Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

357

Algiers - Alhambra.

Küste ist, in welchem alle Straßen des Binnenlands (darunter jetzt zwei Eisenbahnlinien, von Oran und von Konstantine) zusammenlaufen. Zur Ausfuhr gelangen besonders: Getreide, Mehl, Olivenöl, Pferde und Vieh, Häute, Wolle und Baumwolle, Tabak, Talg, Tafelfrüchte, Wachs etc. Der Hauptteil der Einfuhr entfällt auf Frankreich; außerdem sendet England Steinkohlen, Baumwollwaren und Eisen; Italien Reis, Wein, Töpferwaren; Österreich Blauholz, Stahl; Spanien Wein und Früchte. Neuerdings ist A. auch als klimatischer Kurort sehr in Aufnahme gekommen, der im Winter zahlreiche brustleidende Europäer anlockt (vgl. Schneider, Der klimatische Kurort A., Dresd. 1869-78, 3 Bde.). - Über die Geschichte der Stadt s. Algerien.

Algiers (spr. aldschihrs), Stadt im nordamerikan. Staat Louisiana, New Orleans gegenüber, mit dem es durch eine Dampffähre in Verbindung steht, hat Schiffswerften und (1880) 8855 Einw.

Algierscher Paß (Seepaß, Türkenpaß, Mittelländischer Paß, franz. Marque), der Paß, welchen die Schiffe derjenigen Staaten lösen und an Bord mit sich führen mußten, die mit den Barbareskenstaaten Verträge abgeschlossen hatten. Erst seit 1830 mit der Eroberung Algiers durch die Franzosen hörte die Seeräuberei der Barbaresken im Mittelmeer und damit auch die Notwendigkeit eines Türkenpasses auf.

Algiersches Metall, s. Britanniametall.

Algōabai, eine 45 km breite Meeresbucht an der Südostküste des Kaplands, etwa 740 km vom Kap der Guten Hoffnung entfernt.

Algodonales, Bai von, eine der wenigen als Hafenplätze geeigneten Meeresbuchten an der Küste von Bolivia in Südamerika, neuerdings vom Naturforscher E. v. Bibra untersucht. Das Uferland der Bai ist der Anfang der Wüste Atacama und trägt schon vollständig den Charakter derselben. Seit Menschengedenken hat es an der Bai nicht geregnet, und Bibra will geognostisch nachweisen, daß dies seit wenigstens 2000 Jahren nicht der Fall war. Es gibt dort keine Quelle und keine Spur von Vegetation. Die gegenwärtige Bevölkerung wurde durch die reichen Kupferminen hierher gezogen. Unter den fast überall verbreiteten Kupfererzen fand Bibra auch den sonst so seltenen Atacamit, welcher hier, gemengt mit Rotkupfererz, einen Gang von 2 m Mächtigkeit bildet.

Algodonit, s. Arsenkupfer.

Algol, der Stern β im Sternbild des Perseus (s. d.).

Algoma, Hafenort am Nordufer des Huronsees, in der britisch-amerikan. Provinz Ontario. Es ist Sitz eines Bischofs.

Algonkin, der angeblich aus Adirondack (Blattesser) verstümmelte Name einer großen Gruppe von Indianerstämmen Nordamerikas, welche ehedem einen sehr großen Teil Britisch-Amerikas und der jetzigen Vereinigten Staaten innehatte, gegenwärtig aber nur noch in einigen Stämmen im N. und im W. (Blackfeet, Kri, Mikmak etc.) fortexistiert, während die übrigen Stämme teils ganz verschwunden, teils auf eine geringe Anzahl, oft nur wenige Familien, zusammengeschmolzen sind (s. Indianer). Während die A. im 17. Jahrh. über 250,000 Köpfe zählten, berechnet man sie heute auf höchstens 40,000. Die Sprachen sämtlicher Stämme der A. bilden einen besondern Sprachstamm, der außer Zusammenhang mit allen übrigen Sprachen Nordamerikas steht und auf eine nicht mehr bestehende Ursprache zurückgeführt wird. Vgl. F. Müller, Über den Bau der Algonkinsprachen (Wien 1867).

Algorithmus (Algarithmus), abgeleitet von dem Namen des arab. Mathematikers Mohammed Ben Mufa Alkaresmi), im Mittelalter Rechnung nach dem dekadischen Zahlensystem, auch Bezeichnung für arithmetische Lehrbücher; jetzt s. v. w. Rechnungsverfahren überhaupt.

Alguacil (spr. -ßil; arab. Wasîl), im Spanischen Titel des mit der Ausübung der Justiz Betrauten. Es gibt Alguaciles mayores, welche die Justiz in einer Stadt als erbliches Lehen ausüben oder von der Munizipalität dazu berufen worden sind, und Alguaciles menores oder ordinarios, die untern Diener der Justiz und Polizei. Diese erscheinen bei gewissen Feierlichkeiten in altspanischer Tracht und beritten. Früher hießen so auch die Vollstrecker der Urteile der Tribunale, der Inquisition etc.

Algumin, s. v. w. rotes Sandelholz.

Alhāma, 1) Bezirksstadt in der span. Provinz Granada, romantisch am Nordfuß der Sierra de A. gelegen, mit berühmten Schwefelquellen (45° C.) und (1878) 7758 Einw.; war zur Maurenzeit eine wichtige Festung und Schatzkammer der Könige von Granada. Im Januar 1885 wurde A. durch Erdbeben arg beschädigt. - 2) Badeort in der span. Provinz Murcia, mit Schwefelquellen (46° C.) und (1878) 6298 Einw. - 3) Badeort in der span. Provinz Saragossa, Bezirk Ateca, am Jalon und der Eisenbahn Madrid-Saragossa, mit warmen Mineralquellen und (1878) 1278 Einw. - 4) A. la Seca, Stadt in der span. Provinz Almeria (Granada), am östlichen Abhang der Sierra de Grados und am Rio von Almeria, mit Mineralquelle und (1878) 3631 Einw.

Alhambra ("der rote", nämlich Turm), einst maur. Königsburg, das herrlichste Denkmal arabischer Baukunst in Europa, in paradiesischer Gegend der spanischen Provinz Granada auf der Spitze eines bewaldeten Bergs, 2 km von Granada, gelegen, von dieser Stadt durch ein üppiges, vom Darro durchströmtes Thal geschieden. Ein Teil der Bauanlagen datiert aus dem 13. Jahrh.; Mohammed Ibn al Ahmar vom Stamm der Nassriden wird als Gründer der A. genannt. Im J. 1273 war die Hauptmasse der Festung vollendet; Mohammed II. führte den Bau derselben weiter. Dann begannen die Prachtbauten und die Ausführung der innern Dekoration, welche im 15. Jahrh. vollendet wurden. Nach der Eroberung durch die Christen ward ein großer Teil zerstört, namentlich durch Kaiser Karl V., welcher das Abgerissene durch einen unvollendet gebliebenen Palast in schwerem Renaissancestil ersetzen wollte. Was erhalten ist, reicht indessen hin, um der Phantasie ein Bild der schönsten Zeit maurischer Kultur vorzuführen. Die Anlage des Schlosses gruppiert sich um zwei offene Höfe, die mit Bassins, Fontänen, Säulenhallen und weit vorspringenden Dächern Kühlung und Schatten gewähren. Nach außen ist die A. durch hohe, einfache, zinnenbekrönte Mauermassen abgeschlossen; nur an den vier Thoren zeigt sich reichere Dekoration, so an dem hufeisenförmig gewölbten, mit Arabesken gezierten sogen. Thor der Gerechtigkeit, durch welches man vom Fluß Jenil aufwärts, durch den herrlichen die Burg umgebenden Park kommend, eintritt. Man gelangt zunächst in den 22 m breiten, 40 m langen Myrtenhof, der an seinen beiden Schmalseiten von einer Säulenhalle eingefaßt wird. Dem Eingang entgegengesetzt an der Nordseite liegt hinter einem Vestibül in einem gewaltigen viereckigen Turm der Saal der Gesandten, ein Quadrat von 11 m, auf drei Seiten durch Fensternischen erweitert, mit Stalaktitenkuppel. Am besten erhalten sind ferner die