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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Begas

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Begas.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Beer'

und debütierte erfolgreich mit dem Bilde: Thomas von Bologna besucht Albrecht Dürer, dem dann zunächst eine heil. Cäcilia, die Meistersinger und Gastmahl bei einem Nürnberger Patricier folgten. Eine Studienreise im bayrischen Gebirge führte ihn mehr dem Genrebild und insbesondere der Darstellung des Bauernlebens zu, z. B.: Ankunft einer Glocke in einem Dorf des bayrischen Hochlands und der vom Schützenfest in Tirol heimkehrende Sieger. Nach wiederholtem längern Aufenthalt in Rußland, namentlich im Gouvernement Ssmolensk, dessen Gegenden und Volksleben ihn ungemein anzogen, brachte er von dort eine Reihe trefflicher Genrebilder, die großen Beifall fanden. Dahin gehören: die ersten gefangenen Türken in einer russischen Kreisstadt, Bauernbelustigung auf dem Kirchenfest des heil. Nikolaus, russisches Zigeunerlager, am Flußufer einer kleinen russischen Stadt, die ersten gefangenen Türken in Dorogobush u. a. Von jenen Ausflügen nach Rußland kehrte er 1870 zurück und ließ sich in seiner Vaterstadt nieder.

Begas, vier in der Kunst unsrer Zeit bedeutende Söhne des um die Begründung der jetzigen Berliner Malerschule hochverdienten Karl B. (gest. 1854). Der älteste,

1) Oskar B., geb. 31. Juli 1828 zu Berlin, widmete sich der Malerei unter der Leitung seines Vaters und der Akademie und ging, als er während eines einjährigen Aufenthalts (1849-50) in Dresden das Reisestipendium für Italien erhielt, nach Rom, wo er bis 1854 blieb und außer einem kleinen Genrebild: Plauderstunde (1853, Nationalgallerie), für die Michaeliskirche in Berlin das Altarbild der Kreuzabnahme malte, welches indessen mehr das Resultat eines geschickten Eklekticismus als der innern Begeisterung war. Nach seiner Rückkehr begann er die Porträtmalerei und war hierin eine Zeitlang einer der gefeiertsten Meister. Unter seinen Historienbildern und den meist nach dem Aufschwung der Berliner Bauthätigkeit 1866 entstandenen monumentalen Malereien nennen wir: die Farbenskizze der Hermannsschlacht im Teutoburger Walde, den weniger gelungenen Empfang der Salzburger Protestanten ↔ in Potsdam, den meisterhaften Friedrich d. Gr. nach Beendigung des Siebenjährigen Kriegs in der Schloßkapelle zu Charlottenburg, die Kompositionen aus dem Mythus von Amor und Psyche (1866), die in den Gegenständen nicht sehr glücklichen Malereien im Festsaal des Berliner Rathauses und die im Kaisersaal der Passage. Nach 1870 machte er auch einige gelungene Versuche in der Landschaftsmalerei, z. B.: Waldschnepfenjagd auf Rügen (1872) und auf der Treibjagd im Wald (1876).

2) Der zweite Bruder, Reinhold B., geb. 15. Juli 1831 zu Berlin, hat sich durch die realistische, fast ans Malerische grenzende Auffassungsweise seiner plastischen Werke einen bedeutenden Namen gemacht. Er erlernte seine Kunst 1846-51 auf der Akademie in Berlin, trat dann in das Atelier von Ludw. Wilh. Wichmann und später von Rauch, unter dessen Leitung er bereits mit einer Gruppe: Hagar und Ismael, auftrat, die wegen ihres Naturgefühls als Erstlingsarbeit Aufmerksamkeit erregte. 1856 ging er, um das Modell einer Gruppe der Psyche mit der Lampe über dem schlafenden Amor in Marmor auszuführen, nach Rom (bis 1859), wo das Studium der gewaltigen, stark bewegten Werke Michelangelos und der Verkehr mit dem genialen Böcklin einen großen Einfluß auf seine spätere naturalistische Richtung ausübten. Dort entstand zunächst die berühmte, preisgekrönte Gruppe: Amor tröstet die verlassene Psyche, auf die bald nachher die von manchen ebenso sehr bewunderte Faunfamilie folgte. Nachdem er 1860-62 als Professor an der Kunstschule zu Weimar gewirkt hatte, ging er abermals nach Rom, kehrte aber, veranlaßt durch die Konkurrenz für das Schillerdenkmal in Berlin, bald zurück, um sein viel besprochenes Modell, das den ersten Preis erlangt hatte, auszuführen. Am 10. Nov. 1871 enthüllt, zeigt es die aus einem Brunnenbassin hervorgehende Gestalt des Dichters in einer fast saloppen Haltung, an den Ecken des Unterbaus die allegorischen Figuren der Lyrik, der Tragödie, der Geschichte und der Philosophie. Wie in diesem Werk, so sprachen sich auch in seiner preisgekrönten Skizze zum Friedrich-Wilhelms-Denkmal

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 38.