Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alhambravasen; Alhandal; Alhenna; Alhidāde; Ali

358

Alhambravasen - Ali.

östlich von dem genannten Hof gelegenen Räume. Ihren Mittelpunkt stellt ein zweiter offener Hof dar, etwas kleiner als der erste, 19 m breit, 34 m lang, aber an Reichtum, Zierlichkeit und Glanz der Ausstattung jenem überlegen. Auch ihn schmücken Springbrunnen, namentlich in der Mitte eine mächtige Schale von Alabaster, die auf zwölf Löwen von schwarzem Marmor ruht und dem Raum den Namen des Löwenhofs gegeben hat. Rings umziehen Bogenhallen auf schlanken Säulchen den Hof und erweitern sich in der Mitte der beiden Schmalseiten zu viereckig vortretenden Pavillons, die ebenfalls Springbrunnen enthalten. Östlich gelangt man in einen langen, hallenartigen Raum mit fünf tiefen Nischen, den Saal des Gerichts, während in der Mitte der Langseiten des Löwenhofs sich gegen N. der Saal der beiden Schwestern, von zwei großen Marmorplatten des Fußbodens so benannt, gegen S. ein kleiner Saal anschließt, der seinen Namen von dem Morde der berühmten Familie der Abencerragen (s. d. und Tafel "Baukunst VIII", Fig. 6-12) erhielt. Diese Räume sind die schönsten und glänzendsten des Schlosses, an ihren Wandflächen und stalaktierten Kuppeln mit einer unerschöpflichen Pracht buntfarbiger Ornamente überdeckt, die Halle der Abencerragen außerdem durch eine zierliche Bogenstellung auf schlanker Mittelsäule aufs anmutigste mit zwei anstoßenden Kabinetten verbunden. Überall befinden sich kleinere Fontänen, die das Behaglich-Wohnliche, Träumerisch-Poetische dieser Räume vollenden. Die Ecke zwischen der Halle der zwei Schwestern und dem Myrtenhof füllt eine Anlage von Baderäumen, die mit den Wohngemächern in Verbindung stehen. Die künstlerische Ausbildung dieses Grundplans atmet die höchste Leichtigkeit und Anmut. Die Marmorsäulen schießen gleich dünnen Rohrstäbchen empor, und auch die Kapitäler haben diesen graziösen Charakter. Über den Säulen erhebt sich ein kräftiger Mauerpfeiler, der mit horizontalem Fries abschließt, in welchen der je zwei Säulen verbindende Bogen hineingespannt ist. Dazu gesellt sich eine in ihrer harmonischen Pracht unerreichte Ausstattung der Wandflächen, welche durch Streifen mit goldenen Inschriften auf azurblauem Grund abgeteilt und in einzelne Felder gefaßt sind, deren Flächen von prächtigen Arabesken in Gold, Blau und Rot strahlen. Die spanische Regierung läßt neuerdings die A. stilgemäß restaurieren. Vgl. außer W. Irvings bekannten "Erzählungen von der A.": Gosche, Die A. (Berl. 1854), und die Prachtwerke: Murphy, The Arabian antiquities in Spain (neue Ausg., Lond. 1856); Girault de Prangey, Monuments arabes et moresques d'Espagne ( Par. 1839); Owen Jones, Plans, elevations, sections and details of the A. (Lond. 1848, 2 Bde.).

Alhambravasen, drei im 16. Jahrh. in einem Keller der Alhambra gefundene Vasen aus gelblich emaillierter Fayence mit goldgelben, weißen und blauen Ornamenten in maurischem Stil, von denen nur noch eine 1,36 m hohe, aus dem 14. Jahrh. stammende in Spanien vorhanden ist, während die beiden andern verschwunden sind.

Alhandal, s. Citrullus.

Alhenna, s. Lawsonia.

Alhidāde (arab., "Zähler"), Teil an Meßinstrumenten, z. B. am Theodolit (s. d.).

Ali, 1) A. Ben Abu Taleb, "erster Moslem", vierter Kalif, der treueste und tapferste Gefährte des Propheten, dessen Neffe und durch seine Gattin Fatime dessen Eidam, geb. 602 n. Chr. zu Mekka, ward nach Mohammeds Tod 632 auf Betrieb Aischas, die er beleidigt, nicht zum Kalifen gewählt und bestieg erst nach Othmans Ermordung 656 als vierter Kalif den Thron, hatte aber verschiedene Aufstände zu bekämpfen. Aischa, die intrigante und rachsüchtige Witwe Mohammeds, erhob sich, mit mehreren Großen im Bund, angeblich um Othmans Tod zu rächen, gegen A., ward aber von diesem 656 in der Kamelschlacht bei Basra geschlagen und gefangen genommen, jedoch mit Schonung behandelt. Auch der Omejjade Muawija, von Othman zum Statthalter von Syrien erhoben, verweigerte A. den Gehorsam. Es entbrannte ein erbitterter, blutiger Krieg, der das Land verwüstete. Da verschworen sich drei Koreischiten, die Urheber dieses Kriegs aus dem Weg zu schaffen: A. und Muawija sollten an Einem Tag (21. Jan. 661) fallen. Muawija wurde nur verwundet, A. jedoch fiel, als er zum Gebet in die Moschee gehen wollte, unter dem Mordstahl Abd ur Rahmâns in Kufa. A. ragte durch Tapferkeit, Tugend und Frömmigkeit hervor und besaß Beredsamkeit und reiches Wissen; von seinen Anhängern ward er schwärmerisch verehrt, als der Paraklet angesehen, der dem Islam erst die wahre Vollendung verliehen habe, und seine Nachkommen, die Aliden, die in Medina lebten, als die einzig berechtigten Nachfolger des Propheten betrachtet. Unter der Herrschaft der Omejjaden wurde Alis Partei unterdrückt, sie kam aber wieder empor und erlangte namentlich im Osten, in Iran, Macht unter den Abbassiden. Die Dynastie der Fatimiden (s. d.) leitete von ihm ihren Ursprung ab. Noch werden Wallfahrten zu seinem Grabe bei Kufa gemacht und Tote in der Nähe desselben begraben, damit sie selig neben dem Gefeierten ruhen. Die religiösen Anhänger Alis, die Schiiten, welche A. selbst göttliche Verehrung zollen und unter seinen Nachkommen besonders zwölf (die Imame, davon Ismail und Mohammed die bedeutendsten) hochstellen, haben sich namentlich in Persien und der Tatarei ausgebreitet. Die dem A. zugeschriebenen Sprüche sind am besten von Fleischer (Leipz. 1837) herausgegeben; der "Divan" oder die vollständige Sammlung seiner lyrischen Gedichte, größten teils religiösen Inhalts, erschien 1840 zu Bulak bei Kairo im Druck.

2) Pascha von Janina, geb. 1741 zu Tepeleni in Albanien aus einem alten, im 15. Jahrh. zum Schiitismus übergetretenen, zum toskischen Stamm der Liapen gehörigen albanesischen Geschlecht, Sohn eines Paschas von zwei Roßschweifen, der zu Tepeleni eine beschränkte Gerichtsbarkeit ausübte, schwang sich durch Talent und List bis zum Gipfel despotischer Macht empor. Nach dem Tode des Vaters (1754) in Not und Bedrängnis geraten, gewann er in abenteuerlichen und wechselvollen Kämpfen die diesem entrissenen Besitzungen wieder und zog, nachdem er mehrmals gefangen und bestraft worden, schließlich an der Spitze einer geworbenen Klephthenschar in Tepeleni ein. Er ermordete seinen leiblichen Bruder, beschuldigte die Mutter, denselben vergiftet zu haben, und sperrte sie ein. Seit 1767 im Dienste des Paschas von Delvino, ward er wegen der im Kriege gegen Rußland und Österreich geleisteten Dienste 1787 vom Sultan zum Pascha von Trikkala in Thessalien ernannt. Bald darauf setzte er sich durch einen kühnen Gewaltstreich (1788) in Besitz der Stadt Janina, gewann das Paschalik daselbst und 1789 auch das von Arta. Die Pforte ließ ihn gewähren, da sie durch auswärtige Kriege und innere Schwierigkeiten in Anspruch genommen war. A. erweiterte nun seine Herrschaft mehr und mehr, herrschte grausam, aber