göthestraße 10, Zürich I, Frau Schoch-Hoigné, Mittelstraße 22, Zürich V, Frau L. Eberhardt, Forchstraße 30, Zürich V, Fr. Dr. Maurizio, Zahnärztin, Kirchgasse 25, Zürich I, Fräulein Turnau, Asylstraße 17, Zürich V, Frau Zollinger, Dienerstr. 8, Zürich III.

Möchte der Erfolg ein recht erfreulicher sein!

Ist es uns gestattet, bei diesem Anlaß eine weitere Anregung zu machen, die vielleicht in absehbarer Zeit Wesen und Gestalt gewinnen könnte? Wie wäre es, wenn auch der bedürftigen, "mühseligen und beladenen Frauen" gedacht würde und für billige Ferienversorgungen derselben Rat geschaffen werden könnte? Wohl gibt es allerlei Kurhäuser und Bäder und andere Anstalten, die sich billiger Preise befleißigen; bezahlt werden muß der Aufenthalt aber doch, und solange die Dauer der Ausspannung sich richten muß nach den vorhandenen, meist recht kargen Mitteln und die vorhandenen Batzen Tag für Tag ängstlich abgezählt werden müssen "ob es noch ein paar Tage reiche", wird der Segen der Ausspannung eben nur ein beschränkter sein. Saget nicht, ihr lieben Leser und Leserinnen: den Ehemännern und Haushaltungsvorständen liege es ob, den abgearbeiteten oder leidenden Lebensgefährtinnen die Mittel zu beschaffen zu einem kürzeren oder längeren Ferienaufenthalt. Wir geben das ja zu, und kennen auch die mancherlei andern Einwände, die mit etwelchem Schein von Berechtigung etwa gemacht werden. "Wenn der Mann weniger in der Kneipe wäre und mehr zu Hause, wenn er weniger für sich brauchte, wenn überhaupt in den guten Tagen auch an die kommenden schlechten gedacht und mehr gespart würde, dann müßte nicht die Allgemeinheit einspringen, wo dem Einzelnen eine leicht erfüllbare Pflicht obliegt" - so etwa tönt es, und oft, wie schon gesagt, nicht ganz mit Unrecht. Oft sagen wir; aber ebensooft ist das Objekt der geplanten Fürsorge daran unschuldig; es ist hilflos und büßt mit den Kindern für die Fehler, die es nicht begangen hat!

Es mag einstweilen am Gesagten genügen. Mögen sich Menschenfreunde finden, die mit der gleichen Energie und Hochherzigkeit, wie sie be ^[richtig: bei]