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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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wünsche des Herzogs und eine Ehrengabe von hundert Dukaten zu überbringen, ließ er beim Festschmaus als erstes Gericht eine Schüssel auftragen, worauf ein aus Erzschlackeu und Grün künstlich errichteter Felsen zu sehen war, zwischen den Steinen und Mosen versteckt glänzten die Dukaten und entsprechende Verse krönten das Ganze. Das tm der Dichter und hat er wohl damit weniger Freude angerichtet, als wenn er in seiner Eigenschaft als Staatsminister rrocken und geschäftsmäßig die Summe übergeben hätte?
Beschenkt man arme Leute z. B. mit getragenen Kleidern, so soll man diese ausgebessert und von Flecken gesäubert übergeben, und fügt man dazu einen Kragen, eine bunte Halsschleife oder dgl., so daß alles fertig "zum hineinschlupfen" ist, wird mau stets viel frohere Gesichter sehen, als wenn man Dinge spendet, die erst mit Mühe wieder in einen brauchbaren Stand gesetzt werden müssen. Das Volk ist durchaus nicht stumpf gegeu solche Aeußerungen zarter Gesinnung, ich habe das erst letzte Weihnachten wieder empfunden, als ich meiner alten Waschfrau zu dem kleinen Geschenk nebst Kuchen und Naschwerk einen Tannenzweig legte, mit Papierrosen geschmückt, die ich seit Jahren selbst verfertige, um Weihnachtsgaben damit auszuputzen. "Nischt freut mich so sehr alle Jahr ", sagte die Alte, "als der Zweig von Ihnen, den steck' ich an meinen Haussegen un stell zwee Lichter davor, dann is es so feierlich in meiner Stube, Sie glauben's gar nich!"
Meine alte Großmutter hatten wir oft geneckt, daß sie wie das Mädchen aus der Fremde den Jüngling wie den Greis am Stäbe zu beschenken wußte. Kaum ein Besuch ging von ihr, ohne daß sie ihm eine Blume, einen kleinen Kuchen, ein Kochrezept, oder eine goldene Lebensregel mit auf den Weg gegeben hätte. "Und wenn's ein Sträußcheu Petersilie ist aus dem Hausgarten, man soll's geben wenn man andre damit erfreuen kann/' pflegte sie zu sagen.
Neuerdings wird uns Kunst im hause und "Stil" allüberall gepredigt. Bemühen wir uns, wenn wir jemand ein Geschenk machen wollen, von dem wir wünschen, daß es als Andenken an uns womöglich lebenslang in Ehren gehalten werde, auch künst- und stilgerecht zu sein, und das heißt einfach: daß unsere Gabe zweckentsprechend sei und nicht störend wirke in der Häuslichkeit, für die sie bestimmt ist. Besser, selbst vorher fragen, und die Neberrafchung unteilassen, als unangenehm überraschen!
Geht nicht planlos zu Werke, ihr fröhlichen Geber! "Wenig mit Liebe" erreicht oft leichter das Ziel, als "viel ohne Gefühl". Schenken in des Wortes eigenster, schönster
Bedeutung ist, wenn es seinen Zweck voll und ganz erfüllt, dann mehr als geben uud heißt  beglücken!
Owiges über Kaarpflege.
Die Klage, daß auch dem weiblichen Geschlechte überaus häufig schon im jugendlichen Alter die Haare ausgehen, wird immer häufiger. Es kommt dies daher, daß gerade die Haarpflege vernachlässigt wird. Es wird wohl gebürstet und gekämmt, gebrannt und pomadisiert, aber dabei werden die Haarwurzeln nicht gekräftigt und nur noch Haare direkt ausgerissen. Schon in der Kindheit mutz die Haarpflege beginnen. Die so häufigen Kopfausschläge im Kindesalter müssen aufmerksam behandelt werden. Bei längerem Bestehen dieser Ausschläge tritt eine Erschöpfung der Kopfhaut ein. Auch die Frisur der Mädchen, so lange sie die Schule besuchen, ist nicht zweckmäßig. Die Zeit am Morgen vor Beginn der Schule ist kurz, die Mutter oder das Dienstmädchen kämmen schnell die Haare durch, um dann einen Zopf zu flechten. Dabei reißen sehr viele Haare ab, was einem schwachen Haarwuchse sehr zum Nachteile gereicht. Reicht die Zeit, einen Zopf zu flechten, nicht aus, so schneide man das Haar kurz. Einmal ganz kurz schneiden genügt, bei geringer Kürzung ist es vorteilhaft, einige Jahre hindurch alle drei Monate wieder einige Zentimeter abzuschneiden. Nun noch einiges über Bürsten und Kämme. Zu häufiges und zu starkes Bürsten ist nicht gesund. Die Kopfhaut wird dadurch zu start gereizt. Die Bürste sei weich, besonders bei Kindern. Das Bürsten und Kämmen soll ferner nicht gegen die natürliche Wuchsrichtung des Haares gerichtet sein. Es werden dadurch oft schwere Kopfschmerzen erzeugt. Zum Durchkämmen nehme man nur Kämme mit weiten Zinken. Damit werden am wenigsten Haare ausge-risseu. Die Frage, ob man das Frauenhaar mit Oel und Pomade behandeln dürfe, wird verschieden beantwortet. Wir sind der Ansicht, daß von Zeit zu Zeit das Einölen des Haares nur von Vorteil ist, besonders dort, wo Neigung zur Trockenheit besteht. Das Oel gibt dem Haare eine angenehme Weichheit. Weniger vorteilhaft ist die Anwendung von Pomaden. Vor allem ist darauf Zu sehen, daß dieselben nicht ranzig sind. Das ist nämlich für das Haar sehr schädlich. Nun kommt die oft diskutierte Frage des Kopfwaschens. Wie oft soll man den Kopf waschen und womit? Sehr viele Menfchen haben eine so geringe Schweißabsonderung am Kopfe, eine so geringe Abschilferung der Oberhaut, brauchen so wenig Oel und Pomade und kommen so wenig in staubige und schmutzige Atmosphäre, daß das tägliche Durchkämmen des Haares für