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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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denbändern geschnürt, liegen in Fülle da  aber alle diese Herrlichkeiten tauchen nur zwei-, dreimal im Jahre aus dem Dunkel der Nacht, wenn Menschen da sind". Aber die Menschen der Familie bekommen nur notdürftig geflickte Tisch- und Mundtücher, essen von abgeschlagenen Tellern, trinken den Kaffee aus Tassen ohne Henkel und erhalten Gabeln mit abgebrochenen Zinken. Liegt darin nicht ein Mangel an Selbstachtung? Ist man reich, so mögen immerhin bestimmte Räume nur für Gesellschaften dienen, aber in mittleren Verhältnissen, in denen die breite Schicht des Mittelstandes lebt, ist das mehr als überflüssig. Gerade das allgemeine Wohnzimmer soll der beste, freundlichste Raum sein. Auch ohne Luxus kann er ein freundlich anheimelndes Gepräge erhalten, eine Gemütsstimmung, die im Bilde die innere Einheit der Familienmitglieder spiegelt. Und wenn auch nicht alltäglich eine Festtafel hergerichtet werden kann, soll doch auf peinliche Sauberkeit und Ordnung des Tisches gesehen werden.
Für Gesellschaften werden oft Mittel verwendet, die dann wieder eingebracht werden sollen. Die Fremden erhalten Leckerbissen, bei den eigenen Angehörigen wird gekargt, ihnen die Nahrung zuweilen so spärlich zugemessen, daß sie stets hungrig bleiben.
Das gleiche Scheinwesen macht sich in der Kleidung geltend. Man will den "andern" nicht nachstehen- für die Oeffentlichkelt bürdet man sich Opfer auf, für das Haus hält man das Schlechteste f^r gut genug.
Es wird dabei nicht bedacht, wie solch unvernünftiges Gebahren auf das Mnge Geschlecht wirkt. Man pflanzt damit in die Seelen den Keim der Lüge, der Nnaufrich-tigkeit. Das Urteil der Außenwelt erhält dadurch für die Kinder einen Wert, den es niemals besitzen sollte; aber es wird durch Trug erschlichen. Die Kinder gewöhnen sich einerseits an Schauspielerei: nicht ihretwegen, nicht für das heim entfalten sie gutes Benehmen, zarte Rücksicht  dafür ist ja alles "gut genug" , sondern nur für die andern. Dieser Gegensatz bleibt dem inneren Gefühl bewußt; allmählich überträgt er sich auf das gesamte Geistesleben, und zuletzt ist der Mensch ganz dem Scheinwesen verfallen."
"Kirche".
Zür die Küche.
Wie man Erbsen unfehlbar in kurzer Zeit
weich kocht. Will die Hausfrau sicher gehen und unfehlbar weiche Erbsen beim Kochen erhalten, so darf sie dem Wasser, worin dieselben gekocht werden, nur etwas Soda beimischen. Ein Kaffeelöffel voll reicht zu einer Mahlzeit für sechs Personen vollkommen aus.
Auf diese Weise kochen selbst Erbsen, die mehrere Jahre alt sind, ganz gut weich. Auf einem anderen, freilich umständlicheren Wege erreicht man denselben Zweck. Man läßt nämlich die Erbsen 1218 Stunden lang in lauem Wasser weichen, dann das Wasser abtropfen und schichtet die Erbsen in Haufen auf. Nach Verlauf von 24 Stunden sind die Erbsen gekeimt und können dann sofort zum Kochen verwendet werden. Bei diesem Verfahren kochen sich die Erbsen nicht allein weich, sondern nehmen auch einen angenehmen Geschmack an, der sich mehr den jungen Erbsen nähert, ebenso sind sie auch leichter zu verdauen. Was hier von den Erbsen gesagt worden ist, gilt natürlich auch von anderen Hülsenfrüchten.
Etwas über Aluminium-Kochgeschirre. Die
Herstellung dieses neuen Kochgeschirres hat schon vor ungefähr zehn Jahren begonnen, im allgemeinen aber konnte dasselbe des hohen Preises wegen bisher nicht eingeführt werden. Es wurde dasselbe früher auch gar zu leicht ausgeführt, wodurch die Stabilität viel zu gering war. Bei der immer größeren Berbilligung des Aluminiums und der rationelleren Fabrikationsmethode ist es nun in neuerer Zeit möglich geworden, diese Geschirre in etwas schwererer, stabiler Ware zu verhältnismäßig billigem Preise herzustellen und in den Handel zu bringen. Aluminium, hart gewalzt, ist weicher wie Kupfer, aber härter als Silber, im Preise etwas billiger als Kupfer. Es hat das neue Geschirr bereits große Verbreitung gefunden. Die großen Vorteile desselben sichern dessen Absatzgebiete glänzend; denn das Aluminiumblech als Material für Kochgeschirr ist in hygienischer Beziehung gegenüber anderen Metallen unübertroffen, es verhält sich beim Kochen jeglicher Speisen völlig neutral, wird von keiner Säure angegriffen und oxydiert nickt. Ein weiterer wichtiger Faktor liegt auch darin, daß Aluminiumverbindungen niemals giftig wirken, wie dies z. B. bei anderen Kochgeschirren durch Grünspan oder sonstige chemische Verbindungen, z. B. durch Bleivergiftungen 2c. geschieht. Die Speisen behalten ihren natürlichen Geschmack, bleiben in der Farbe unverändert und können darin erkalten, ohne daß das Aluminium angegriffen wird. Bei der Reinigung des Alunnniumgeschirres muß man in erster Linie darauf achten ,daß man keine Soda damit in Berührung bringt, indem das Metall sein schönes, weißes Aussehen verliert. Zum Putzen der polierten Außenwände eignet sich am besten Stearinöl mit Wienerkalk, oder sodafreie, weiße Kernseife. Zur Reinigung inwendig wird auch reiner, trockener Sand oder eine speziell hergestellte neutrale Aluminiumseife empfohlen.