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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Ferstel

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Ferstel

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ferrier'

mythologische Bilder von geistvoller Auffassung, aber technisch von ungleichem Wert, z. B.: ein griechischer Improvisator aus dem 1. Jahrh. v. Chr. (1872), der Raub des Ganymedes (1875), David als Besieger Goliaths (Museum in Nîmes). 1878 bereiste er Belgien und Holland und 1879 noch einmal das nördliche Italien. Unter seinen neuesten Bildern nennen wir: David und Bathseba, Judith, Martyrium der heil. Agnes (Museum in Rouen), eine Inquisitionsscene und mehrere Porträte, darunter auch das des verstorbenen Prinzen Louis Napoleon. 1880 war er mit den Porträten der Kinder des Herzogs von Chartres beschäftigt.

Ferstel, Heinrich, Ritter von, berühmter Baumeister, geb. 7. Juli 1828 zu Wien, machte seine Studien nicht bloß in der polytechnischen Schule, sondern auch auf der Universität, kam dann auf der Akademie unter die specielle Leitung von van der Nüll und Siccardsburg und errang vermöge seiner seltenen Begabung mehrere Preise für eine Studienreise nach München. Nach seiner Rückkehr trat er in das Atelier seines Oheims, des Architekten Stache, wo er 1851-53 praktisch arbeitete. Mit diesem errichtete er z. B. den Votivaltar in der Barbara-Kapelle des Stephansdoms. 1854 erhielt er ein kaiserliches Stipendium für eine einjährige Studienreise nach Italien. Aber noch ehe er sie antrat, wurde infolge des Attentats vom 18. Febr. 1853 auf das Leben des Kaisers eine Konkurrenz für einen Kirchenbau (die »Votivkirche«) zur Erinnerung an die Rettung des Kaisers ausgeschrieben. F. beteiligte sich bei der Konkurrenz und ging als Sieger (über mehr als 70 andre Projekte) daraus hervor. Von Neapel, wo ihn diese Freudenbotschaft erreichte, zurückgekehrt, legte er nun 24. April 1856 den Grundstein des Baues, dessen Einweihung nach vollen 23 Jahren 24. April 1879, dem Tag der silbernen Hochzeit des Kaiserpaars, stattfand. Es ist ein Bau rein gotischen Stils, der von dem gründlichsten Studium der Stilgesetze der deutschen und französischen Gotik zeugt und die Schönheiten beider Richtungen aufs glücklichste in sich vereinigt (vgl. ↔ Thausings Prachtwerk »Die Votivkirche in Wien«, Wien 1879). Während der langwierigen Ausführungsarbeiten der Votivkirche konnte er bei dem gewaltigen baulichen Aufschwung der Kaiserstadt sich selbstverständlich noch mit vielen andern öffentlichen und Privatbanken beschäftigen, die von seinem ebenso rastlosen wie vielseitigen Schaffen glänzende Zeugnisse ablegen. Es sind: zunächst der Nationalbankpalast, der, die schwierigen Terrainverhältnisse überwindend, als eine schöne Frucht der Studien der romanischen Baukunst eine Zierde Wiens geworden ist, sodann die wiederum aus der Gotik hervorgegangenen Bauten des Pollakschen Hauses, der Villa Wisprill am Traunsee, der protestantischen Kirche in Brunn (Ziegelrohbau, mit Haustein gemischt) und der nicht ausgeführte Entwurf für die Akademie der Wissenschaften in Pest. Daran schließen sich, da die Gotik für Palastarchitektur in Mißkredit kam, der Renaissancebau des Palais des Erzherzogs Ludwig Victor, des Wertheimschen Palastes und des palastartigen Zinshauses, in dem sich die türkische Botschaft befindet. 1866 zum Professor der Architektur am Polytechnikum ernannt, begann er 1867 den Bau des österreichischen Museums für Kunstindustrie, der zwar im Äußern manches Unbefriedigende hat, aber im Innern die höchste Zweckmäßigkeit mit Eleganz verbindet. Bedeutender als alle diese Bauten, abgesehen von der Votivkirche, ist sein zweites noch unvollendetes Hauptwerk: der Universitätsbau, der, an Dimensionen die übrigen Prachtgebäude des Paradeplatzes übertreffend, den Beweis liefert, daß F. die Formen der Hochrenaissance, verschmolzen mit modernen Architekturformen, ebenso zu beherrschen weiß wie die Gotik. An weniger großartigen, aber höchst gelungenen Werken fallen in das letzte Decennium noch: das Staatsgymnasium in der Alservorstadt, die Villa des Erzherzogs Karl Ludwig in Reichenau und das Palais des Fürsten Liechtenstein in der Roßau. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, Orden und Ehrenbezeigungen, wurde 1871 Oberbaurat, erhielt die große goldne Medaille der Pariser Ausstellung, wurde Ehrenmitglied des Instituts der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 174.