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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Bleibtreu

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Bleibtreu

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Blauvelt'

rühmt werden, nennt man: das verlorne Kind, das Nachtsignal, der erwartete Bahnzug, Vorbereitung zur Schule, eingeschneit und viele Einzelfiguren. Er lebte lange Zeit in New York und ist jetzt Zeichenlehrer an der nautischen Akademie in Annapolis (Maryland).

Bleibtreu, Georg, Schlachtenmaler, geb. 27. März 1828 zu Xanten am Niederrhein, zeigte schon als Knabe Talent zum Zeichnen von Pferden und Soldaten und bezog, als er endlich die Einwilligung seines Vaters zum Malerberuf erlangt hatte, 1843 die Akademie in Düsseldorf, wo er anfangs nicht die erwarteten Fortschritte machte, so daß er nach fünf Jahren die Akademie wieder verließ. Aber bald kehrte er zurück und versuchte den Kampf noch einmal, der ihm unter Th. Hildebrandts Leitung besser gelang, weil er das Gebiet betrat, auf dem er später so große Erfolge erzielte. Sein erstes, schon sehr gelungenes Bild dieser Art war eine Zeichnung des Gefechts bei Bau zwischen den Schleswig-Holsteinern und den Dänen (1849), dem dann Ölbilder aus demselben Krieg folgten, unter denen mehrere durch ihre Wahrheit und Lebendigkeit großen Beifall fanden. Dadurch ermutigt, griff er zurück in die deutschen Freiheitskriege und in das Zeitalter Friedrichs d. Gr. und malte die Schlachten bei Großbeeren und an der Katzbach, den Sturm auf das Grimmaische Thor in Leipzig, die Schlacht bei Aspern, die mit ergreifender Wahrheit dargestellte Episode aus der Schlacht bei Waterloo (Verwundung des Prinzen von Oranien) und mehrere Illustrationen zu deutschen Kriegs- und Freiheitsliedern. Die beiden letztgenannten Schlachten entstanden schon in Berlin, wo er 1858 seinen Wohnsitz nahm und sich dadurch in den Mittelpunkt der bedeutenden Ereignisse versetzt sah, die sich von 1864 bis 1871 vollzogen. So entfaltete er in der Verherrlichung der preußisch-deutschen Siege eine fruchtbare Thätigkeit und eine stets zunehmende Schöpferkraft. Mit richtigem künstlerischen Gefühl wählt er nicht ausgedehnte Feldschlachten zu seinen Vorwürfen, sondern Episoden größerer Manöver oder Gefechte. In solchen geschlossenen ↔ Kampfscenen erlangte er eine außerordentliche Lebendigkeit und Wahrheit, eine großartige Auffassung und ein Kolorit, das, ursprünglich allzu ernst und dunkel, allmählich immer heller und wärmer wurde, so daß er auch als Kolorist eine der ersten Stellen einnimmt. Die bedeutendsten seiner Schöpfungen aus dem zweiten Kriege gegen Dänemark sind die Gefechte am Königshügel und bei Översee und vor allen der Übergang nach Alsen (Nationalgallerie in Berlin), ein Bild von frappierender Wahrheit in der Erfassung des Moments, voll fesselnder Gruppen und Einzelfiguren. Noch reichere Ausbeute lieferte ihm der Krieg des Jahrs 1866, an dem er in der Armee des Prinzen Friedrich Karl teilnahm, darunter eins seiner Hauptstücke, die Schlacht bei Königgrätz (ebenfalls Nationalgallerie), in der er sowohl durch energische Hervorhebung des geistigen Mittelpunkts eine kompositionelle Einheit als durch Kraft und Glanz des Kolorits eine malerische Harmonie erreicht hat. Auch im deutsch-französischen Krieg folgte er den wichtigsten Unternehmungen des dritten Armeekorps und schilderte sie in zahlreichen Bildern, die, stets die dankbarsten Momente ergreifend, die höchsten malerischen Effekte hervorbringen; z. B.: die Bayern vor Paris, die Übergabe Napoleons nach der Schlacht bei Sedan, die freilich als ein Bild ruhiger Zustände seinem Talent für lebhafte Bewegung ferner liegt, die Schlußepisode bei Wörth voll drastischer Lebendigkeit und koloristischem Reiz, die durch ihre Beleuchtung pikante Zusammenkunft Moltkes mit Wimpffen am Abend der Schlacht bei Sedan, König Wilhelm im Winter bei einer Beschießungsbatterie vor Paris, König Wilhelm nach der Schlacht bei Gravelotte und der wieder in der Charakteristik höchst bedeutende Napoleon auf der Flucht am Abend von Waterloo (1878). 1880 vollendete er zwei meisterhafte Schlachtenbilder aus dem deutsch-französischen Krieg: das eine ist der Angriff, den das zwölfte sächsische Korps am Abend des 18. Aug. mit der preußischen Garde auf St. Privat unternahm; das andre, noch dramatischer und stürmischer, ist der Sturm der württem-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 57.