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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Agde; Agdistis; Age; Ägeisches Meer; Ageladas; Agelastica; Agemina; Agen; Agénde

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Agde - Agende.

Madras, Maissur etc. Die Pflanze hat 1-2 m lange, oft über 20 cm breite und am Grund über 10 cm dicke, graugrüne Blätter, erreicht unter günstigen Verhältnissen in 6-10 Jahren ihre volle Entwickelung, blüht dann und stirbt nach dem Reifen ihrer dattelartigen Früchte ab, während zahlreiche Wurzelschößlinge, die man zur Vermehrung benutzt, hervortreiben. Bei uns in Gewächshäusern gelangt die A. oft erst nach 40-60 Jahren zur Blüte und wird deshalb häufig hundertjährige Aloe genannt. Die Pflanze besitzt einen sehr hohen Kulturwert und wurde schon von den alten Mexikanern angebaut. Sobald sie sich anschickt, ihren Blütenschaft zu treiben, schneidet man die Gipfelknospe heraus, so daß ein Kessel von 0,5 m Durchmesser entsteht. Dieser füllt sich 1-6 Monate lang täglich zwei- bis neunmal mit einem zuckerreichen Saft (8,8 Proz. Zucker, 0,3 Proz. Apfelsäure, 0,5 Proz. Gummi, 1 Proz. Eiweiß), welcher nach der Gärung in ledernen Säcken den Pulque, das Nationalgetränk der Mexikaner, darstellt. Eine Pflanze liefert bis 2000 kg Saft. Die Blätter der Maguey enthalten eine sehr feste Faser, welche auf einfache Weise gewonnen und als Aloehanf (Pita) in den Handel gebracht wird. Die Wurzel benutzt man in der Heimat gegen Syphilis. A. mexicana Lam. wird in derselben Weise verwertet, A. Sisilana in Yucatan liefert den Sisalhanf oder Hennequin. Von einigen Arten wird der Saft, nachdem er vergoren ist, zur Gewinnung von Branntwein destilliert. Bei uns werden zahlreiche Arten und Varietäten als Zierpflanzen gezogen (s. Tafel "Kakteen").

Agde (spr. agd), Hafenstadt im franz. Departement Hérault, Arrondissement Béziers, am Fluß Hérault, 4 km von seiner Mündung ins Mittelmeer, an der Südbahn, auf einem alten Lavastrom des erloschenen Vulkans von St.-Loup gelegen, hat eine alte merkwürdige Kathedrale, eine hydrographische Schule und (1876) 7728 Einw., welche lebhaften Küstenhandel, Schiffbau, Seesalzbereitung, Fabrikation von Seilerwaren u. a. betreiben. A. ist das alte Agatha Narbonensis, ursprünglich eine griechische Kolonie, und war bis 1801 Bischofsitz.

Agdistis, Beiname der Kybele (s. d.).

Age (Axin), dunkelgelbes, butterähnliches Fett, welches von mexikanischen Indianern aus einer Schildlaus, Coccus axin La Slave, bereitet wird. Sie ziehen das Tier in Plantagen auf Schinus molle L., kochen es in Wasser aus und schöpfen das Fett ab. Aus diesem formen sie kleine Stückchen, welche sich beim Liegen an der Luft mit einer orangeroten, harten Kruste bedecken, die das Fett vor weiterer Einwirkung der Luft schützt. Es riecht angenehm, arnikaähnlich, bildet, auf die Haut gestrichen, nach Art des Kollodiums eine Membran und wird deshalb in Mexiko in der Medizin benutzt. Die A. besteht aus Glyceriden der Laurinsäure und der Axinsäure. Letztere ist dickflüssig, ölig; sie überzieht sich an der Luft mit einem Häutchen und erstarrt in dünnen Schichten vollständig. Dabei verwandelt sie sich in Hypogäsäure und in unlösliches, amorphes Aginin, welches sich in Ätzalkalien mit brauner Farbe löst und durch Säuren wieder gefällt wird.

Ägeisches Meer, s. Ägeus und Archipelagus.

Ageladas, griech. Bildhauer, Haupt der peloponnesischen Schule, deren Kunstcharakter gesunde Kraft und Vorliebe für die Darstellung des Männlichen gewesen zu sein scheint, lebte wahrscheinlich seit 515 v. Chr. in Argos, arbeitete ausschließlich in Erz, schuf Bilder des Zeus, des Herakles und einer Muse, mit Vorliebe aber Ehrenstatuen für die Sieger in den Kampfspielen sowie Gruppen von Reitern, Viergespannen etc. Seine Schüler waren Polyklet, Phidias und Myron.

Agelastica, s. Blattkäfer.

Agemina (spr. adsché-, ital. Lavoro alla gemina), s. v. w. Tauschierarbeit.

Agen (spr. aschang), Hauptstadt des franz. Departements Lot-et-Garonne, rechts an der Garonne, an der Orléans- und der Südbahn, in fruchtbarer und reizender Umgebung, eine der ältesten Städte Frankreichs, hat eine Kathedrale, eine schöne Hängebrücke mit einer Spannung von 170 m und einen Aquädukt des Seitenkanals der Garonne, welcher hier den Fluß mit 23 Bogen übersetzt, ferner etwas Industrie, blühenden Handel mit Toulouse und Bordeaux (Vieh, Pflaumen etc.) und (1881) 18,743 Einw. A. ist Sitz des Präfekten, eines Bischofs und eines Appellhofs und hat ein Lyceum, ein Museum und Archiv. Es ist Geburtsort der Gelehrten Joseph Scaliger, Lacépède und Bory de Saint-Vincent. Im Altertum war A. (Aginum, Agennum) Hauptstadt der Nitiobriger, später der Landschaft Agénois in der alten Provinz Guienne.

Agénde (Kirchenagende, v. lat. agenda, "was gethan werden soll"), in der alten Kirche Bezeichnung für sämtliche gottesdienstliche Handlungen, im Mittelalter insbesondere für die Messe und das Offizium, diente als Name eines die kirchlichen Gebete, Ansprachen und Segnungen zusammenfassenden Buches vor der Reformation äußerst selten (ein solches hieß im Mittelalter sacerdotale, manuale, rituale), häufiger in den Reformationskirchen, welche jedoch ihre Vorschriften für den Gottesdienst meist unter dem Namen der Kirchenordnungen gegeben haben. Unter den lutherischen Agenden und Kirchenordnungen des 16. Jahrh. schließen sich einige eng an die katholischen Gebräuche an, wie die Brandenburger Kirchenordnung von 1540, die österreichische A. von 1571; andre, wie die herzoglich preußische Kirchenordnung von 1525, die braunschweigische von 1528 etc., stellen sich ganz auf den von Luther in der "Formula missae" (1523) eingenommenen Standpunkt, während die württembergischen Kirchenordnungen von 1536 und 1555 sowie die Pfälzer von 1554 etc. den katholischen Ordo missalis gänzlich verlassen und durch radikalere Umgestaltung des Gottesdienstes ein reformiertes Gepräge erhalten. In der reformierten Kirche unterscheiden sich die Kirchenordnungen des 16. Jahrh., je nachdem sie einen mehr Zwinglischen Typus (so die Züricher und die Baseler, beide von 1529) oder einen mehr Calvinischen (wie die verschiedenen Genfer von 1536 und 1541 etc.) tragen; in den deutsch-reformierten Kirchenordnungen zeigt sich, wie in der Kirchenordnung des Pfalzgrafen Friedrich von 1563 und den hessischen von 1566 und 1573, eine lutheranisierende, resp. unierende Tendenz. Ebenfalls aus einer Vermittelung zwischen der reformierten und lutherischen Gottesdienstordnung ist das vielfach auf altkirchliche Gebräuche zurückgreifende "Common Prayer Book", die anglikanische A., hervorgegangen (vgl. Anglikanische Kirche). Gegenden Schluß des 18. Jahrh. tauchen in den protestantischen Kirchen Agenden auf, die einen von denen der Reformationszeit abweichenden, dem Geiste der Aufklärung und des Rationalismus sich anpassenden Charakter tragen; die Rückkehr zu den Gottesdienstordnungen des 16. Jahrh. beginnt mit der preußischen A. seit 1816 (vgl. Agendenstreit), und nach dem Vorbild Preußens erfolgte auch in den andern evangelischen Landeskirchen Deutschlands eine Rückbildung zu den alten agendarischen Formeln, so z. B. in Württem-^[folgende Seite]