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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alăva; Alayrac; Alb; Alba

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Alava - Alba.

Tierreich liefert besonders Hornvieh, Schafe und Ziegen. Die industrielle Thätigkeit ist hier geringer als im übrigen Baskenland; doch sind Eisen-, Blei- und Kupferminen in Betrieb, auch gewähren Salzminen und Asphaltgruben neben den schon genannten Rohprodukten Ausfuhrartikel. Das Land ist von guten Straßen durchzogen; es enthält auch die Hauptlinie der Spanischen Nordbahn und die Linie nach Bilbao. Die Provinz umfaßt drei Gerichtsbezirke. Hauptstadt ist Vitoria. Vgl. Basken.

Alăva, Michael Richard d', span. General und Diplomat, geb. 1771 zu Vitoria, diente anfangs auf der Flotte, dann im Heer, schloß sich 1808 den Franzosen an, verließ aber nach der Schlacht von Albuera 1811 die Sache Joseph Napoleons, trat auf die Seite der Engländer, ward Wellingtons Adjutant und zeichnete sich in den fernern Kämpfen gegen die Franzosen aus. Wellington erhob ihn nach der Erstürmung Vitorias zum General. Nach der Rückkehr Ferdinands VII. wurde er auf Betrieb der Kamarilla wegen liberaler Gesinnung eingekerkert und erst auf Drängen Wellingtons und durch Bestechung der Höflinge seitens der baskischen Städte befreit. Auf Wunsch des Prinzen von Oranien wurde er dann spanischer Gesandter im Haag, aber 1819 als verdächtig abberufen. Im J. 1820 schloß er sich der Revolution an und wirkte für Wiederaufrichtung der Konstitution von 1812, focht 1822 gegen die königlichen Garden und verhandelte 1823 in Cadiz im Namen der Regierung mit Angoulême. Der Rache Ferdinands entzog er sich durch die Flucht nach Gibraltar, dann nach England. Dort und in den Niederlanden lebte er mit Unterstützung seiner Freunde, bis er von der Königin Christine zurückgerufen und 1834 zum Pair des Reichs erhoben wurde. Unter dem Ministerium Martinez de la Rosa wurde er Gesandter in London, gab diesen Posten aber schon 1835 wieder auf und widmete sich der parlamentarischen Thätigkeit. Nachdem eine neue Revolution der spanischen Regierung die Konstitution von 1812 aufgedrungen, verweigerte A., im Widerspruch mit seiner Vergangenheit, deren Annahme, verließ den Staatsdienst und starb 1843 in den Bädern von Barèges.

Alayrac (spr. (alärack), Nicolas d', franz. Opernkomponist, geb. 10. April 1753 zu Mouret bei Toulouse, lebte seit 1774 in Paris, wo ihn seine Kompositionen bald zum Liebling der Nation machten. Er starb 27. Nov. 1809 daselbst. Viele seiner Operetten, z. B. "Die beiden Savoyarden", "Dichter und Musiker", "Raoul von Créqui", sind auch in Deutschland beliebt geworden.

Alb, s. Alp und Elfen.

Alb (Rauhe), s. Jura (Deutscher).

Alb, zwei Nebenflüsse des Rheins im Großherzogtum Baden: die südliche A., welche im Schwarzwald nahe dem Feldsee entspringt, ein sehr schönes Thal durchfließt und bei Albbruck mündet, und die nördliche A., welche aus dem Württembergischen kommt und bei Knielingen den Rhein erreicht.

Alba (lat.), das bis zu den Füßen reichende, um die Hüften gegürtete Chorhemd von weißer Leinwand, welches als Amtskleid der Geistlichen nach dem Vorbild der jüdischen Priester und als Symbol der Reinheit in der lateinischen Kirche bis in die apostolischen Zeiten hinaufreicht und sich in Form und Schnitt durch das ganze Mittelalter unverändert erhielt (s. Abbildung). Wenn es vorn über dem untern Saume mit einem goldgestickten Besatz versehen war, hieß es A. parata. In der griechischen Kirche wird es durch das seidene, meist farbige Sticharion vertreten. Die anglikanische Kirche hat die A. beibehalten, die lutherische hier und da beim Abendmahl. Weil die Täuflinge in der alten Kirche ebenfalls ein weißes Gewand (Taufhemd oder Wasserhemd) mit Beziehung auf Offenb. Joh. 6, 11 trugen, heißt der alte Taufsonntag (Sonntag nach Ostern) Dominica in albis, der weiße Sonntag. Auch zum Krönungsgewand der deutschen Kaiser gehörte eine seidene A., wie sie noch jetzt unter den Krönungsinsignien in der Schatzkammer der Hofburg zu Wien aufbewahrt wird.

^[Abb.: Alba.]

Alba, 1) Kreishauptstadt in der oberital. Provinz Cuneo, rechts am Tanaro und an der Eisenbahn Alessandria-Cavallermaggiore, Sitz eines Bischofs, mit Kathedrale, Gymnasium, Krankenhaus, Wein- und Seidenkultur, Seidenspinnerei, Handel mit Wein, Vieh und Trüffeln und (1881) 8961 Einw. A. ist das alte A. Pompeja, Geburtsort des Kaisers Pertinax. -

2) Uralter Ort in der ital. Provinz Aquila, am Fuß des Velino, in der Nähe des ehemaligen Fuciner Sees, mit kaum 200 Einw., das A. Fucentia der Römer, welches als Aufenthaltsort vornehmer Gefangenen (z. B. des Perseus von Makedonien und des Syphax) geschichtlich bekannt ist. Noch jetzt sieht man die cyklopischen Mauern der alten Stadt, Reste eines alten Tempels etc. Vgl. Promis, Le antichità di A. Fucense (Rom 1836).

Alba, Ferdinand Alvarez de Toledo, Herzog von, span. Feldherr und Staatsmann, geb. 1508, stammte aus einem der vornehmsten Häuser Spaniens. Schon im 16. Jahr trat er ins Heer. In der Schlacht bei Pavia (1525), in Ungarn, in den Kämpfen wider die Türken, auf Karls V. Zügen gegen Tunis und Algier und in der Provence vor Marseille gab er Proben seiner Tapferkeit wie seiner großen Anlagen zum Feldherrn, stieg von Grad zu Grad, ward, kaum 26 Jahre alt, General und mit dem 30. Jahr Oberfeldherr der kaiserlichen Heere. Er erwarb sich bald das unbeschränkte Vertrauen Karls V. In dessen viertem Kriege gegen Frankreich (1542) gewann er neue Lorbeeren durch die geschickte Verteidigung Kataloniens und Navarras. Im J. 1546 befehligte er im Schmalkaldischen Krieg unter Karl V. das kaiserliche Heer, unterwarf die protestantischen Städte Süddeutschlands, züchtigte den Herzog Ulrich von Württemberg und trug zu Karls Sieg bei Mühlberg (1547) das meiste bei. Dem Kriegsgericht, welches den in der Schlacht gefangenen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen zum Tod verurteilte, präsidierte A. und riet dem Kaiser, das Urteil sofort vollziehen zu lassen. Dagegen gelang es ihm 1552 nicht, den Franzosen Metz wieder zu entreißen. Glücklicher focht er als Oberbefehlshaber und Vizekönig in Italien gegen die vereinigte päpstliche und französische Armee, die er 1555 wiederholt schlug. Nach Karls V. Abdankung (1556) besetzte er, als Philipp II. mit Papst Paul IV. in Streit geriet, den Kirchenstaat, mußte jedoch auf Befehl des Königs mit dem Papst Frieden schließen und ihm alles Eroberte zurückgeben. Als der Bildersturm in den Niederlanden die Ohnmacht der Regentin Margareta bewies, ward A. 1567 zum Generalkapitän der Niederlande mit königlicher Voll-^[folgende Seite]