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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Almaty; Almazarron; Alme; Almeh; Almēida; Almēida-Garrett

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Almaty - Almeida-Garrett.

nachgebildeten Gerätschaften eine große Virtuosität. Wie die alten Niederländer, die van Eyck und ihre Schüler, auf welche ihn Leys geführt hatte, liebt er die hellen, klaren Töne und ein volles, gleichmäßiges Licht, ohne mit Schattenwirkungen zu operieren. Auf die Ausbildung der Lufttöne legt er kein Gewicht, sondern begnügt sich mit der einfachen Wiedergabe der Lokaltöne, wodurch bisweilen die Perspektive in seinen Bildern mißlingt. Im J. 1870 siedelte er von Brüssel, wo er bis dahin gewohnt hatte, nach London über und ließ sich daselbst naturalisieren. Von jetzt ab malte er fast ausschließlich Bilder aus dem römischen Altertum, unter denen das Fest der Weinlese (1872), das Bildhaueratelier und das Maleratelier (1874) die in der treuen Wiedergabe des Stofflichen und in der subtilen malerischen Durchführung gipfelnde Begabung Alma-Tademas von der glänzendsten Seite zeigten, Eine tiefere Empfindung und Erregung in den Köpfen seiner Figuren widerzuspiegeln, ist ihm versagt, wie z. B. die Rache brütende Fredegunde auf der Morgengabe der Galeswintha (1878) und seine Porträte beweisen. Auch für lebensgroße Figuren reicht seine mehr auf das Zierliche gerichtete malerische Kraft nicht aus, wie sich aus dem Bildhauermodell (1876) ergibt. Das Beste leistet A. in Genrebildern kleinern Umfangs, wie: eine Frage, Willkommen!, die Badewärterin, der römische Garten. Von den Bildern der letzten Jahre sind außer den genannten noch zu erwähnen: eine Audienz bei Agrippa, Claudius Imperator und Sappho. A. ist auch ausgezeichneter Aquarellmaler. - Seine Gattin Laura A. ist ebenfalls als Malerin auf dem Gebiet des modernen Genrebilds thätig.

Almaty, Stadt, s. Wjernyi. ^[richtig: Wjernoje.]

Almazarron, s. Mazarron.

Alme, Nebenflüßchen der Lippe in Westfalen, von einigen für den Aliso der Römer gehalten, entspringt im Bergland von Brilon bei dem Dorf Oberalme, nimmt bei Büren den Afterbach, weiterhin (bei Nordborchen) die Altenau auf und mündet bei Neuhaus.

Almeh (arab., d. h. die in Künsten "Gelehrte", Mehrzahl Awalim), Name der umherziehenden Tänzerinnen und Sängerinnen in Ägypten und Indien. Sie bilden eine eigne Zunft, werden häufig bei Festlichkeiten zur Unterhaltung der Gäste gemietet und haben auch in den Harems Zutritt.

Almēida, Stadt in der portug. Provinz Beira, Distrikt Guarda, wichtige Grenzfestung gegen Spanien, östlich vom Coa, mit (1878) 1680 Einw. Die Festung wurde 1762 von den Spaniern erobert, aber den Portugiesen wieder zurückgegeben. Als die Franzosen unter Ney 24. Juli 1810 über die Coa in Portugal eindringen wollten, verteidigte sich der englische General Coco in A. tapfer wider den Marschall Masséna und bequemte sich erst, als durch eine Bombe eins der bedeutendsten Pulvermagazine in die Luft flog, zur Kapitulation. Bei dem Rückzug der Franzosen aus Portugal sprengte nach dem mörderischen Kampf Massénas mit Wellington 3. und 5. Mai 1811 der französische Befehlshaber von A., General Brenier, den größten Teil der Festungswerke in die Luft; doch wurden dieselben von den Engländern wiederhergestellt.

Almēida, 1) Don Francesco d', tapferer portug. Heerführer aus dem Geschlecht der Grafen von Abrantes. Nachdem er sich schon in den Kämpfen gegen die Mauren und bei der Eroberung von Granada durch Tapferkeit und Umsicht ausgezeichnet, wurde er unter König Emanuel I. 1505 als erster portugiesischer Vizekönig in Ostindien Begründer der portugiesischen Macht daselbst. Die Städte Quiloa, Mombas, Kananor, Kalikat, Kollam etc. wurden von ihm teils erobert, teils durch Anlegung von Festungen und Faktoreien gesichert. Sein tapferer Sohn Lourenço erfocht 17. und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg über die Flotte von Kalikat vor dem Hafen von Kananor. A. schloß die Ägypter und dann auch die Venezianer von den besuchtesten Marktplätzen aus und sperrte den Arabischen und Persischen Meerbusen. In dem deshalb entbrennenden Krieg wurde Lourenço, der 1506 Ceylon besucht hatte, von den Ägyptern bei Tschoul bei Bombay 1507 angegriffen, mit seinem Schiff abgeschnitten und getötet. A. wollte eben einen Rachekrieg antreten, als Affonso d'Albuquerque erschien, von dem gegen A. mißtrauischen Hof gesandt, um von diesem die Übergabe des Oberbefehls zu fordern. Dies verweigerte A., ehe er die Niederlage und den Tod seines Sohns gerächt habe. Im Dezember 1508 segelte er mit 23 Schiffen von Kananor ab, erstürmte und zerstörte Dabul und schlug die Ägypter 3. Febr. 1509 im Hafen von Diu. Erst jetzt legte er das Kommando nieder und verließ Kotschin 19. Dez. 1509. Er erreichte jedoch sein Vaterland nicht, sondern wurde zu Saldanha am Vorgebirge der Guten Hoffnung 1. März 1510 in einem Gefecht mit den Eingebornen durch einen Lanzenstich getötet.

2) Emanuel, portug. Jesuit, geb. 1580 zu Vizeu, gest. 1646 in Goa, lebte von 1622 bis 1634 am Hof des Sultans von Abessinien, über welches Land er in seiner "Geschichte Äthiopiens" (Coimbra 1650) und in den "Historischen Briefen" (Rom 1629) für die damalige Zeit verdienstliche Nachrichten veröffentlichte.

3) Nicoláo Tolentino d', portug. Dichter und Satiriker, geb. 1741 zu Lissabon, studierte in Coimbra und gründete seinen Ruf durch ein satirisches Gedicht auf den Exminister Pombal, das ihm die Stelle eines Sekretärs im Departement des Innern erwarb. Äußern Sorgen enthoben, lebte er nun bloß seiner Neigung zur Dichtkunst. Er starb in Lissabon 1811. Almeidas spätere Satiren sind gegen Laster und Verkehrtheiten der Zeit gerichtet, ohne persönlich zu werden, und durch Naivität wie Eleganz des Stils ausgezeichnet. Seine "Obras poeticas" erschienen zu Lissabon 1802 in 2 Bänden (neue Aufl. 1828).

Almēida-Garrett, João Baptista de, ausgezeichneter portug. Dichter, geb. 4. Febr. 1799 zu Oporto, studierte seit 1816 die Rechtswissenschaft in Coimbra, wo er mit drei antik gehaltenen Tragödien: "Xerxes", "Lucrecia" und "Merope", hervortrat, schloß sich dann 1820 der demokratischen Erhebung an und ward, kaum 21 Jahre alt, im Ministerium des Innern mit der Leitung des öffentlichen Unterrichts betraut. Damals schrieb er eine Tragödie: "Catão", die zu den besten Produkten der portugiesischen Litteratur gehört. Infolge der Restauration von 1823 verbannt, wendete er sich zuerst nach England, wo er eine romantisch-chevalereske Dichtung: "Magriço", und dann den "Tratado de educação" (Lond. 1829, Bd. 1) veröffentlichte, nahm dann in Havre eine Stelle in den Kontoren des Hauses Laffitte an und verfaßte daselbst seinen "Camões" (Par. 1825), ein Gedicht in zehn Gesängen, worin er mit hoher patriotischer Begeisterung Leben und Tod des berühmtesten Dichters seiner Nation besungen hat, sowie die "Dona Branca, ou a conquista do Algarve" (das. 1826), ein episch-lyrisches Gedicht von satirischer Tendenz in Wielands Manier, das vorzugsweise das Mönchswesen persifliert. Nach dem Tad Johanns VI. (1826) ins Vaterland zurückgekehrt, war er als Publizist besonders für die liberalen Blätter "Portuguez" und