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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Baudry; Bauerle; Baugniet

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Baudry - Baugniet.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baudot'

ehrenvollen Namen, ebenso durch sein größeres architektonisches Werk »Églises de bourgs et de villages« (1861-1862, 2 Bde.). Mit dem jüngern Viollet le Duc redigierte er die »Gazette des architectes et du bâtiment« und mit Chabat das »Journal de menuiserie«.

Baudry (spr. bohdrí), Paul Jacques Aimé, franz. Historienmaler, geb. 7. Nov. 1828 zu La Roche sur Yon (Vendée) als Sohn eines unbemittelten Handwerkers. Er empfing den ersten Unterricht in der Kunst von einem dortigen Zeichenlehrer und zeigte ein so hervorragendes Talent, daß der Präfekt der Vendée ihm einen Platz in der École des beaux-arts zu Paris erwirkte. Hier lernte er unter Drölling und trug schon 1850 mit seiner Zenobia an den Ufern des Araxes den großen Preis für Rom davon, wo er nun seine Studien fortsetzte, sich von dem akademischen Stil seines Lehrers lossagte und auf die ideale Darstellung der Natürlichkeit ausging. Seine Zeichnung ist naturwahr, im Ausdruck und in den Köpfen der Gestalten frisch und lebendig, in den Bewegungen voll Anmut, verbunden mit großem Reiz des Kolorits. Abgesehen von den aus Rom eingesandten Bildern, gehören zu seinen bedeutendsten Leistungen: die Fortuna mit dem Kind (1853, Museum des Luxembourg), Johannes der Täufer, Hinrichtung einer Vestalin (1855, Museum in Lille), die büßende Magdalena, Toilette der Venus, Amphitrite (1861), die zwar sehr realistische, aber doch nicht ergreifende Ermordung Marats durch Charlotte Corday (1861) und in den folgenden Jahren mehrere Porträte, z. B. das des Archäologen Beulé, des Staatsmanns Guizot und 1869 das des Erbauers der Großen Oper, Charles Garnier, in dessen Prachtbau er Dekorationsmalereien schuf, die, von Raffael und Michelangelo inspiriert, zu den glänzendsten unsrer Zeit gehören. Es sind im Foyer zunächst an den Seitengewölben mythologische und historische Bilder, bezüglich auf Musik und Tanz: Apollon und Marsyas, Orpheus und Eurydike, das Urteil des Paris, die Pastoralpoesie, Tyrtäos die Spartaner zum Kampf anfeuernd, Saul und David, der ↔ Traum der heil. Cäcilia, Orpheus und die Mänaden, der Tanz der Herodias, Jupiter und die Korybanten; sodann an den beiden Enden des Foyers der Parnaß mit den Musen und Grazien und die Dichter des Altertums mit Homer in der Mitte; vor allem die Plafondmalereien: die Komödie und die Tragödie, die Melodie und die Harmonie, verbunden im Äther schwebend, begleitet vom Ruhm und der Poesie. 1877 stellte er das Reiterbild eines Generals aus, in der Art der englischen Porträte des 18. Jahrh., vollendet in der Klarheit und Leuchtkraft der Farbe und meisterhaft im Relief des Pferdes. 1861 wurde er Ritter, 1869 Offizier und 1875 Kommandeur der Ehrenlegion, 1879 Mitglied der Akademie.

Bauerle, Karl, Genre- und Porträtmaler, geb. 1831 zu Endersbach in Württemberg, wanderte mit seinen Eltern nach Amerika aus, wo er sich der Schriftsetzerei und später dem Zeichnen auf Holz widmete. 1859 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde unter Rustiges Leitung Schüler der Kunstschule in Stuttgart. Dann machte er eine Studienreise nach München und Italien und nahm seinen Wohnsitz in Stuttgart, wo er als Porträtmaler sehr beliebt wurde. Unter seinen Genrebildern von sehr ansprechender Komposition und brillantem Kolorit sind zu nennen: die Waisenkinder, der Frühling, die Briefbötin, die Kinderstube, Barfüßele u. a.

Baugniet (spr. bohnjäh), Charles, belg. Lithograph und Genremaler, geb. 1814 zu Brüssel, machte sich zuerst bekannt durch eine große Reihe von Porträten berühmter Persönlichkeiten, nach der Natur auf Stein gezeichnet. Er wurde infolgedessen 1841 Zeichner des Königs der Belgier und 1843 Ritter des Leopoldordens. Dann ging er nach England, wo er 18 Jahre als Porträtmaler mit Erfolg arbeitete. Später ließ er sich in Frankreich nieder und widmete sich mehr dem Genrefach. Zu den gerühmten Bildern dieses letztern Faches gehören: die Barmherzige Schwester, der Erstgeborne, die Rückkehr des Seemanns, die älteste Tochter (Hauptbild), der Besuch bei der Witwe, Gewissensunruhe (1865), die Toilette der Braut

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 31.