Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

 372 
Otwas vom Gssen.
Es ist eine von den Aerzten oft konstatierte Tatsache, daß viele Menschen, meist aus den bemittelten Klassen, immer nur naschen und nie ordentlich essen und darum ihr Leben lang an mangelhafter Ernährung, an chronischem Hunger leiden. Nicht minder töricht handelt aber auch der Arme, der in der Meinung, nicht Geld genug zu haben, um sich ein ordentliches Essen zu kaufen, mit Schnaps oder Tabak oder mit schlechtem Kaffee den Hunger stillen will. Und gerade dem Armen Zum Trost hat die Wissenschaft bewiesen, daß die teuersten Nahrungsmittel durchaus nicht immer die besten und zuträglichsten sind.
Brot, Iwieback, Reis, die verschiedenen Hülsenfrüchte, Speck, Käse, Milch usw. zählen zu den kräftigsten und dabei billigsten unserer Nahrungsmittel. Warum bei unsern hohen Fleischpreisen das sehr nahrhafte Ham-melfleisß, das billige, in Paris seit 1870 allgemein geschätzte Kaninchenfleisch und die jetzt zu so geringen Preisen erhältlichen Seefische vernachlässigt werden, ist nicht recht begreiflich.
Anderseits sind die so verbreiteten und beliebten Kaffee, Tee, Wein, Bier, Suppen, Gewürze, auch viele Gemüse, viele Fleisch-Extrakte und künstliche Nährpräparate fast nichts anderes als Genuß- uud Reizmittel, die die eigentlichen Nährmittel, die Fette, die Eiweißkörper und Stärkesubstanzen nie ersetzen können. Sie sind höchstens "Sparmittel" für diese oder unterstützende Substanzen und als solche nur für kurze Zeit ausreichend; dabei aber unverhältnismäßig kostspielig.
Diese nötige Menge von Nahrungsmitteln auch dem Kranken, unter Umständen selbst gegen dessen Willen, beizubringen, hat sich als eine sehr lohnende Aufgabe der modernen Krankenpflege und Krankenbehandlung herausgestellt. Manche Krankheiten sind nicht durch Medikamente, nicht durch Luft uud sonstige Heilmittel allein, sondern nur unter Zugrundelegung einer richtigen und ausgiebigen Ernährung zu heilen. Die Hebung des Körpergewichtes kann häufig als das erste Zeichen einer Besserung aufgefaßt werden. Die verbreitete Meinung, daß dem Menschen das, was er ohne Appetit ißt, nicht bekomme, vielleicht gar schade, muß in dieser allgemeinen Fassung als Irrtum bezeichnet werden, und die früher sogar bis zu den sogenannten "Hungerkuren" gesteigerte Nahrungsentziehung gilt heute nur mehr bei wenigen Krankheitszuständen und auch dann nur für kurze Zeit als angezeigt. Allerdings müssen viele Kranke erst "essen lernen" und sind dann selbst nicht wenig er-
staunt darüber, wie viel sie aufnehmen und verdauen können, wiewohl sie anfangs "unmöglich mehr essen zu können" behaupteten, ja sich vor dem Essen förmlich fürchteten.
Wird Zweckmäßige Ernährung mit hygienischer Lebensführung verbunden, dem Kranken reichlicher Luftgenuß in gesundem, anregendem Klima geboten uud ihm durch Ruhe, selbst Bettruhe, die Möglichkeit verschafft, die Regenerationskräfte seines Organismus zu sammeln und ausschließlich auf die Bekämpfung seiner Krankheit zu konzentrieren, wird ferner etwa einem Anderen durch Bewegung, Sport und planmäßige Abhärtung die Eß-lust gehoben, dabei für Erheiterung und Anregung des Geistes und Gemütes gesorgt und Kummer und Sorgen ferngehalten, dann lassen sich wohl auf diesem Wege, dem sogenannten hygienisch - diätetischen Heilverfahren, Erfolge erzielen, die man früher gar nicht für möglich gehalten hätte. Eines ist aber hierzu nötig und unentbehrlich: Der Kranke selbst und seine Umgebung müssen mithelfen und hinreichend Geduld und Stanohaftigkcit, Disziplin und Ordnungssinn aufbringen, die strengen diätetischen Vorschriften lange genug einzuhalten. (Die Zeit.)
Oeffentliche Mascheinrichtungen.
Nachdem die Volksbäderbewegung erfreulicherweise steigende Fortschritte zu verzeichnen hat, dürfte es angebracht sein, darauf hinzuweisen, daß der zunehmende Verkehr namentlich in den Städten eine Ergänzung dieser öffentlichen Bäder durch Errichtung öffentlicher Wascheinrichtungen erheischt. An zahlreichen, hierzu geeigneten Stellen sollten Automaten angebracht werden, welche Wasser, Seife und ein Trockentuch enthalten. Ein Bedürfnis nach solchen Automaten ist sicher vorhanden und die reichliche Benützung derselben würde nicht in Frage stehen. Generalarzt Kirchner in Göttingen hat jüngst unsere öffentlichen Wascheinrichtungen für die Händereinigung Revue passieren lassen. Er findet, daß dieselben in den Bahnhöfen meist euvvandsfrei sind, dagegen in den Gasthäusern zu beanstanden, ja direkt gesundhcitsge-fährlich feien. Man findet in denselben oft ein Handtuch ohne eine trockene Stelle, es triefe manchmal vor Nässe. Da die Handtücher an derselben Stelle von verschiedenen Seiten benutzt und die Hände daselbst getrocknet werden, ja manchmal auch der Mund damit abgewischt wird, so können tatsächlich durch diese Handtücher ansteckende Krankheiten übertragen werden. Automaten mit Seife und Trockenhandtuch würden demnach auch in den Restaurationen sehr zweckmäßig sein.